Seit zehn Jahren zeigt die Videoplattform labournet.tv Arbeitskämpfe und Alternativmodelle

Der laute Frühling

In der nächsten Zeit arbeitet Johanna Schellhagen an dem Film „The Loud Spring“, in dem Klimaaktivist:innen befragt werden, was sie unter dem Begriff „System Change“ verstehen und wie sie ihn erreichen wollen. „Wir wollen auch rauskriegen, ob die Klimabewegung nicht von der Arbeiter:innenbewegung lernen kann, die schließlich auch fast ein Jahrhundert lag über die Frage Reform oder Revolution gestritten hat“, erklärt Johanna Schellhagen.

„Streik der Zuckerrohrarbeiter in Kolumbien“, Neue Protestwelle in Tunesien“, Union-Busting bei Starbucks in Berlin“ – das sind einige der Titel von Videos auf der Internetplattform labournet.tv. Seit zehn Jahren sorgt ein keines Kollektiv von Frauen dafür, dass „die Kämpfe zirkulieren“, so das Motto von labournet.tv. Im Zentrum stehen die Lohnarbeiter:innen, ihre …

… (Selbst-)Organisierung, historische und heutige Arbeitskämpfe sowie gesellschaftliche Alternativmodelle.

Arbeitende Bevölkerung bleibt unsichtbar

Dabei betont Johanna Schellhagen, eine der Gründerinnen von labournet.tv, dass alle Filme aus der Perspektive der Arbeitenden entstanden sind. Sie kritisiert, dass die arbeitende Bevölkerung gesellschaftlich kaum wahrgenommen wird. „Selbst wenn über einen Streik berichtet wird, werden meist nicht die Arbeiterinnen und Arbeiter interviewt, sondern die Gewerkschaftssekretärin – oder überhaupt nur die Arbeitgeber und genervte Kunden“, betont Jeanne Neton von labournet.tv. „Dem setzen wir etwas entgegen, indem wir aus der Perspektive der Arbeitenden selbst berichten.“ Das feministische Videokollektiv will mit ihrer Arbeit in die Gesellschaft wirken und einen Beitrag zu ihrer Veränderung leisten.

Die Betroffenen selbst zu Wort kommen lassen

„Diesen ganzen Bereich, wo Leute gegen ihre Vernutzung und Ausbeutung, gegen Altersarmut und die Zerschlagung ihrer Betriebe kämpfen, braucht mehr Berichterstattung. Das geht nicht, indem man mit der Gewerkschaftssekretärin redet, sondern indem man sich mit den Betroffenen verbündet. Dann können wir eine breite gesellschaftliche Solidaritätsfront aufbauen, die die Verhältnisse tatsächlich umwälzt“, erklärt Johanna Schellhagen die Motivation für ihr Engagement. „Es gibt einen immensen Bedarf an Leuten, die losziehen, wenn gestreikt wird und den Arbeiterinnen und Arbeitern ein Mikrofon unter die Nase halten oder eine Veranstaltung organisieren, in der sie berichten können, was bei ihnen im Betrieb passiert und wofür sie kämpfen“, resümiert Schellhagen aus ihren Erfahrungen bei labournet.tv.

Sie beschreibt damit auch einen wichtigen Teil ihrer Arbeit im letzten Jahrzehnt. So wurde 2015 mit Schellhagens Film „Die Angst wegschmeißen“ ein Zyklus von Arbeitskämpfen vornehmlich migrantischer Beschäftigter in der norditalienischen Logistikindustrie bekannt. Im Anschluss plante das Publikum Solidaritätsaktionen mit den Streikenden.

Was kann die Klimabewegung lernen?

In der nächsten Zeit arbeitet Johanna Schellhagen an dem Film „The Loud Spring“, in dem Klimaaktivist:innen befragt werden, was sie unter dem Begriff „System Change“ verstehen und wie sie ihn erreichen wollen. „Wir wollen auch rauskriegen, ob die Klimabewegung nicht von der Arbeiter:innenbewegung lernen kann, die schließlich auch fast ein Jahrhundert lag über die Frage Reform oder Revolution gestritten hat“, erklärt Johanna Schellhagen.

Man darf auf den Film gespannt sein. Ebenso sollte man die vielen Videos von Arbeitskämpfen aus aller Welt nicht verpassen, die auf labournet.tv zu finden sind. Und man sollte mit einer Spende dazu beitragen, dass die Kämpfe weiter zirkulieren können.

Peter Nowak

Weitere Informationen und Unterstützungsmöglichkeit: www.labournet.tv