BVV Neukölln bleibt trotz Anwohnerprotesten bei Sanierungsplan für Weigandufer

Es darf gerodet werden

Andreas Knopp, einer der Initia­toren des Bür­ger­pro­tests, kann es nicht fassen. „Das, was sich die Grünen bei den Aus­ein­an­der­set­zungen um das Wei­gan­dufer geleistet haben, ist beschämend“, sagt er nach der Sitzung, andere Zuschaue­rInnen äußern sich im selben Sinn.

Für die Anwoh­ne­rInnen des Neu­köllner Wei­gan­dufers, die seit Monaten für eine behut­samere Sanierung des Grün­streifens streiten, war der Mitt­woch­abend eine herbe Ent­täu­schung. SPD und Grüne lehnten in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung einen .…

.… Antrag der Links­fraktion für einen sofor­tigen Rodungs­stopp am Wei­gan­dufer und eine Wie­der­auf­nahme der Pla­nungen unter grö­ßerer Anwoh­ne­rIn­nen­be­tei­ligung ab.

Andreas Knopp, einer der Initia­toren des Bür­ger­pro­tests, kann es nicht fassen. „Das, was sich die Grünen bei den Aus­ein­an­der­set­zungen um das Wei­gan­dufer geleistet haben, ist beschämend“, sagt er nach der Sitzung, andere Zuschaue­rInnen äußern sich im selben Sinn. Knopp und seine Mit­strei­te­rInnen von der Anwoh­ne­rIn­nen­in­itiative „Wei­gan­dufer retten“ hatten vor der Sitzung knapp 770 Unter­schriften über­geben. Sie fordern neben dem Rodungs­stopp und dem Erhalt der gewach­senen Sträucher und Bäume zwi­schen Fulda- und Inn­straße auch die Aner­kennung des gesamten Ufer­be­reichs als „wert­voller und schutz­wür­diger Grünzug“.

Das Ufer habe eine „wichtige Funktion für die Umwelt und das Stadt­klima“, erklärt Ini- Mit­glied Eva Willig. „Die aktu­ellen Umge­stal­tungs­pläne bedeuten weniger Grün und sind zudem ein Rück­schlag für den Vogel­schutz am Wei­gan­dufer“, ergänzt Stefan Tietke, der sich eben­falls in der Initiative enga­giert.

Land­schafts­pla­nerin Marlis Fuhrmann, die die Linke in der BVV ver­tritt, unter­stützt die Anwoh­ne­rInnen. „Der Alter­na­tiv­vor­schlag der Initiative zur Bepflanzung des Wei­gan­dufers ist ver­nünftig, weil die Groß­sträucher erhalten bleiben und auf groß­flä­chige Pflas­terung des Geländes ver­zichtet wird. Dann könnte auch auf die jetzt geplanten Mulden zur Regenwas- ser­ver­si­ckerung ver­zichtet werden“, erklärt Fuhrmann der taz.

Christian Hoffmann, Bezirks­ver­ord­neter der Grünen, weist die Kritik zurück. Zum Vorwurf der feh­lenden Betei­li­gungs­mög­lich­keiten sagt er der taz: „Das Betei­li­gungs­gremium hat sich in den ver­gan­genen vier Jahren in seiner Zusam­men­setzung geändert.“ Seit 2015 hätten sich wech­selnde Anwoh­ne­rInnen am Prozess beteiligt, einige Wünsche und Prio­ri­täten hätten sich dadurch womöglich geändert. Aber Planung bedeute immer, die Inter­essen mög­lichst vieler zu berück­sich­tigen und ver­schiedene Aspekte abzu­wägen. Er habe den Ein­druck, so Hoffmann, dass mache Kri­ti­ke­rInnen die öko­lo­gi­schen Argu­mente nur vor­schieben und einfach kei­nerlei Ände­rungen am Wei­gan­dufer wollten.

Der Grüne wider­spricht der Anwoh­ne­rIn­nen­in­itiative auch in puncto Öko­logie. „Bei dem vor­han­denen Strauch­auf­wuchs am Wei­gan­dufer handelt es sich nicht um „besonders schüt­zens­werte Biotope, sondern um klas­si­sches, unge­pflegtes Stra­ßen­be­gleitgrün auf über­düngten Stand­orten“. Mit der Besei­tigung der toten und alten Sträucher werde „Raum für viel­fäl­tigen, öko­lo­gisch wert­vollen Bewuchs geschaffen“, ver­teidigt er die kri­ti­sierten Rodungen.

Auch darüber, was ein Baum ist, gibt es Streit. Auf einer Infor­ma­ti­ons­tafel, auf der das Bezirksamt über die Umge­staltung auf­klärt, heißt es, Bäume würden nicht gefällt. Das sei trotzdem geschehen, kri­ti­siert Tom Küstner von der Initiative. Hoffmann hin­gegen sagt, man ori­en­tiere sich an einer Richt­linie, in der die Größe eines Baumes klar defi­niert sei. Es seien nur kleinere Nicht-Bäume gefällt worden.

Peter Nowak

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