Spatzen verzögern Rodungsbeginn am Weigandufer in Neukölln

Rodung am Weigandufer verschoben

Am ver­gan­genen Sonntag hatten sich bereits 100 Anwohner*innen zu einer Pro­test­kund­gebung gegen die Rodungs­pläne ver­sammelt.

Andreas Knopp von der Neu­köllner Stadt­teil­in­itiative Kiez­miezen kann vorerst auf­atmen. »Heute wird wohl am Neu­köllner Wei­gan­dufer nicht mehr mit der ange­kün­digten Rodung begonnen«, erklärte er am Diens­tag­nach­mittag gegenüber »nd«. Die Ver­schiebung liegt aber nicht an den Sach­schäden an den Fahr­zeugen, die für die .…

„Rodung am Wei­gan­dufer ver­schoben“ wei­ter­lesen
BVV Neukölln bleibt trotz Anwohnerprotesten bei Sanierungsplan für Weigandufer

Es darf gerodet werden

Andreas Knopp, einer der Initia­toren des Bür­ger­pro­tests, kann es nicht fassen. „Das, was sich die Grünen bei den Aus­ein­an­der­set­zungen um das Wei­gan­dufer geleistet haben, ist beschämend“, sagt er nach der Sitzung, andere Zuschaue­rInnen äußern sich im selben Sinn.

Für die Anwoh­ne­rInnen des Neu­köllner Wei­gan­dufers, die seit Monaten für eine behut­samere Sanierung des Grün­streifens streiten, war der Mitt­woch­abend eine herbe Ent­täu­schung. SPD und Grüne lehnten in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung einen .…

„Es darf gerodet werden“ wei­ter­lesen
Anders als in Spanien und Frankreich ist die Protestbewegung von Wohnungs­losen in Deutschland noch klein.

Schafft neue Sozialwohnungen

Hun­dert­tau­sende Men­schen haben in Deutschland kein eigenes Dach über dem Kopf, schuld daran sind die Pro­fit­in­ter­essen der Immo­bi­li­en­branche. Dabei gäbe es ein­fache Lösungen, um die Woh­nungsnot zu beenden.

Zunächst hörte es sich nach einer guten Nach­richt an: Die Zahl der Wohnungs­losen war im Jahr 2017 nied­riger als ursprünglich geschätzt. »Wir können keine Ent­warnung geben«, sagte jedoch Werena Rosenke, die Geschäfts­füh­rerin der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Woh­nungs­lo­sen­hilfe (BAG W), ver­gangene Woche auf einer Pres­se­kon­ferenz in Berlin bei der Vor­stellung der von der BAG­ W erho­benen Zahlen. Dass diese gesunken sind, sei nicht auf einen Rückgang der Woh­nungs­lo­sigkeit, sondern .…

„Schafft neue Sozi­al­woh­nungen“ wei­ter­lesen

Löwenzahn statt Wunderbaum

Eva Willig führt regel­mäßig Inter­es­sierte durch die Grün­an­langen von Berlin-Neu­kölln, um ihnen nütz­liche und leckere Pflanzen vor­zu­stellen

In gebückter Haltung pflückt eine Teil­neh­merin eine unscheinbare Pflanze und steckt sie in einen Stoff­beutel. Eine andere Frau blättert in einem Buch, um die Pflanze zu iden­ti­fi­zieren. »Das ist der Schach­telhalm, eine der ältesten Heil­pflanzen, die seit Langem zum Bei­spiel gegen Rheuma und Gicht ange­wendet wird«, erklärt Eva Willig. Die 70-Jährige kennt sich aus in der Ber­liner Kräu­terwelt. Bei der Industrie- und Han­dels­kammer absol­vierte sie eine Prüfung und erhielt eine Erlaubnis für frei ver­käuf­liche Heil­mittel.

Seit mehr als zehn Jahren ver­an­staltet sie von März bis Oktober am jeweils letzten Samstag im Monat kos­tenlose Kräu­ter­spa­zier­gänge in Berlin. Sie finden über­wiegend in Parks und Grün­an­lagen statt, die nicht direkt an viel befah­renen Haupt­straßen liegen, weil sich Staub und andere Ver­un­rei­ni­gungen auch auf Pflanzen ablagern.

Ende Juni ver­sam­melten sich 15 Inter­es­sierte am S‑Bahnhof Treptow. Größer sollte die Gruppe nicht werden, betont Willig. Schließlich muss die Kräu­ter­ex­pertin in den zwei Stunden viele Fragen beant­worten. Immer wieder zeigen die Teilnehmer*innen auf eine Pflanze und fragen nach Namen und Anwen­dungs­ge­bieten. »Das Johan­nis­kraut hilft gegen depressive Ver­stim­mungen«, doziert Willig und weist auf eine Pflanze mit gelben Blüten. »Meistens ist es gut ver­träglich. Doch in Ein­zel­fällen kann es Magen-Darm-Beschwerden oder Kopf­schmerzen ver­ur­sachen«, klärt sie über uner­wünschte Neben­wir­kungen auf. 

Dass Pflanzen nicht nur eine hei­lende, sondern auch eine giftige Wirkung haben können, the­ma­ti­siert die Kräu­terfrau eben­falls in ihrem kürzlich im Selbst­verlag ver­öf­fent­lichten Buch »Heil­sames Neu­kölln«. Dort hat sie den Gift­pflanzen ein ganzes Kapitel gewidmet. Das lange Zeit als Heil­pflanze betrachtete Immergrün und die Kleine Wolfs­milch gehören in diese Rubrik. Der in Willigs Kräu­terbuch unter der Rubrik Gift­pflanze auf­ge­führte Wun­derbaum sorgte vor einigen Wochen für Schlag­zeilen. Es wurde berichtet, dass ein Islamist die Samen dieses Strauches, auch Rizinus genannt, bei einem Anschlag nutzen wollte. Auf einer bekannten Neu­köllner Grün­fläche stehen laut Willig gleich acht dieser Pflanzen.

Doch die Mehrzahl der auf­ge­führten Gewächse hat eine hei­lende Wirkung und wird dem Buch­titel gerecht. Eigentlich hätte es auch »Heil­sames Berlin« heißen können, Schließlich wachsen die auf­ge­führten Pflanzen nicht nur in Neu­kölln. Doch Willig hat sich mit dem Buch bewusst auf Neu­kölln kon­zen­triert, weil sie dort seit vielen Jahren lebt und in den 1990er Jahren für die Grünen in der Kom­mu­nal­po­litik aktiv war. Aus der aktiven Par­tei­po­litik hat sie sich längst zurück­ge­zogen. Doch in sozialen Initia­tiven ist sie wei­terhin aktiv. Ihr Anliegen ist es, Gift­pflanzen in Grün­an­langen zu erkennen und sie mög­lichst von dort zu ver­bannen. Statt­dessen sollen essbare und heilsame Gewächse stehen gelassen werden. Schließlich haben dann auch Men­schen mit geringen Ein­kommen die Mög­lichkeit, ihre Nahrung vit­amin­reich zu ergänzen. Willig fällt sofort der Löwenzahn ein. Jeder Teil dieser anspruchs­losen Pflanze kann genutzt werden: »Die Blüten können einen Salat zieren oder zu Sirup gekocht werden. Die Wurzel wurde in der Nach­kriegszeit geröstet und zu Kaffee-Ersatz gemahlen.« Ähnlich verfuhr man mit der Wurzel der Weg­warte, auch als Zichorie bekannt. »Die jungen Blätter des Löwen­zahns können zu Salat, die älteren Blätter wie Spinat ver­ar­beitet werden. Getrocknete Blätter können Teil eines Blut­rei­ni­gungstees sein oder eben­falls als Tee zur Lin­derung rheu­ma­ti­scher Beschwerden bei­tragen«, so Willig. Auch bei vielen anderen Pflanzen kann sie viel­fältige Mög­lich­keiten der Nutzung auf­zählen.

Nach mehr als zwei Stunden ver­ab­schieden sich die Teilnehmer*innen des Kräu­ter­spa­zier­ganges. Die meisten wollen die gesam­melten Pflanzen schnell ver­ar­beiten. Gän­se­blümchen waren diesmal besonders beliebt. Die anspruchslose Pflanze blüht zwi­schen März und November, wirkt ent­zün­dungs­hemmend, regt aber auch Ver­dauung und Stoff­wechsel an. Ihre Blüten wurden mitt­ler­weile von Feinschmecker*innen ent­deckt und dienen in Nobel­re­stau­rants als Zutat teurer Menüs. Eva Willig hin­gegen will mit ihren Kräu­ter­spa­zier­gängen und mit ihrem Buch ein Bewusstsein für eine alte Weisheit schaffen: Gegen fast jedes Leiden ist ein Kraut gewachsen ist. Selbst in einer Groß­stadt wie Berlin trifft das heute noch zu.

Eva Willig: Heil­sames Neu­kölln. Eigen­verlag Berlin. 175 Seiten, 18 Euro. Bestel­lungen über ewil@​gmx.​de

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​1​0​9​4​6​6​9​.​l​o​e​w​e​n​z​a​h​n​-​s​t​a​t​t​-​w​u​n​d​e​r​b​a​u​m​.html

Peter Nowak

„Beerensträucher statt Giftpflanzen!“

Eva Willig macht Kräu­ter­füh­rungen durch Neu­kölln. Nun hat sie ein Buch ver­öf­fent­licht, das essbare und giftige Wild­ge­wächse des Bezirks beschreibt

Über Groß­stadt­ge­wächse

Das Buch Eva Willig, 70, hat kürzlich im Eigen­verlag das Buch „Heil­sames Neu­kölln“ her­aus­ge­geben. Auf 175 Seiten werden Heil‑, Gewürz‑, Salat­pflanzen, Getreide, Bäume und Sträucher vor­ge­stellt, die in Neu­kölln wild wachsen, essbar sind und eine heilsame Wirkung haben sollen. Ein Kapitel behandelt Gift­pflanzen. Das Buch kann über ewil@​gmx.​de für18 Euro bestellt werden.
Der Spa­ziergang Von März bis Oktober lädt Eva Willig zu kosten- losen Kräu­ter­spa­zier­gängen in Neu­kölln und den angren­zenden Stadt­teilen ein. Der nächste Spa­ziergang beginnt am Samstag, dem 28. Juli 2018, 16 Uhr in Rudow an der Hal­te­stelle des Busses 271 „Am Großen Rohr­pfuhl“

„„Bee­ren­sträucher statt Gift­pflanzen!““ wei­ter­lesen

Mieter präsentieren Forderungen

ROT-ROT-GRÜN III Miet-Initiativen wollen sich stärker vernetzen

Ins­gesamt 25 Mie­te­rIn­nen­gruppen haben sich am Mitt­woch­abend im Nach­bar­schaftshaus Centrum in der Kreuz­berger Cuvry­straße 13 zum stadt­po­li­ti­schen Hearing getroffen. Ihr Ziel: der wahr­schein­lichen rotrot-grünen Koalition ihre For­de­rungen vor­zu­tragen. Das Spektrum der anwe­senden Gruppen reichte von den Kreuz­berger Stadt­teil­in­itia­tiven Bizim Kiez,
Kotti & Co und Wem gehört Kreuzberg? über die Moa­biter Mie­te­rIn­nen­gruppe Hansa-Ufer5, den Mie­ter­protest Kolo­nie­straße
aus dem Wedding bis zur Initiative „Deutsche Wohnen Ste­glitz-Zehlendorf“. Mode­riert vom Stadt­so­zio­logen und stadt­po­li­ti­schen Akti­visten Andrej Holm trugen die Initia­tiven in knappen State­ments ihre Pro­bleme vor, woraus sich oft sehr kon­krete For­de­rungen ergaben. Für bezahl­bares genera­ti­ons­über­grei­fendes Wohnen machte sich etwa Eva Willig vom Verbund Ber­liner Wohn­pro­jekte zur Miete stark. Bizim Kiez wie­derum regte eine Ber­liner Bun­des­rats­in­itiative zur Ein­glie­derung der
Mie­ten­bremse in das Wirt­schafts­straf­gesetz an. Wäre das erfolg­reich, müssten Miet­preis­über­hö­hungen als Ord­nungs­wid­rigkeit
von Amts wegen geahndet werden.

Keine BittstellerInnen

Alle Red­ne­rInnen betonten, dass sie keine Bitt­stel­le­rInnen seien. Magnus Hengge von Bizim Kiez gab zu Beginn des Hea­rings
den selbst­be­wussten Ton vor. „Es gab in den letzten Jahr­zehnten leider sehr viel amtie­rende Dummheit“, erklärte er unter Applaus. Hengge betonte, dass die SPD ein wich­tiger Teil davon gewesen sei. Die Partei habe trotz Ein­ladung keine Ver­tre­te­rInnen geschickt, kri­ti­sierte Hengge. Lediglich die beiden Zuhörer mit den Masken von Michael Müller und Andreas Geisel auf der Bühne schüt­telten gele­gentlich den Kopf. Katrin Schmid­berger (Grüne), Katrin Lomp­scher und Katalin Gen­nburg (beide Linke), die in der ersten Reihe saßen, schrieben die For­de­rungen der Mie­te­rInnen hin­gegen eifrig mit.

Weiteres Treffen geplant

Kurt Jotter vom „Büro für unge­wöhn­liche Maß­nahmen“, der zu den Orga­ni­sa­toren des Abends gehörte, stellte am Ende einen
Drei­stu­fenplan der Ber­liner Mie­te­rIn­nen­ver­netzung vor. Die müssen sich „zusam­men­reißen, zusam­mentun und zusam­men­schließen“. Am 5. Dezember will sich das Mie­te­rIn­nen­bündnis erneut treffen. Dann soll auch über Aktionen geredet werden, wenn der neue rot-rot-grüne Senat ihre For­de­rungen igno­rieren oder auf die lange Bank schieben sollte.

aus Taz Berlin, 4.11.2016

Peter Nowak

Aktiv statt frustriert

Eva Willig bekommt die Folgen von Hartz IV auch als Rent­nerin zu spüren

»Also ich bin Euphrasia Holler und ich will Bun­des­prä­si­dentin werden. Es wird eine Freude sein, nach Amts­an­tritt wieder in Freiheit leben zu dürfen, nach über fünf Jahren Gefan­gensein in Hartz-IV-Regeln.« Im Internet hat die Kunst­figur, hinter der sich die 66-jährige Neu­köll­nerin Eva Willig ver­birgt, Bun­des­prä­sident Joachim Gauck schon mal seinen Posten streitig gemacht. In der Rea­lität saß sie Ende der 1980er Jahre bis 1991 für die Grünen in der Bezirks­ver­ord­ne­ten­ver­sammlung Neu­kölln und kan­dierte Mitte der 1990er für die PDS. Seit Jahr­zehnten zeigt sie, dass man sich auch unter Hartz IV wehren kann und dabei die Lebenslust nicht ver­lieren muss.

Nicht nur als Euphrasia Holler pran­gerte sie die »Ver­armung per Gesetz« an, für die Hartz IV ihrer Ansicht nach steht. Bereits vor der Agenda 2010 enga­gierte sie sich in der Ber­liner Kam­pagne gegen Hartz IV, redete auf Ver­an­stal­tungen und Kund­ge­bungen. Nachdem die Gesetze nicht zu ver­hindern waren, unter­stützte sie Betroffene. Fast sieben Jahre lang betreute sie das Not­ruf­te­lefon der »Kam­pagne gegen Zwangs­umzüge«; zuletzt gründete sie eine Initiative mit, die gegen die Ver­wei­gerung von Hartz-IV-Leis­tungen für EU-Bürger kämpft.

Daneben hat die gelernte Tex­til­kauffrau, die auf dem zweiten Bil­dungsweg Sozi­al­arbeit stu­dierte, immer wieder Ver­suche unter­nommen, dem Hartz-Régime zu ent­kommen. Die schei­terten oft am Büro­kra­tismus der Job­center. So musste sie 2007 eine Laden­ga­lerie, in der Blumen, Kräuter und Wohn­ac­ces­soires ange­boten wurden, auf­geben, weil die Behörde die Zuschüsse ein­stellte. Seit zwei Jahren bekommt sie die Folgen von Hartz IV als Rent­nerin zu spüren. »Dadurch habe ich 100 Euro weniger im Monat, als mir 2004 aus­ge­rechnet wurden«, betont sie den Zusam­menhang von Hartz IV und Alters­armut.

Doch einen Grund zu Resi­gnation sieht Willig nicht. Zurzeit probt sie mit dem Projekt »Beschwer­dechor«, in dem gesell­schaft­liche Pro­bleme künst­le­risch ange­sprochen werden. »Aus Frust mach Lust« ist Willigs Devise. Viel­leicht steht ja auch eine Bun­des­prä­si­den­tin­nen­kan­di­datur noch auf der Agenda.

Peter Nowak