Satirischer MieterInnenprotest

Der Grottian mimt den Laudator

Mie­te­rIn­nen­in­itiative vergibt Aus­zeichnung an umstrit­tenen Immo­bi­li­en­un­ter­nehmer Gijora Padovicz. Den haben Kri­tiker schon länger im Visier.

Einige Pas­san­tInnen staunten nicht schlecht über das merk­würdige Treiben am Olivaer Platz. Der Immo­bi­li­en­un­ter­nehmer Gijora Padovicz bekam in Wil­mersdorf am Samstag Vor­mittag die Ehren­bür­ger­schaft von Berlin ver­liehen. Doch schnell stellte sich heraus, dass es sich bei der „Gala für Padovicz“ um eine.…

.…humo­ris­tische Pro­test­aktion der Mie­te­rIn­nen­in­itiative aus den Padovicz-Häusern handelt.

Als Senator ver­kleidet hob der eme­ri­tierte Poli­to­lo­gie­pro­fessor und lang­jährige Bewe­gungs­ak­tivist Peter Grottian in seiner Lau­datio, die eher eine Schmährede war, die großen „Ver­dienste“ des neuen Ehren­bürgers, sein „gemein­nüt­ziges“ Ein­treten für exor­bi­tante Miet­erhö­hungen, skan­da­lösen Leer­stand, für Zwangs­räu­mungen und Luxus­sa­nie­rungen hervor. 

Dafür wird Padovicz seit Jahren kri­ti­siert. Seit Monaten werden die Beschwerden und Pro­teste der Mie­te­rInnen zusam­men­ge­tragen und auf dem Blog Pado­watchver­öf­fent­licht. Dort wird auch das umfang­reiche Fir­men­ge­flecht der Padovicz-Unter­neh­mens­gruppe akri­bisch auf­ge­listet. Die Initiative will damit exem­pla­risch auf­zeigen, wie die ren­di­te­ori­en­tierte Immo­bi­li­en­wirt­schaft mit Mie­terInneninteressen umgeht. Auch die Infor­mation, dass Padovicz die AfD durch Ver­mietung an deren Lan­des­verband unter­stützt, findet man dort.

Zu den Zielen der Pado­watch-Initiative gehört die Orga­ni­sierung der Mie­te­rInnen in den Häusern. Des­wegen war im Anschluss an die Gala eine Bustour zu einigen Padovicz-Häusern geplant. Die Tour musste aller­dings aus­fallen, weil kein pas­sender Bus gefunden werden konnte. Auch auf das Auf­hängen eines Trans­parents an zen­traler Stelle in Berlin, auf dem Padovicz anklagt wird, musste die Initiative ver­zichten. Keine der zustän­digen Werbe-Firmen wollte den Auftrag annehmen.

Bald gute Geschäfte am Ostkreuz

Auch die akut räu­mungs­be­drohte Lie­big­straße 34 in Fried­richshain gehört Padovicz. Unter­stüt­ze­rInnen des queer­fe­mi­nis­ti­schen Haus­pro­jekts for­derten vor einigen Tagen mit einem Go-In in die Fir­men­zen­trale die Ver­län­gerung der Ver­träge.

Auf der Gala am Samstag ver­sprach der Padovicz-Dar­steller seine knapp 200 Häuser einer gemein­nüt­zigen Stiftung zu über­geben. In der realen Welt gehört die Padovicz-Gruppe zu den Immo­bi­li­en­firmen, die bei den geplanten Bebau­ungen rund um den Bahnhof Ost­kreuz kräftig mit­ver­dienen werden. Die Grund­stücke hat sie sich schon lange gesi­chert.

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort:
http://www.taz.de/Satirischer-MieterInnenprotest/!5600408/