Townhouses bedrohen Erinnerungsort

LICH­TENBERG Am eins­tigen »Arbeitshaus« Rum­melsburg wird der Opfer einer NS-Aktion gedacht. Der Erhalt des Ortes ist gefährdet

»Arbeits­scheu Reich« – so hieß eine Maß­nahme, mit der am 13. Juni 1938 in Deutschland tau­sende als »asozial« stig­ma­ti­sierte Men­schen in soge­nannte Arbeits­häuser und KZs ver­schleppt wurden. In Berlin führte ihr Weg unter anderem ins »Arbeitshaus« Rum­melsburg. Dort erinnert am Sonntag der »AK Mar­gi­na­li­sierte – gestern und heute« mit einer Gedenk­ver­an­staltung an die Opfer der NS-Aktion.

Die Ver­an­staltung, auf der unter anderem die His­to­riker Thomas Irmer und Jens Dobler sowie die Zeit­zeugin Ilse Heinrich sprechen werden, hat einen ganz aktu­ellen Anlass: Es geht um den Erhalt des his­to­ri­schen Gedenkorts. Der »AK Mar­gi­na­li­sierte« hatte am Dienstag den Friedhof des eins­tigen »Arbeits­hauses« an der Rum­mels­burger Bucht mit Trans­pa­renten mar­kiert, auf denen »Pri­va­ti­sierung stoppen – Ge-denk-mal-schutz« stand. »Es ist der letzte freie Ort, an dem ein wür­diger Erin­ne­rungsort für die Opfer der Stig­ma­ti­sierung als Aso­ziale und Arbeits­scheue errichtet werden kann«, so Lothar Eber­hardt von der Initiative. Die Akti­vis­tInnen fürchten, dass das Areal bald den Besitzer wechselt. Ein Bie­ter­ver­fahren hat bereits statt­ge­funden. Im Bezirksamt Lich­tenberg wird über eine Änderung des Bebau­ungs­plans dis­ku­tiert, in dem das Gelände für Gewer­be­be­triebe aus­ge­schrieben ist. Inter­es­sen­tInnen wollen hier »Town­houses« bauen.

»Es gibt einen Ziel­kon­flikt zwi­schen einem his­to­ri­schen Gedenken und einer Ver­wertung des Areals für die Stadt­ent­wicklung«, meint Katrin Framke, Lich­ten­berger Bezirks­stadt­rätin für Kultur. Die als Par­teilose für die Linke in das Amt gewählte Gesell­schafts­wis­sen­schaft­lerin begrüßt die For­derung des AK Mar­gi­na­li­sierte nach einem Erin­ne­rungsort für die Insassen des »Arbeits­hauses« aus­drücklich. Der Senat habe es ver­säumt, poten­zi­ellen Inves­toren klare Auf­lagen zum his­to­ri­schen Gedenken zu machen, kri­ti­siert sie. Theo Stegmann vom AK Mar­gi­na­li­sierte ist sich mit Framke einig, dass die his­to­rische For­schung über die Geschichte des Friedhofs vor­an­ge­trieben werden muss. Eine Bebauung würde der his­to­ri­schen For­schung den Ort rauben, befürchtet er.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bl&dig=2011%2F06%2F03%2Fa0173&cHash=e36b154f6e

PETER NOWAK


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