Aufregung über Anti-Kriegs-Provokation

Bun­des­wehr­stu­denten stellen Straf­an­zeige wegen ange­kün­digten Sekt­um­trunks nach Sol­da­tentod
Eine anti­mi­li­ta­ris­tische Kam­pagne aus Berlin hat ihr erstes Ziel erreicht: Politik, Bun­deswehr und Medien äußern öffentlich ihre Empörung.

Das Büro für Anti­mi­li­ta­ris­tische Maß­nahmen (BamM) und der Ber­liner Lan­des­verband der Deut­schen Friedensgesellschaft/​Vereinigte Kriegs­dienst­gegner erhielten in den letzten Tagen viele Hass­mails. Die Pazi­fisten werden dort als Vater­lands­ver­räter und Kaker­laken beschimpft und mit dem Tod bedroht.

Der Grund für diese Angriffe ist ein offener Brief der beiden Orga­ni­sa­tionen an die in Afgha­nistan sta­tio­nierten deut­schen Sol­daten. Gleich in den ersten Sätzen wird deutlich, dass die Absender den Sol­daten kei­neswegs gewogen sind: »Sie führen Krieg in aller Welt. Das Töten unschul­diger Zivi­listen ist dabei nach Meinung Ihres Vor­ge­setzten, des sog. Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nisters, unver­meidlich. Sie setzen diese men­schen­ver­ach­tende Haltung um, indem Sie hin und wieder größere Men­schen­an­samm­lungen bom­bar­dieren oder Ihre Bünd­nis­partner bei solchen ›frie­dens­er­zwin­genden Maß­nahmen‹ unter­stützen«, heißt es dort. Besonders erzürnt haben dürfte die Uni­for­mierten der letzte Absatz, in dem sich die Kriegs­gegner mit dem Ehrenmal für die getö­teten Bun­des­wehr­sol­daten in Berlin aus­ein­an­der­setzen. Dort werden die Namen von umge­kom­menen Bun­des­wehr­sol­daten mit einer LED-Lampe acht Sekunden lang an die Wand des Ehrenmals pro­ji­ziert.

»Der ›ewige Ruhm‹ kommt bei Ihnen ganz schön kurz«, spotten die Pazi­fisten. »Um den Sol­da­tentod noch ein wenig süßer zu machen als er ohnehin schon sein soll, werden wir künftig jedes Mal, wenn einer von Ihnen ›fällt‹, eine Runde Schampus schmeißen. Aus lauter Freude, direkt an Ihrem Ehrenmal.« Mitt­ler­weile zir­ku­lieren in Berlin Aufrufe, in denen dazu auf­ge­rufen wird, sich an dem Tag, an dem ein Bun­des­wehr­soldat umkommt, um 17.30 Uhr zum Sekt­trinken zu ver­sammeln.

Die Auf­regung auf diesen Brief war nicht nur bei der Sprin­ger­presse groß. Der Stu­den­tische Konvent der Helmut-Schmidt-Uni­ver­sität Hamburg, an der viele Offi­ziers­an­wärter stu­dieren, hat Straf­an­zeige gegen die Ver­ant­wort­lichen der Inter­net­plattform bamm​.de gestellt. »Wir wollen, dass sie zur Ver­ant­wortung gezogen werden, es ist nicht das erste Mal, dass auf der Seite so etwas auf­taucht«, erklärt ein Sprecher des Kon­vents. Auf der Inter­net­plattform StudiVZ hat mitt­ler­weile eine Nut­zer­gruppe die Initiative »Flagge zeigen gegen bamm​.de« gegründet, die sich gegen die »Ver­un­glimpfung der Sol­daten« wendet. Der Wehr­be­auf­tragte des Bun­des­tages Reinhold Robbe (SPD) spricht von einer per­fiden und nicht zu über­bie­tenden Geschmack­lo­sigkeit.

Günther Schütz von der BamM sieht in der Auf­regung den Beweis, dass »unsere Kam­pagne genau zum rich­tigen Zeit­punkt kommt und die richtige Wirkung hat«. Es gehe darum, den Sol­daten auf eine dras­tische Art die Folgen ihrer Betei­ligung am Kriegs­einsatz vor Augen zu führen. Auch die ange­kün­digten juris­ti­schen Schritte sieht der Sprecher der BamM gelassen. Bereits im November 2009 seien die Ermitt­lungen in einem ähn­lichen Ver­fahren ein­ge­stellt worden.

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Peter Nowak


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