Im Wetteraukreis hat die NPD noch heute Hochburgen.

Der nette NPD-Mann von nebenan

In einer hes­si­schen Gemeinde ist jetzt ein NPD-Ver­treter zum Orts­vor­stand gewählt worden. Aber auch in frü­heren Jahren war die NPD in meh­reren Kom­mu­nal­par­la­menten in Hessen durchaus nicht iso­liert.

Soeben wurde ich ein­stimmig von den Ver­tretern des Orts­bei­rates Alten­stadt-Wald­siedlung zum Orts­vor­steher gewählt. … Aus dem Volk – für das Volk!“ So machte Stefan Jagsch am 5. Sep­tember über Facebook eine Per­so­nal­ent­scheidung bekannt, die bald par­tei­über­greifend für Empörung sorgte und wohl wieder rück­gängig gemacht wird. Schließlich ist Stefan Jagsch seit Jahren eine…

.… zen­trale Figur in der hes­si­schen NPD. Vor seinem Auf­stieg zum stell­ver­tre­tenden Lan­des­vor­sit­zenden war der gelernte Auto­mo­bil­kaufmann Mit­glied im Wet­terauer Kreistag, Frak­ti­onschef in der Gemein­de­ver­tretung von Alten­stadt und Vor­sit­zender des Bezirks­ver­bands Wet­terau-Kinzig. In den hes­si­schen Ver­fas­sungs­schutz­be­richten 2013 und 2014 wird Jagsch namentlich genannt. Der NPDler war Teil­nehmer von über­re­gio­nalen Neonazi-Auf­mär­schen und Besucher von Rechtsrock-Kon­zerten.

2014 hatte er erfolg­reich gegen seine Kün­digung als Ange­stellter des Job­center Frankfurt-Höchst geklagt. Als ein­facher Ange­stellter sei keine besondere Ver­fas­sungs­treue nötig, lautete die Begründung. Im Wet­ter­au­kreis, in dem Jagsch poli­tisch aktiv ist, gibt es noch immer einige NPD-Hoch­burgen. Bei hes­si­schen Kom­mu­nalwahl vor drei Jahren landete die NPD in dem 21.000-Einwohner-Städtchen Büdingen bei 10,2 Prozent, in Alten­stadt waren es 10 Prozent. 

CDU-Bürgermeister mit Unterstützung der NPD

Bei der ver­ständ­lichen Empörung über die Wahl von Jagsch sollte daran erinnert werden, dass auch in anderen hes­si­schen Gemeinden in der Ver­gan­genheit die NPD durchaus nicht iso­liert war. In Ehring­hausen saßen für die NPD Alfred und Doris Zutt viele Jahre im dor­tigen Gemein­derat. Sie wählten in den 1990er Jahren den CDU-Kan­di­daten gemeinsam mit den Freien-Wählern zum Bür­ger­meister, dafür bekam Doris Zutt den Vorsitz im Umwelt­aus­schuss des Gemein­derats.

Während diese Koope­ration mit der NPD wenig Beachtung fand, sorgte 1989 die Wahl des CDU- Bür­ger­meisters Hartmut Böhmer mit Stimmen der NPD in der hes­si­schen Fest­spiel­stadt Bad Hersfeld bun­desweit für Schlag­zeilen. Er sei von hes­si­schen CDU-Funk­tio­nären zu diesem schwarz-braunen Bündnis gedrängt worden, recht­fer­tigte dieser sich. Die CDU ließ ihn schließlich fallen, bei der Abstimmung blieben Böhmer nur die drei NPD-Stimmen.

Später wurde der aus der CDU aus­ge­tretene Böhmer durch Direktwahl als Par­tei­loser erneut zum Bür­ger­meister gekürt. Böhmer hatte sich in seiner langen Amtszeit die NPD-Unter­stützung durchaus erworben, wie das von Kathi Seewald und Timo Schadt her­aus­ge­gebene Buch „Deutsch­lands Mitte – rechts daneben“ nachwies. So wollte Böhmer 1983 in einem gene­rellen Zutritts­verbot für Sinti und Roma in Bad Hersfeld keine Dis­kri­mi­nierung sehen. Bei einem Treffen der ehe­ma­ligen Waffen-SS in Hersfeld im gleichen Jahr war er Ehrengast. „Als Pri­vat­person kann ich Ehrengast sein. Selbst wenn ihnen das nicht gefällt. Ich nehme mir auch in Zukunft die Freiheit, in meiner Freizeit zu tun und zu lassen, was ich will,“ erklärte Böhmer nach Pro­testen.

Peter Nowak