Arbeitskonflikt in linkem Club

Mit­ar­beiter des SO36 haben sich der auto­nomen Gewerk­schaft FAU ange­schlossen und liegen seither mit der Geschäfts­führung im Clinch. Ein Mit­ar­beiter klagt jetzt vor dem Arbeits­ge­richt

Ob es um Punk­kon­zerte, Kiez­Bingos oder poli­tische Ver­an­staltung geht: Das S036 in der Ora­ni­en­straße ist seit Jahren eine gute Adresse für Akti­vi­täten dieser Art. Doch in letz- ter Zeit haben sich einige linke Gruppen mit kri­ti­schen Fragen an die Geschäfts­leitung gewandt. Grund ist ein Kon­flikt zwi­schen der Geschäfts­führung und einigen Mit­ar­bei­te­rInnen, die sich im August 2016 zu einer Betriebs­gruppe der Freien Arbei­te­rIn­nen­union (FAU) zusam­men­ge­schlossen haben. Den Beschäf­tigten ging es dabei vor allem um die interne Demo­kratie und Auto­nomie. Bisher hätten die ein­zelnen Arbeits­be­reiche, Gewerke genannt, ihre Arbeit weit­gehend autonom regeln können, erklärte ein ehe­ma­liger Mit­ar­beiter des Clubs, der sich in der FAU-Betriebs­gruppe enga­gierte, der taz. Doch zunehmend habe sich die Geschäfts­leitung ein­ge­mischt. Besonders das für die Tre­sen­schichten zuständige Gewerk habe pro­tes­tiert. Die Akt­vis­tInnen in der FAU-Betriebs­gruppe, dar­unter lang- jährige Club-Mit­ar­bei­te­rInnen, hatten bei der Gründung eigentlich auf Koope­ration mit der linken Club­leitung gehofft und waren von der ableh­nenden Reaktion über­rascht, erklärten sie der taz. In einer von der FAU Berlin her­aus­ge­ge­benen Pro­test­chronik wird sogar von Stim­mungs­mache der Geschäfts­leitung gegen die Gewerk­schafter geschrieben. Die Situation schien sich im Oktober 2016 zu ent­spannen, nachdem mit­hilfe einer Mediation ein Kom­promiss zwi­schen der Geschäfts­leitung und dem Tre­sen­gewerk erreicht wurde. Doch auf einer Voll­ver­sammlung des S036 wenige Wochen später eska­lierte der Kon­flikt erneut. Laut der FAU-Kon­flikt­chronik haben in den letzten Monaten mehrere unzu­friedene Beschäf­tigte gekündigt. Ein FAU-Mit­glied, das durch die Geschäfts­führung seit dem 12. Mai 2017 bei Lohn­fort­zahlung von der Arbeit frei­ge­setzt wurde, hat das S036 ver­klagt. Es wollte seine Tre­sen­schichten im Club wie­der­auf­nehmen. Das lehnte das S036 ab. Der Rechts­anwalt des Clubs kün­digte vor dem Arbeits­ge­richt vorige Woche einen Ver­gleich an. Der Kläger soll nicht mehr im Club arbeiten und eine Ent­schä­digung von 800 Euro bekommen. Der Gegen­seite ist das zu wenig, man werde ein Gegen­an­gebot schicken, so ein FAU-Sekretär. Vom S036 wollte sich gegenüber der taz niemand zu dem Kon­flikt äußern.

sonnabend/​sonntag, 11./12. november 2017 taz