Bloß kein Dachausbau

APPELL Mie­te­rInnen der Admi­ral­straße 18 wehren sich gegen ener­ge­tische Sanierung

Wir möchten Sie ein­dringlich bitten, im Rahmen Ihrer Mög­lich­keiten den Dach­ausbau zu ver­hindern bzw. hierfür die Nutzung des Daches der Admi­ral­straße 17 zu unter­sagen!“ Mit diesem Appell wandten sich Mie­te­rInnen der Admi­ral­straße 18 in Berlin-Kreuzberg an den Vor­stand des Mar­tinswerk e. V. – die Plattform für zahl­reiche selbst­ver­waltete Wohn­pro­jekte, zu denen auch die Admi­ral­straße 17 gehört. „Luxus­sa­nie­rungen im Kiez, Umwandlung von Wohnraum in Eigentum und die wach­sende
Popu­lation von Immo­bi­li­en­haien am Land­wehr­kanal und Umgebung sind Zeichen der Zeit, die auch wir als Haus­gruppe nicht igno­rieren konnten“, heißt es in der Selbst­dar­stellung des Hauses. „Diese Erklärung hat uns zu dem offenen Brief moti­viert“, erklärt Dominik Flügel. Er ist Mieter in der Admi­ral­straße, in dem die Dorn­röschen GmbH und Co gerade eine ener­ge­tische Sanierung durch­führt. Um den Dach­ausbau wie geplant durch­zu­führen, muss ein Gerüst auf dem Dach des Nach­bar­hauses
ange­bracht werden. Die Mie­te­rInnen hofften, dass die Nach­ba­rInnen die Geneh­migung ver­weigern. „Auch wenn die Kosten des Dach­ausbaus nicht auf die Miete umgelegt werden kann, so ist er doch Teil der für die Mie­te­rInnen extrem nach­tei­ligen Gesamt­stra­tegie zur Auf­wertung des Objekts“, betont Flügel. Martina Meier vom Mar­tinswerk betont, dass die Mie­te­rInnen die Gen­tri­fi­zierung kri­tisch sehen. Doch sie seien der falsche Ansprech­partner, wenn es um die Ver­hin­derung der Sanierung geht.
Die Mie­te­rInnen hatten in den letzten Monaten Poli­ti­ke­rInnen um Unter­stützung gebeten. So hatte der grüne Abge­ordnete
Dirk Beh­rendt den Investor Holger Johnson in einen Brief mit­ge­teilt, dass Haus­be­woh­ne­rInnen befürchten, nach der Moder­ni­sierung die Woh­nungen nicht mehr bezahlen zu können. Auch Flügel macht die Nach­ba­rInnen nicht für die Moder­ni­sie­rungs­maß­nahmen ver­ant­wortlich und ver­steht die Angst vor juris­ti­schen Kon­se­quenzen einer Ablehnung des Dach­ausbaus. Er kri­ti­siert die schlechte Kom­mu­ni­kation. „Uns wurde keine Mög­lichkeit geben, uns in die Ent­schei­dungs­pro­zesse des Nach­bar­hauses mit ein­bringen.“
aus Taz vom 5. 10.2016
Peter Nowak

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