Verdrängung in Treptow

IMMO­BILIEN Im Kun­gerkiez wehren sich Anwoh­ne­rInnen gegen Miet­erhö­hungen

„Wir sind das Milieu! Gegen Miet­ex­plosion im Kun­gerkiez!“ Trans­pa­rente mit diesen Parolen hängen an den Häusern Karl-Kunger-Straße 19 und Bou­ché­straße 22 und 23 in Alt­Treptow. Ange­bracht wurden sie von Mie­te­rInnen, die sich gegen ihre Ver­drängung wehren. Bis zum 30. 9. sollen sie einer Miet­erhöhung wegen ener­ge­ti­scher Moder­ni­sierung zustimmen.

Ent­spre­chende Schreiben wurden von einem Anwalt im Auftrag der Wiener Immo­bi­li­en­firma Citec Immo GmbH ver-schickt, die die Häuser gekauft hat. Sie war bis zum ver­gan­genen Jahr auch Eigen­tü­merin der Frie­del­straße 54 im Nach­bar­bezirk Neu­kölln. Auch dort hatten sich die Mie­te­rInnen gegen eine ener­ge­tische Sanierung gewehrt und wollten das Haus selber kaufen. Statt­dessen ver­kaufte die Citec das Gebäude an eine Luxem­burger Brief­kas­ten­firma. Die führte die Räu­mungs- klage gegen den Stadt­teil­laden F54 weiter, der Ende Juni geräumt wurde. An einer ber­lin­weiten Ver­netzung von Mie­te­rInnen aus Citec-Häusern betei­ligen sich auch Bewoh­ne­rInnen aus dem Kun­gerkiez. Die 46 im Eckhaus Kunger/​Bouchéstraße woh­nenden Mie­te­rInnen grün­deten die Initiative „Wir sind das Milieu“ und fordern in einem Brief an Poli­ti­ke­rInnen aus Be- zirk und Abge­ord­ne­tenhaus sowie Bun­des­jus­tiz­mi­nister Heiko Maas Unter­stützung.

Die Anwoh­ne­rInnen sorgen sich um die Ent­wicklung im Kiez. Am 23. Sep­tember luden sie zum Mie­te­rIn­nen­forum. „Im Juli 2016 wurde für dieses Gebiet eine Milieu­schutz­ver­ordnung beschlossen, die die Zusam­men­setzung der Bevöl­kerung erhalten soll. Die Beob­ach­tungen, die wir derzeit im Kun­gerkiez machen, zeichnen ein anderes Bild“, klagt einer. Am Dienstag ist eine Pro­test­kund­gebung vor dem Trep­tower Rathaus geplant.

aus: Taz, 25.9.2017
Peter Nowak