
Rund 40 Personen haben sich am Dienstagabend auf dem Platz vor der Uber-Arena in Berlin-Friedrichshain mit Plakaten versammelt. Eine der Parolen lautet: »Kein Uber-Platz auf dem RAW«. Die Abkürzung steht für Reichsbahnausbesserungswerk. Das Gelände zwischen Revaler- und Warschauer Straße ist nur knapp 500 Meter vom Kundgebungsort, der sogar offiziell »Uber-Platz« heißt, entfernt. Auf dem RAW-Gelände haben viele Klubs und Konzert-Locations ihr Domizil gefunden. Die Kurth-Gruppe, die das Grundstück gekauft hat, hat damit …
… im wahrsten Sinne des Wortes große Pläne. Mehrere der nicht denkmalgeschützten Gebäude sollen abgerissen werden. Zudem sollen zwei Hochhäuser auf dem Areal errichtet werden. Dann würde auch das Areal am RAW-Gelände wie der Uber-Platz aussehen.
Die kleine Kundgebung will genau das verhindern. Einer der Organisator*innen ist der Architekt Carsten Joost, der die Menschen begrüßt: »Heute gibt es eine Premiere. Sie sind Teil der ersten angemeldeten Demonstration über das RAW-Gelände.« Auch auf dem Uber-Platz sind Demonstrationen selten. Er ist geprägt von zahlreichen LED-Werbetafeln, die die unterschiedlichsten Produkte und Dienstleistungen von Yoga bis zu Lieferdiensten anpreisen. Wenn es nach den Initiator*innen des Volksbegehrens »Berlin werbefrei« geht, wäre eine solche LED-Werbung nicht mehr möglich. Doch bisher fehlen noch viele Unterschriften. Die Frist endet am 8. Mai. Ein junger Mann sammelte auf der Kundgebung noch Unterstützer*innen. Doch viele hatten schon unterzeichnet.
Auf der kleinen Route wuchs die Zahl der Teilnehmenden auf über 60 an. Viele Passant*innen blickten neugierig auf die Schilder. Die Reaktionen waren überwiegend freundlich. Doch nur wenige schlossen sich den Protestierenden an. Für Carsten Joost ist der Spaziergang der Beginn einer neuen Initiative für eine andere Nutzung des RAW-Areals.
Nach den Vorstellungen von Joost könnte ein Großteil der aktuell bestehenden Gebäude erhalten werden. Die Hochhäuser würden nicht gebaut. Das hält Joost schon aus ökologischen Gründen für geboten. In diesem Zusammenhang kritisiert er auch die Politiker*innen des grün dominierten Stadtteils Friedrichshain-Kreuzberg. »Da wird auch noch zu oft die Legende von den umweltfreundlichen Hochhäusern geglaubt.«
Positiv sieht Joost, dass sich die Politiker*innen des Bezirks gegen einen Bau von weiteren Hochhäusern im benachbarten Rudolfkiez wenden: Dort hat der Berliner Senat die Planungen an sich gezogen und den Bezirk entmachtet. Über die Planungen auf dem RAW-Gelände hingegen entscheidet allein die Bezirkspolitik. Sie ist damit dort auch für den Hochhausbau verantwortlich. Doch Joost hat noch Hoffnung, dass diese Pläne nicht durchkommen. Aber dafür sei gerade jetzt Druck notwendig. »Wir müssen dafür sorgen, dass vor den nächsten Abgeordnetenhauswahlen keine Fakten geschaffen werden, dass der Bezirk der Kurth-Gruppe ohne abgeschlossenes Baurecht ein vorgezogenes Baurecht erteilt«, betont Joost. Denn dann stünden hohe Entschädigungen an, wenn die Planungen noch geändert würden.
Die Kurth-Gruppe hat ihrerseits in den letzten Monaten den Druck erhöht und wirft der Bezirkspolitik vor, zu langsam zu handeln und damit die Planungen in die Länge zu ziehen. Dazwischen stehen viele der Klubbetreiber*innen, die für ihre Location Planungssicherheit wollen. Sollten, wie beabsichtigt, Wohnungen auf dem Gelände gebaut werden, fürchten sie, dass das RAW-Gelände als Kulturort verloren geht. Viele sind mit der Kurth-Gruppe schon Kompromisse eingegangen. Mit einer Plakatserie mit dem Slogan »Berlin ist RAW« suchen sie nach Unterstützung.
Auf der Kundgebung sprachen aber auch unterschiedliche Menschen aus der Nachbarschaft über die Gefahr der weiteren Gentrifizierung und Verdrängung. Ein weiteres Thema, das zur Sprache kommt: Die vielen Menschen in schlechten Arbeitsverhältnissen, die auf dem Uber-Platz und auf dem RAW-Gelände schuften, als Bedienung, als Reinigungskräfte oder im Sicherheitsdienst. »Es gilt auch für die Rechte dieser Menschen einzutreten«, sagte ein Demonstrant. Peter Nowak
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