
Mark Kennedy infiltrierte unter dem Namen Mark Stone zahlreiche linke Gruppen nicht nur in Großbritannien. Auch in Deutschland nahm an er an zahlreichen länderübergreifenden Protesten der globalisierungskritischen Bewegung teil und verkehrte in linken Berliner Hausprojekten. Dabei lernte er auch den in Berlin lebenden Aktivisten …
… Jason Kirkpatrick kennen. Der musste 2010 erfahren, dass der angebliche Freund und Genosse ein Polizeispitzel ist. Seitdem hat Kirkpatrick zahlreiche Interviews gegeben, Veranstaltungen organisiert und vor vielen Ausschüssen ausgesagt. Auch die Idee zu dem Filmprojekt hatte er seit Jahren gehabt. Gemeinsam mit dem britischen Regisseur Justyn Jones hat er es nun realisiert. In den knapp 90 Minuten kommen zahlreiche Aktivist*innen zu Wort, die wie Kirkpatrick mit Kennedy
befreundet waren.
Betroffene Frauen kommen zu Wort
Kennedy/Stone freundete sich mit in linken Gruppen engagierten Frauen an. Es
war ein besonderer Schock für sie zu erfahren, dass der angebliche Genosse ein
Polizeispitzel war. Kate Wilson gehörte zu den Frauen, mit denen der vermeintliche Genosse enge Beziehungen eingegangen war. Nachdem seine wahre Identität bekannt wurde, fordert sie Aufklärung. Im Film betont sie, dass sie sich nicht auf unverbindliche Erklärungen der Londoner Polizeispitze eingelassen hat, die im Fall Kennedy/Stone Fehler einräumte, die nicht mehr vorkommen sollen. Sie klagte ein hohes Schmerzensgeld ein. Doch im Film
kommen weitere Frauen zu Wort, deren angebliche Genossen sich als Polizeispitzel erwiesen. Sie sprachen von staatlich tolerierter Vergewaltigung. Doch ihre Fälle wurden oft über kleine linke Kreise hinaus kaum bekannt. Oft handelte es sich um Frauen aus der proletarischen Klasse, denen linksliberale Medien weniger offenstehen als linken Akademikerinnen. So ist es auch eine Klassenfrage, ob die Infiltration von Polizeiagentinnen für gesellschaftliche Empörung sorgt wie im Fall von Kennedy/Stone. Es ist sehr zu begrüssen, dass im Film nun Beispiele von Polizeiinfiltration in Großbritannien in den letzten 40 Jahren dokumentiert waren. Es war nicht einfach, die Betroffenen zu finden und auch vor der Kamera zum Reden zu bringen. Eine von ihnen war Mitglied in einer kleinen sozialistischen Partei und erfuhr erst viele Jahre später, dass der angebliche Genosse, mit dem sie enge Beziehung hatte, ein Polizeiagent war. Eine andere Frau wurde aktiv, als sie erfuhr, dass der angebliche Genosse, der ein Polizeiagent war, viele Jahre später für die konservative Partei (Tories) für ein Mandat in einem Kommunalparlament kandidierte. Sie verteilte in seinem
Wahlkreis in den Briefkästen Flugblätter, in denen sie über seine Agententätigkeit informierte. Er wurde trotzdem ins Kommunalparlament gewählt, verlor aber bei den nächsten Wahl sein Mandat an einen Kandidaten der Labour-Party
Auf der falschen Seite der Geschichte
Aber auch männliche Aktivisten aus verschiedenen linken Bewegungen, deren angebliche Freunde und Genossen sich als Polizeiagenten herausstellten, werden in dem Film interviewt. Dazu gehörte der linke britische Aktivst Tarik Ali und der AntiApartheid-Aktivist Peter Hain. Der betonte im Film, dass diejenigen, die die Polizeiagent*innen befehligten, immer wieder auf der falschen Seite der Geschichte gestanden haben: auf der Seite des
Apartheid-Regimes in Südafrika, auf Seiten derer, die Vietnam mit Krieg überzogen, später auch auf Seiten der Konzerne, die Mensch und Umwelt zerstören. Auch die Klimabewegung wurde von Polizeispitzel infiltriert. Was in dem Film am Beispiel von Großbritannien gezeigt wird, ist auch in Deutschland gängige Praxis der Repressionsorgane, was in dem 2017 von Claudia Morar und Hannes Obens gedrehten Film „Im Inneren Kreis“ dokumentiert ist. Der Film „The spies who ruined our lives“ lädt zur Auseinandersetzung mit Polizeistaatsmethoden ein.
Peter Nowak
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- Wer Veranstaltungen plant oder Interesse an kostenlosen Filmkopien hat, kann an diese Emailadresse schreiben:
madoc@barkingmad.tv - Weitere Termine mit dem Film werden auf der Homepage veröffentlicht:
www.spieswhoruinedourlives.com
https://rote-hilfe.de/sites/default/files/2026-02/RHZ_2026-1_web.pdf