Bemerkenswerte Einheit


Peter Nowak über den gemein­samen Amazon-Protest von Linken und Gewerk­schaften

Nicht nur Hun­derte Amazon-Beschäf­tigte gaben ihrem Fir­menchef Jeff Bezos diese Woche in Berlin ein klares Feedback. Während diesem im Springer-Hochhaus ein Preis für »besonders inno­va­tives Unter­neh­mertum« ver­liehen wurde, pro­tes­tierten sie gegen Lohn­dumping, Über­wa­chung am Arbeits­platz und Steu­er­flucht. Unüber­sehbar waren dabei auch die Trans­pa­rente des linken Bünd­nisses »Make Amazon Pay«, das die Beschäf­tigten des Online­händlers in ihrem Kampf unter­stützt und erstmals ver­gan­genen November rund um den Schnäpp­chentag »Black Friday« öffentlich in Erscheinung trat.
Dass Linke und Gewerk­schaften nun gemeinsam vor dem Sprin­gerhaus pro­tes­tierten, ist eine neue Qua­lität und Ergebnis eines Lern­pro­zesses auf beiden Seiten. In der Regel bleiben DGB-Gewerk­schaften auf Distanz zu Unter­stützern aus der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken, die wie­derum großen Wert auf Abstand vor allem zu den Spitzen der Gewerk­schaften legen. Der Vorwurf: Diese würden mit ihrer sozi­al­part­ner­schaft­lichen Linie die Beschäf­tigten in den Staat inte­grieren. Es ist daher bemer­kenswert, wenn der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Berlin unter dem zustim­menden Applaus der linken Akti­visten das breite Bündnis der Amazon-Soli­da­rität würdigt.

Diese Koope­ration war nur möglich, weil es bereits seit fünf Jahren eine linke Amazon-Soli­da­rität gibt. Vor allem an den Stand­orten Leipzig und Bad Hersfeld ent­standen enge Bezie­hungen zwi­schen Beschäf­tigten, die sich im Arbeits­kampf enga­gieren, und ihren linken Unter­stützern. Schon vor drei Jahren haben sie zudem Kon­takte zu den Beschäf­tigten in Poznań her­ge­stellt. Mitt­ler­weile ist die deutsch-pol­nische Koope­ration selbst­ver­ständlich. Dabei sind die pol­ni­schen Kol­legen in einer anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft orga­ni­siert, die nicht zu den Koope­ra­ti­ons­partnern von ver.di gehört. Am Dienstag war die Dele­gation aus Poznań mit ihrem Gewerk­schafts­symbol, der schwarzen Katze, nicht zu über­sehen.
Doch ganz rei­bungslos verlief auch dieser Protest nicht. So sorgte es kurz­zeitig für Unmut, als ein ver.di-Koordinator die Rede eines anar­chis­ti­schen Kol­legen aus Poznań nach wenigen Sätzen abmo­de­rieren wollte. Noch lauter wurde es im Block der linken Unter­stützer, als die SPD-Vor­sit­zende Andrea Nahles eine Gruß­adresse ver­lesen wollte. Der ver.di-Vorstand hatte sie ohne Wissen der Bünd­nis­partner auf die Rede­liste gesetzt. Doch auch ein Großteil der Amazon-Beschäf­tigten wollte die SPD-Poli­ti­kerin nicht ver­tei­digen.

Dennoch bewies die Aktion am Springer-Hochhaus, dass eine echte Koope­ration zwi­schen Gewerk­schaft und außer­par­la­men­ta­ri­scher Linke möglich ist, bei der auch Dif­fe­renzen ange­sprochen werden können. Solche Bünd­nisse sollten nicht nur im Kampf gegen das »Modell Amazon« Schule machen.

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Peter Nowak

https://publik.verdi.de/2018/ausgabe-04/gewerkschaft/inside/seite‑2/pressestimmen

Hinweis auf den Artikel in ver.di Publik :: / Ausgabe 04 / 2018

Pres­se­stimmen.

Lern­prozess auf beiden Seiten

Neues Deutschland, 27. April 2018

Dass Linke und Gewerk­schaften nun gemeinsam vor dem Sprin­gerhaus pro­tes­tierten, ist eine neue Qua­lität und Ergebnis eines Lern­pro­zesses auf beiden Seiten. In der Regel bleiben DGB-Gewerk­schaften auf Distanz zu Unter­stützern aus der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken, die wie­derum großen Wert auf Abstand vor ­allem zu den Spitzen der Gewerk­schaften legen. Der Vorwurf: Diese würden mit ­ihrer sozi­al­part­ner­schaft­lichen Linie die Beschäf­tigten in den Staat inte­grieren. Es ist daher bemer­kenswert, wenn der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Berlin unter dem zustim­menden Applaus der linken Akti­visten das breite Bündnis der Amazon-Soli­da­rität würdigt.