Kein Ende der Recherche

ENGA­GEMENT Die Doku­men­ta­ti­ons­stelle der Anti­ras­sis­ti­schen Initiative Berlin kann doch wei­ter­ar­beiten: Ihr Hil­feruf nach Unter­stützung wurde gehört

Die Doku­men­ta­ti­ons­stelle der Anti­ras­sis­ti­schen Initiative Berlin (ARI) kann ihre Arbeit fort­setzen. Seit 20 Jahren gibt der Verein die Doku­men­tation »Bun­des­deutsche Flücht­lings­po­litik und ihre töd­lichen Folgen« heraus. Noch vor wenigen Wochen schien das Projekt in Gefahr, weil ehren­amt­liche Mit­wir­kende fehlten.

»Wir sind jetzt wirklich sehr auf Unter­stützung dieser wich­tigen Arbeit ange­wiesen, sonst müssten wir auf­hören«, hatte die ARI in einem offenen Brief for­mu­liert. »In der letzten Zeit haben wir die Doku­men­tation ehren­amtlich zu zweit erstellt. Diese Arbeit können wir auf keinen Fall mehr mit so wenig Per­sonal leisten«, erklärt Elke Schmidt von der ARI den Grund für den Hil­feruf – der gehört wurde: Es habe viel Zuspruch gegeben und einige Men­schen haben ihre Mit­arbeit ange­boten, sagte Schmidt gegenüber der taz.

Zurzeit berate man mit den Inter­es­sen­tInnen über die kon­krete Aus­ge­staltung der Koope­ration. Begonnen hat Schmidt mit einer Mit­strei­terin das Doku­men­ta­ti­ons­projekt im Jahr 1994, nachdem sich der Onkel eines ver­schwun­denen tami­li­schen Flücht­lings an die ARI gewandt hatte. Bei der Recherche stellte sich heraus, dass der Mann mit acht wei­teren Flücht­lingen beim Grenz­über­tritt in der Neiße ertrunken war. Zusammen mit einem Filmteam machte die ARI den Fall öffentlich.

Seitdem sammelt das kleine Dokuteam Nach­richten über Todes­fälle, Miss­hand­lungen und Gewalt im Zusam­menhang mit der deut­schen Flücht­lings­po­litik. Über 370 tote Flücht­linge allein durch staat­liche Maß­nahmen hat die ARI bisher gezählt. Zurzeit werden die aktu­ellen Fälle von Gewalt für die dem­nächst erschei­nende Doku­men­tation recher­chiert. Dass sich der Kreis ver­breitert, beruhigt nicht nur Elke Schmidt. Die deutsch­landweit ein­zig­artige Arbeit erfährt seit Jahren Lob und Aner­kennung von Anti­ras­sis­tInnen, Medien und Flücht­lings­or­ga­ni­sa­tionen.
Wer die Arbeit unter­stützen will, kann sich bei ari-​berlin-​dok@​gmx.​de melden.

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2013%2F01%2F25%2Fa0153&cHash=2c0dc081945dabe0e2d3b02f6cd1c731
Peter Nowak


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