Solidarität mit Charité- und Pflege-Streik

Gewerk­schaft will Arbeits­kampf in die Gesell­schaft tragen

„Wir sind Mehrwert“, diese Parole prangte auf vielen T‑Shirts der Gewerk­schafter, die am Sams­tags­mittag vom Alex­an­der­platz zu Bran­den­burger Tor gezogen. Mehrere hundert Men­schen hatten sich daran beteiligt. Dar­unter waren die strei­kenden Beschäf­tigten der Charity und der Pfle­ge­dienste Alpenland. Zu ihrer Unter­stützung war die Demons­tration orga­ni­siert worden. „Diese Streiks helfen mit, die Spirale von Dum­ping­löhnen, schlechten Arbeits­be­din­gungen und tarif­freien Zonen zu stoppen und sind deshalb im Interesse aller Arbeit­nehmer“, betonte ein Gewerk­schafter.
Gleich­zeitig brauchen die Kol­legen mehr Soli­da­rität, wie aus ihren Berichten deutlich wurde.
„Die Geschäfts­führung der Charité Facility Management GmbH ist nicht im Ansatz bereit, einen für alle Beschäf­tigten gel­tenden Tarif­vertrag, geschweige denn wirk­liche Ent­gelt­er­hö­hungen für alle Beschäf­tigten mit uns zu ver­ein­baren“, klagt eine Strei­kende. Mit Haus­ver­boten gegen Gewerk­schafter, Ein­schüch­te­rungen und Dro­hungen sowie Aus­zahlung von Streik­bre­cher­prämien solle der Arbeits­kampf gebrochen werden. Ähn­liches hatte Maike Jäger vom verdi-Fach­be­reich 3 von Alpenland zu berichten. Strei­kende würden ein­ge­schüchtert, Streik­bruch solle belohnt werden. Dadurch würde aber die Ent­schlos­senheit der Strei­kenden erhöht, berichtete sie und ver­weist auf Erfolge. „Vor einigen Wochen kannte kaum jemand den Namen Alpenland. Durch den Streik sei die Firma dadurch bekannt, dass die Beschäf­tigten im Osten wesentlich weniger als im Westen ver­dienen“.

Auf einer Zwi­schen­kund­gebung vor dem Buch­kaufhaus Dussmann machten die Gewerk­schafter ihren Unmut Luft. Das Unter­nehmen bildet gemeinsam mit der Charity, den Unter­nehmen Hellmann und VAMED die Charité Facility Management GmbH. „Wir kommen wieder“ beendete ein Redner seinen kurzen Rede­beitrag, der von zahl­reichen Pas­santen mit Zuspitzung auf­ge­nommen wurde.
Tat­sächlich soll es nicht die letzte Soli­da­ri­täts­de­mons­tration bleiben. Ver.di will den Arbeits­kampf aus den betrof­fenen Betrieben in die Gesell­schaft tragen. Auf der Demons­tration waren aller­dings die aktiven Gewerk­schafter ein­deutig in der Mehrzahl. Soziale Initia­tiven, die 2008 beim Ein­zel­han­dels­streik zur Unter­stützung der Kol­legen waren auf der Demo kaum ver­treten. Die betei­ligten sich dagegen zahl­reich an einer Demons­tration, die zwei Stunden später auf der gleichen im Rahmen der glo­balen Kri­sen­pro­teste auf der gleichen Route durch Berlins Mitte zog. Dort wurden die Arbeits­kämpfe gar nicht erwähnt. Anders als in den USA, wo Gewerk­schafter bei den Kri­sen­pro­testen beteiligt sind, klappte in Berlin der Schul­ter­schluss noch nicht. Viel­leicht sollten die Sozi­al­foren wieder aktiv werden, die vor einigen Jahren hier eine wichtige Koor­di­nie­rungs­funktion hatten“, meine eine Akti­vistin.

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Peter Nowak


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