Unbequemer werden

DFG-VK dis­ku­tierte über Formen des Wider­stands

Die Pro­teste gegen die Afgha­ni­s­tan­kon­ferenz in Bonn sind das zen­trale Akti­onsfeld der nächsten Wochen für die Deutsche Frie­dens­ge­sell­schaft-Ver­ei­nigte Kriegs­dienst­gegner (DFG-VK). Weitere Schwer­punkte für die älteste deutsche Frie­dens­or­ga­ni­sation sind der Kampf gegen Waf­fen­handel und Bun­des­wehr­werbung an Schulen oder in Job­centern. Darauf ver­stän­digten sich die Dele­gierten bei ihrem Bun­des­kon­gress am Wochenende in Leipzig.

Reiner Braun (IALANA) zeigte sich bei einer Dis­kus­si­ons­runde über­zeugt, dass Anfang Dezember viele Men­schen dem Pro­test­aufruf folgen werden. Par­allel zu der Kon­ferenz Petersberg II, wo Poli­tiker aus aller Welt über die Per­spektive von Afgha­nistan beraten wollen, planen die Kriegs­gegner eine inter­na­tionale Demons­tration, Aktionen und eine Kon­ferenz. Dass erstmals auch die Gewerk­schaft ver.di zu den Pro­testen aufruft, ist für Braun Grund für Opti­mismus.

In Leipzig plä­dierten ver­schiedene Redner dafür, nicht nur auf Aktionen zu setzen, die auf Zustimmung bei der Mehrheit der Bevöl­kerung träfen. Frank Brendle von der DFG-VK Berlin warb für Aktionen, die für Auf­sehen und auch für Ärger sorgen. Dadurch werde mehr zum Nach­denken angeregt als mit alt­be­kannten Pro­test­formen, die kaum wahr­ge­nommen würden, vertrat er. Seine Gruppe hatte mit einem Aufruf, jeden gefal­lenen Sol­daten zu feiern, im ver­gan­genen Jahr auch innerhalb der Orga­ni­sation für Kon­tro­versen gesorgt. Die sind heute weit­gehend bei­gelegt. Auf die Formel, dass Aktionen phan­ta­sievoll sein und sich nicht immer an der staat­lichen Legi­ti­mität ori­en­tieren sollen, konnten sich alle einigen. Deshalb bekam Akti­vistin Hanna Poddig nicht nur viel Applaus für ihre Erklärung, dass sich das Malen eines Frie­dens­symbols und direkte Aktionen ergänzten. Sie konnte von der Kon­ferenz auch noch eine Spende für ihre Pro­zess­kosten mit­nehmen. Die haben sich ange­häuft, weil sich Poddig 2008 ankettete, um eine Mili­tär­übung zu blo­ckieren.
Kon­tro­verser war die Debatte, ob auch Men­schen, die wegen des Anzündens von Mili­tär­gerät vor Gericht stehen, die Soli­da­rität der DFG-VK zu erwarten haben. Die Ein­wände rich­teten sich dabei weniger gegen das Unbrauch­bar­machen von Kriegs­gerät, als gegen die Anony­mität der Akteure. So sehen viele DFG-VK-Mit­glieder ihre Vor­bilder in christ­lichen Pazi­fisten, die sich wie in den USA nach dem Zer­stören von Kriegs­gerät vor Ort fest­nehmen ließen.

Bei einer Kund­gebung in der Innen­stadt machten die Anti­mi­li­ta­risten darauf auf­merksam, dass über den Flug­hafen Leipzig Kriegs­gerät in alle Welt. geliefert wird. Zudem blo­ckierten sie am Sonn­abend vor­über­gehend den Stand der Bun­deswehr auf einer Hob­by­messe in der Stadt. Die Bun­deswehr als »Spaß­pro­gramm« zu prä­sen­tieren, zeuge ent­weder von Ver­achtung gegenüber den Opfern von Krieg und Gewalt oder von unglaub­licher Nai­vität, kri­ti­sierte der am Wochenende in seinem Amt bestä­tigte DFG-VK-Geschäfts­führer Monty Schädel.

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Peter Nowak


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