
Die Betriebsgruppe der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi an der FU-Berlin hatte mehrere Jahre eine eigene Homepage. Doch wer aktuell www.verdi-fu.de anklickt wird auf die Internetpräsenz des Fachbereichs Gesundheit, Soziale Dienste, Bildung und Wissenschaft von Verdi-Berlin-Brandenburg weitergeleitet. Denn vor wenigen Tagen wurde die Homepage der Betriebsgruppe von der Verdi-Landesfachbereichsleitung vom Netz genommen. Das sorgte bei linken Gewerkschaftler*innen …
… für Protest. Das Netzwerk für eine klassenkämpferische und demokratische Verdi initiierte eine Petition, in der sie die Abschaltung verurteilen. Auch die Berliner Aktion gegen Arbeitgeberunrecht (Baga), die gewerkschaftliche Kämpfe unterstützt, kritisiert die Abschaltung der Homepage und bezichtigte den Verdi-Landesbezirk Berlin „undemokratischer Methoden“.
Beobachter*innen der Gewerkschaften sprechen von einem Konflikt unter Gewerkschaftslinken. Schließlich agieren im Verdi-Landesbezirk Berlin längst nicht mehr rechte Sozialdemokrat*innen, sondern Linke, die teilweise länger in außerparlamentarischen Bewegungen aktiv waren. Dazu gehört der Pressesprecher von Verdi-Berlin Kalle Kunkel. Er erklärte gegenüber der taz, dass der Vorstand der FU-Gewerkschaftler*innen sich über gewerkschaftliche Vereinbarungen hinweg gesetzt und Forderungen für die nächste Tarifrunde auf ihrer Homepage veröffentlicht habe.
„Verdi hat in Berlin und Brandenburg eine breite Diskussion zu den Forderungen in der anstehenden TVL-Runde organisiert. Diese Diskussion führen wir intern, weil es wichtig ist, sich gegenseitig zuzuhören, statt sich mit dem Lautsprecher über den vermeintlich richtigen Klassenstandpunkt zu belehren“, sagt Kunkel der taz. Er monierte, dass sich die FU-Verdi-Kolleg*innen kaum in die innergewerkschaftliche Debatte eingebracht hätten.
Kunkel versichterte, dass die friedenspolitische Resolution „Unis in der Zeitenwende“, die von der Verdi-FU-Gruppe Anfang November 2025 beschlossen wurde, nicht der Anlass für die Sperrung der Homepage war. Dort wird zu einer antimilitaristischen Arbeit an den Hochschulen aufgerufen und die Verteidigung und Ausweitung der Zivilklauseln gefordert. Ob es zu einer Lösung im innergewerkschaftlichen Streit kommt, ist unklar. Kunkel verweist gegenüber der taz auf den ehrenamtlichen Landesfachbereichsvorstand von Verdi-Berlin-Brandenburg, der den Sachverhalt weiter beraten werde.
Peter Nowak
Leserbrief im ND vom 25.11. nimmt Bezug auf den Artikel:
Innerlinker Konflikt, »Ohne sie geht nichts«, 19.11., S. 2; dasnd.de/1195556
Ich bin aktiv bei Verdi an der Freien Universität Berlin. Dieser Beitrag über die Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder hat zwar eine schöne Überschrift, ist aber zum Konflikt an der FU unglaublich einseitig. Die »Taz«
schreibt richtig, dass es sich hier um einen innerlinken Konflikt handelt, und ist in ihren Formulierungen deutlich vorsichtiger. Der Habitus von Fraktionsbildung und markiger Rede ist hier auch mit dem Zitat am Ende klar erkennbar und führt in der Betriebsgruppe regelmäßig zu Austrittswellen und Konflikten. Ich würde es begrüßen, wenn ihr an solchen konfliktiven Punkten innerhalb der Berliner Linken (nicht die Partei) verschiedene Standpunkte
abbildet.
Jonas Schramm, Berlin
Abschaltung der Homepage der ver.di-Betriebsgruppe FU:
Dokumentation auf Labournet :
Einige Klar- und Richtigstellungen zu Presseberichten und
Verlautbarungen von ver.di Berlin-Brandenburg
https://www.labournet.de/wp-content/uploads/2025/11/Richtigstellung211125.pdf
https://taz.de/Zivilklausel-an-der-FU/!6130448/