
Auf der internationalen Bühne wechseln die politischen Themen fast täglich. In Syrien droht die kurdische Selbstverwaltung durch die herrschenden Islamisten zerstört zu werden. Der Streit zwischen den kapitalistischen Kolonialmächten um Vorherrschaft verschärft sich. Da gerät schon wieder etwas in den Hintergrund, dass vor wenigen Tagen im Iran ein Aufstand von großen Teilen der Bevölkerung stattgefunden hat, bei dem Menschen in vierstelliger Zahl von den Repressionsorganen des Regimes ermordet wurden. Trotz der Abschaltung aller sozialen Medien durch das Regime drangen Bilder von Leichen auf den Straßen aus dem abgeschotteten Land. Augenzeug*innen berichteten von Szenen auf iranischen Straßen, die an die berühmten Zeiten in Pablo Nerudas Poem »Erklärung einiger Dinge« erinnert: …
… »Kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht das Blut in den Straßen, kommt, seht doch das Blut in den Straßen!«
Der chilenische Literat und Kommunist beschrieb so die grausame Gewalt, mit der in den Jahren 1936 bis 1938 die Spanische Republik von der spanischen Konterrevolution im Bündnis mit deutschen und italienischen Faschisten zerschlagen wurde. Seine Zeilen sorgten mit für die weltweite Solidarität mit der spanischen Republik und der sozialen Revolution in dem Land. Der blutig niedergeschlagene Aufstand der iranischen Bevölkerung bewegt scheinbar weniger. Auch die gesellschaftliche Linke ist nicht besonders stark auf den Demonstrationen gegen Islamisten und Schah vertreten, zu denen vor allem iranische und kurdische Linke in vielen Städten aufgerufen haben. Auf der bundesweiten Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, die dieses Jahr am 10. Januar im Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zum Berliner Friedhof der Sozialist*innen zog, musste man Solidaritätsparolen mit dem iranischen Aufstand gar mit der Lupe suchen. Gerade in diesen Tagen aber war der Aufstand und auch die Staatsrepression im Iran auf dem Höhepunkt.
Warum gab es kaum Solidaritätsgrüße von einer Demonstration, für die die internationale Solidarität doch ein wichtiges Element ist? Liegt es vielleicht auch daran, dass manche Linke befürchten, dass die vom iranischen Regime aufgebaute Achse des Widerstands gegen Israel mit dem Ende des Regimes endgültig zusammenbricht? Bei solch einer Unterstützung handelt es sich um eine Förderung islamistischer, reaktionärer und dschihadistische Kräfte in Irans Nachbarländern, die Navid Shomali von der iranischen kommunistischen Tudeh-Partei in einem Interview mit der »Jungen Welt« klar benennt.
Ein Sturz des iranischen Regimes wäre so nicht nur für die überwiegende Mehrheit der iranischen Bevölkerung, sondern auch für die Menschen in der Nachbarschaft ein Akt der Befreiung. Zudem würde die Vernichtungsdrohung gegen Israel mit dem Sturz des iranischen Regimes wegfallen. Es gibt also viele Gründe, sich mit den Aufständischen im Iran zu solidarisieren. 1967 war der Protest gegen den Schah ein Motor für die Außerparlamentarische Opposition in Westberlin und der BRD. Daran sollte die gesellschaftliche Linke heute anknüpfen. Peter Nowak
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