CG-Gruppe verkauft Postscheckamt an Art-Invest

Während Bezirkspolitiker/​innen und CG-Gruppe sich gegen­seitig loben, geht die Kritik an Bau­projekt weiter

Mona­telang hing am Post­tower in der Nähe des Hal­le­schen Ufer ein Trans­parent, auf dem die CG-Gruppe, der das Gebäude gehörte, Politiker/​innen des Ber­liner Senats und des Bezirks Fried­richshain-Kreuzberg beschul­digte, den Bau von Woh­nungen dort zu blo­ckieren. Der Hin­ter­grund der Aus­ein­an­der­setzung war die Frage, ob der Bezirk bei den Pla­nungen mit­ent­scheiden oder ob ein Investor wie Chrisoph Gröner von der CG-Gruppe seinen Herr-im-Haus-Stand­punkt durch­setzen kann. Nun…

…geben sich beide Seiten zufrieden. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die CG-Gruppe das Post­scheckamt an die Art-Invest ver­kaufte. Das Immo­bi­li­en­un­ter­nehmen wirbt damit, dass es Nobel­ob­jekte in ganz Deutschland besitzt, in Berlin unter anderem den Campus der Deut­schen Bank. Der grüne Bau­stadtrat von Fried­richshain-Kreuzberg Florian Schmidt, der sich in den letzten Monaten als Poli­tiker feiern ließ, der auch einem Christoph Gröner Paroli bietet, zeigte sich nach dem Verkauf zufrieden. „Der Kon­flikt ist damit beendet. Es ist gut, dass wir jetzt wissen, mit wem wir es zu tun haben“, sagte er gegenüber der Taz. Auch Jürgen Kutz, Vor­stand der CG Gruppe, will nach dem Verkauf nicht von einer Nie­derlage sprechen. Der Deal sei nur ein „fol­ge­rich­tiger Schritt“ gewesen, nachdem keine Woh­nungen in dem Turm gebaut werden sollen.


Bezirks­po­li­tiker mit intrans­pa­renter Politik
Obwohl der Deal um das Post­scheckamt der Bezirks­po­litik seit Wochen bekannt war, lehnten sie auf Pres­se­an­frage jede Stel­lung­nahme im Vorfeld ab. Noch letzte Woche erklärte die Pres­se­spre­cherin des Bezirks­amtes von Kreuzberg-Fried­richshain Sara Luehmann: „Wir können aus Daten­schutz­gründen generell keine Aus­künfte zu Käufer/​innen geben.“ So führt eine Bezirks­po­litik, die sich immer gerne als inves­to­ren­kri­tisch geriert, Daten­schutz­gründe an, um einen längst beschlos­senen Deal der CG-Gruppe solange wie möglich geheim zu halten. Auch Torsten Buhl, der für die Links­fraktion in der BVV Fried­richshain-Kreuzberg sitzt und seit Wochen über den Verkauf des Post­scheckamts infor­miert war, war für Pres­se­an­fragen dazu nicht zu erreichen. Mails beant­wortete er nicht und Anrufe auf seinem Pres­se­handy igno­rierte er. Dabei war Buhl mit dem Anspruch für die BVV kan­di­diert, Infor­ma­tionen aus der BVV an die Bevöl­kerung wei­ter­zu­leiten. Es ist schon bezeichnend, dass Politiker/​innen der Grünen und der Linken durch ihre intrans­pa­rente Infor­ma­ti­ons­po­litik der CG-Gruppe die Ent­scheidung überließ, wann sie den Verkauf öffentlich macht. Doch der noch von der CG-Gruppe aus­ge­richtete Neu­jahrs­empfang in den oberen Etagen des Post­scheckamtes ging am 13. Januar nicht ohne Pro­teste über die Bühne. Trotz schlechtem Wetter machten ca. 10 Mieter/​innen aus Fried­richshain und Kreuzberg mit lauten Töp­fe­schlagen und den Skan­dieren von Parolen deutlich, was sie von den alten und neuen Eigentümer/​innen halten. „CG GRUPPE, Mut­ter­konzern Consus Real Estate AG und andere Gen­tri­fi­zierer stoßen auf ihren Jah­res­rück­blick 2018 an auf ihre Rie­sen­ge­winnen für ver­kaufte Woh­nungen auf Kosten von Wohnraum für alle“, sagte eine der an der Kund­gebung Betei­ligten. Die Art-Invest kann auch zu diesen Pro­fi­teuren gezählt werden. 

Peter Nowak

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