Zwangsräumung verhindert


Eine Lich­ten­berger Familie kann vorerst in ihrer Wohnung bleiben. Miet­schulden waren längst bezahlt

Soli­da­rische Nachbarn und Aktivist*innen haben am Dienstag eine Zwangs­räumung in Lich­tenberg ver­hindert. Bereits eine halbe Stunde vor dem ange­setzten Räu­mungs­termin hatten sich vor der Haustür etwa 60 Men­schen ver­sammelt, die auf Trans­pa­renten ihre Absicht bekun­deten, die Räumung zu ver­hindern. Neben Akti­vis­tInnen des Bünd­nisses „Zwangs­räumung ver­hindern“ standen auch soli­da­rische Nach­ba­rInnen vor der Tür.
„Die Familie ist 2001 mit ihren beiden Söhnen hier ein­ge­zogen. Es kann nicht sein, dass sie wegen der Schlam­perei des Job­centers ihre Wohnung ver­lieren“, meinte eine Frau aus dem Nach­barhaus. Das Job­center hatte die Miete für die Familie direkt an den Eigen­tümer über­wiesen. Der Antrag zur Kos­ten­über­nahme musste regel­mäßig erneuert werden. Wegen einer schweren Krankheit hatten die Mieter eine Frist ver­passt. Es kam zu Miet­rück­ständen, die mitt­ler­weile zwar kom­plett beglichen wurden. Dennoch führten sie zu einem Räu­mungs­titel, der am Dienstag voll­streckt werden sollte. Über den Termin wurde die betroffene Familie erst vor fünf Tagen durch ein Schreiben der Woh­nungs­hilfe Lich­tenberg infor­miert. „Diese kurze Frist ist ein­deutig rechts­widrig“, erklärte Tim Riedel von „Zwangs­räumung ver­hindern“ gegenüber der taz.

„Der Wider­stand geht weiter“
Anna Weber vom Bündnis Zwangs­räumung schließt aus dem Enga­gement der Nach­ba­rInnen, dass der Wider­stand gegen Gen­tri­fi­zierung auch nach der großen Mie­te­rIn­nendemo im April wei­tergeht. „Heute nehmen es viele nicht mehr einfach hin, dass Men­schen zwangs­ge­räumt werden.“
Auch Hans Georg Lin­demann vom Kreuz­berger Laden M99 im Exil war mit seinem Roll­stuhl bei der Blo­ckade. „Ich habe selber viel Soli­da­rität erfahren, als mein Laden geräumt werden sollte“, erklärt er. Der Gerichts­voll­zieher und die Mit­ar­bei­terin der Haus­ver­waltung hatten ihr Auto gar nicht erst ver­lassen, nachdem sie die Men­schen vor dem Haus­eingang gesehen hatten.

mittwoch, 23. mai 2018 taz