Kommunikationsguerilla rückt der Bundeswehr zu Leibe

Beim Adbusting werden Werbeplakate beklebt, bemalt und dabei satirisch verändert. Lieblingsziel der Adbuster ist derzeit das deutsche Militär

Die Bun­deswehr wirbt in diesen Wochen mit einer gigan­ti­schen Pla­kat­kam­pagne um Rekruten. Doch einige Men­schen greifen nun zur Waffe der Gegen­pro­pa­ganda.

»Deutsch­lands Freiheit wird auch im Cyberraum ver­teidigt«, heißt es in großen Lettern auf der Pla­katwand. Wesentlich kleiner kann man erfahren, wer diese Bot­schaften in der Öffent­lichkeit ver­breitet. Es ist die Bun­deswehr, die auf diese Weise Arbeits­kräfte sucht. »Mach, was wirklich zählt« – dieses Motto findet sich in Zei­tungs­an­zeigen ebenso wie auf den unter­schied­lichen Pla­katen im öffent­lichen Raum wieder, mit denen sich die Bun­deswehr als moderner Arbeit­geber prä­sen­tieren will. Lange Zeit brauchte sie sich nicht um Arbeits­kräfte sorgen. Doch seitdem die Wehr­pflicht in Deutschland am 1. Juli 2011 aus­ge­setzt wurde, fehlt bei der deut­schen Armee der Nach­wuchs. »Junge Men­schen fragen heute immer mehr nach dem Sinn ihrer Arbeit und was ihnen diese neben einem Ein­kommen eigentlich bringt. Darauf haben wir in der Bun­deswehr starke Ant­worten«, sagt der Pres­se­be­auf­tragte für die aktuelle Wer­be­kam­pagne, Dirk Feldhaus, auf der Homepage der Bun­deswehr.

Doch einige junge Men­schen wollen von pro­pa­gan­dis­ti­schen Ver­ein­nah­mungs­ver­suchen nichts wissen. Sie stellen den Sinn der Insti­tution Bun­deswehr als Ganzes in Frage und greifen zum Mittel der Gegen­pro­pa­ganda. So wurde die Werbung der Bun­deswehr bereits Ziel für viel­fältige Adbusting-Aktionen, wie die Ver­än­derung oder das Ent­fernen von Wer­be­bot­schaften im Bewe­gungs­jargon genannt wird. Die Band­breite ist groß. Manchmal werden Plakate über­klebt oder übermalt, manchmal sati­risch ver­ändert. So findet man nun anstelle der Bun­des­wehr­werbung die fol­gende Mit­teilung: »Hier wurde ein Bun­des­wehr­plakat ent­fernt.«

Erst Anfang April sind Unbe­kannte in meh­reren Ber­liner Stadt­teilen auf diese Weise der Bun­des­wehr­werbung zu Leibe gerückt. In einer über die Netz­zeitung »Indy­media« ver­brei­teten Erklärung wurde von einer Schlacht der »Kom­mu­ni­ka­ti­ons­gue­rilla« mit der Öffent­lich­keits­ab­teilung der Bun­deswehr gesprochen. »Vater Staat warnt uns vor den gesund­heit­lichen Folgen des Ziga­ret­ten­konsums. Genauso sehen wir uns in der Ver­ant­wortung, unsere Mitbürger_​innen vor diesem visu­ellen Angriff zu schützen und vor den Risiken und Neben­wir­kungen aus­beu­te­ri­scher Kon­flikte zu warnen«, begrün­deten die unbe­kannten Akti­visten ihre Aktion im Netz.

Cor­nelia Man­newitz von der größten deut­schen anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Orga­ni­sation »Deutsche Frie­dens­ge­sell­schaft – Ver­ei­nigte Kriegs­dienst­gegner« (DFG-VK) sieht Adbusting als Teil der anti­mi­li­ta­ris­ti­schen Praxis. Das bloße Ent­fernen oder Über­malen der Plakate sieht sie aller­dings kri­tisch. Besser findet Man­newitz »ein pfif­figes Ver­fremden« und ver­weist auf ein von ihrer Orga­ni­sation erstelltes Plakat. Dort wurde ein Motto der Bun­deswehr – »Mach, was wirklich zählt« – genutzt, um die Toten des Kriegs­ein­satzes in Afgha­nistan zu zählen. Man­newitz sieht in solchen Adbusting-Aktionen mehrere Plus­punkte, um junge Men­schen für eine anti­mi­li­ta­ris­tische Kritik zu inter­es­sieren: »Bilder sowie ihre Ver­frem­dungen treffen kurze, ein­prägsame Aus­sagen und sind auch gut im Netz wei­ter­zu­ver­breiten.«

Für den 11. Juni plant die Bun­deswehr einen deutsch­land­weiten Akti­onstag. Auch bei diesem »Tag der Bun­deswehr« wird die Rekru­ten­werbung im Mit­tel­punkt stehen. Man­newitz hofft, dass im Vorfeld die Aktionen noch zunehmen. Straf­recht­liche Ver­folgung haben die Akti­visten im Moment kaum zu befürchten, denn die Bun­deswehr selbst ver­spricht auf einem ihrer Wer­be­plakate voll­mundig: »Wir kämpfen auch dafür, dass du gegen uns sein kannst.« Und das meint sie offen­sichtlich ernst. »Wir sehen bislang keinen Anlass, Straf­an­zeigen zu erstatten«, sagte der Sprecher des Bun­des­ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­riums, Jörg Franke, gegenüber »nd«. Die Bun­des­wehr­pla­kat­kam­pagne habe zum Ziel gehabt, »pro­vo­kative Denk­an­stöße« aus­zu­lösen. Nun sorgten die Adbusting-Aktionen für Kon­tro­versen, die wie­derum dazu bei­getragen haben, die Bun­des­wehr­kam­pagne bekannter zu machen.

Peter Nowak