In rund 100 Städten gab es über die Feiertage antimilitaristische Aktionen. Die älteren Kriegsgegner blieben dieses Mal seltener unter sich.

Ostermärsche werden jünger

An vielen Orten bestätigte sich: Es sind junge Leute dazugekommen. In manchen Städten waren es nur kleine Gruppen, in anderen große. Doch nicht alle Beobachter *innen haben diese Veränderung registriert. So dozierte der Essener Politikwissenschaftler Tobias Debiel in der ARD-»Tagesschau« unverdrossen von der Überalterung der Ostermärsche und erklärte das auch damit, dass junge Leute eben »ungern auf eine Demo mit Omas und Opas« gingen. Dem widerspricht Niklas von der Internationalen Jugend in Unterlüß: »Ich gehe natürlich lieber mit gleichaltrigen Freund*innen auf ein Konzert. Aber bei politischen Aktionen finde ich es sehr gut und sinnvoll, wenn Menschen aller Generationen gemeinsam auf die Straße gehen, um ihren Widerstand gegen Militarismus und Faschismus auszudrücken.

Mehrere Zehntausend Menschen waren am verlängerten Osterwochenende bundesweit auf den Straßen, um gegen Kriege, Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft zu protestieren. »An deutlich über 100 Orten« hätten Menschen demonstriert, erklärte das Netzwerk Friedenskooperative. Die Teilnehmerzahl sei »auf dem Niveau des Vorjahres mit einer leichten Tendenz der Steigerung«. Auch in der Lüneburger Heide waren am Karsamstag, …

… dem Tag mit den meisten Veranstaltungen, Menschen unterwegs. Ihr Ziel: der Stammsitz des Rheinmetall-Konzerns in Unterlüß. Der Friedensratschlag Lüneburger Heide hatte zum Ostermarsch Unterlüß eingeladen. In der Lüneburger Heide »zwischen Unterlüß und Walsrode« finde die »größte Militarisierung Mitteleuropas« statt, heißt es im Demoaufruf. Hier befänden sich neben den Rheinmetall-Fabriken »Europas größter Truppenübungsplatz, der größte Bundeswehr-Heeresstandort, Fliegerhorste, Logistikeinrichtungen, Munitionsdepots«.

Kurz nach elf versammelten sich die ersten Antimilitarist*innen am kleinen Bahnhof von Unterlüß. Als sich der Marsch eine Dreiviertelstunde später zum rund zwei Kilometer entfernten Rheinmetall-Werk in Bewegung setzte, waren etwa 150 Menschen dabei. »Wir sind auf jeden Fall mehr als im letzten Jahr. Das war auch unser Ziel«, sagt Friederike Schindler. Sie ist aus Celle angereist und hat eine blaue Fahne mit einer weißen Friedenstaube dabei, das bekannte Zeichen des Ostermarsches. Wie sie sind auch die meisten anderen Demonstrant*innen aus der näheren Umgebung angereist.

In Unterlüß hängen viele Arbeitsplätze vom Rheinmetall-Konzern ab. Anwohner*innen stehen am Straßenrand oder hinter geschlossenen Fenstern. Sie schließen sich der Demo nicht an. Mit antimilitaristischen Aktionen waren sie bereits in den vergangenen Jahren konfrontiert: 2018 gab es mitten im Ort erstmals ein Camp des Bündnisses »Rheinmetall entwaffnen«. Ein Vertreter des Bündnisses betonte in seiner Ostermarsch-Rede: »Der Widerstand gegen Krieg und Militarismus muss sich klar gegen Faschismus und Nationalismus positionieren.« Diese Ansage richtete sich gegen eine kleine Gruppe, die mit einer Deutschland- und Russlandfahnen anfangs am Ostermarsch teilnahm. Sie wurde vom Veranstalter ausgeschlossen und lief dann mit deutlichem Abstand hinter der Demonstration.

Für Stimmung und laute Parolen sorgte ein Jugendblock. In den Redebeiträgen der jungen Frauen und Männer stand der Kampf gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht im Mittelpunkt. »Unsere Pflicht ist Widerstand«, rief eine Vertreterin einer Antifa-Gruppe aus Celle. Eine ältere Demonstrantin zeigte sich erfreut über den Demo-Nachwuchs: »Jahrelang hieß es in den Medien, wir würden junge Leute nicht erreichen. Das hat sich jetzt geändert.«

Auch in Berlin waren am Samstag junge Antimilitarist*innen beim Ostermarsch vertreten und protestierten gegen den neuen Wehrdienst. Neben Schüler*innen taten das auch Mitglieder der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und von »Rheinmetall entwaffnen«. Die Polizei sprach von 1600, die Veranstalter*innen berichteten von 6000 Teilnehmer*innen der Berliner Demo, Teilnehmende in den sozialen Medien von etwa 2000. In Stuttgart beteiligten sich laut Polizei gut 3000 Menschen an einem Ostermarsch, in Hamburg rund 2000.

An vielen Orten bestätigte sich: Es sind junge Leute dazugekommen. In manchen Städten waren es nur kleine Gruppen, in anderen große. Doch nicht alle Beobachter *innen haben diese Veränderung registriert. So dozierte der Essener Politikwissenschaftler Tobias Debiel in der ARD-»Tagesschau« unverdrossen von der Überalterung der Ostermärsche und erklärte das auch damit, dass junge Leute eben »ungern auf eine Demo mit Omas und Opas« gingen.

Dem widerspricht Niklas von der Internationalen Jugend in Unterlüß: »Ich gehe natürlich lieber mit gleichaltrigen Freund*innen auf ein Konzert. Aber bei politischen Aktionen finde ich es sehr gut und sinnvoll, wenn Menschen aller Generationen gemeinsam auf die Straße gehen, um ihren Widerstand gegen Militarismus und Faschismus auszudrücken.«

Hauptthemen der Märsche waren die anhaltenden Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine. Die Friedensbewegung fordert von der Bundesregierung diplomatische Initiativen zur Beendigung der »israelischen und US-amerikanischen Aggressionen«. Sie protestiert zudem gegen die US-Blockade der Öllieferungen an Kuba und die geplante Stationierung neuer weitreichender US-Waffen in Deutschland. Zudem solidarisiere man sich »mit den jungen Menschen, die nicht zum Dienst an der Waffe gezwungen werden möchten und nicht gewillt sind, ihre persönlichen Freiheiten der Kriegstüchtigkeit zu opfern«, erklärte Kristian Golla vom Netzwerk Friedenskooperative.

Die Ostermärsche bildeten auch den Auftakt für eine Reihe weiterer Veranstaltungen gegen Krieg und Hochrüstung. So sind für den 10. und 11. Juli antimilitaristische Aktionstage in Berlin geplant. Dabei steht der Widerstand gegen die Umwandlung eines Werks für Autozubehör zu einer Rüstungsfabrik im Wedding im Fokus. Peter Nowak