
»Wo ist Eva Maria Michelmann?« – Schilder mit dieser Frage trugen in der vergangenen Woche rund 30 Personen bei einer Kundgebung vor dem …
… Auswärtigen Amt in Berlin. Es waren Angehörige und Freund*innen der deutschen Journalistin, von der seit über zwei Monaten jede Spur fehlt.
Zuletzt wurde sie am 18. Januar gesehen, als sie mit ihrem kurdischen Kollegen Ahmed Polad in Raqqa von Truppen der syrischen Übergangsregierung sowie mit ihr verbündeten islamistischen HTS-Milizen festgenommen und in ein Fahrzeug gezwungen wurde. Zuvor hatten Winkelmann und Polad offenbar mit anderen Zivilist*innen Zuflucht in einem Gebäude gesucht, wo sie dann belagert wurden. Die beiden hatten Angriffe auf die kurdische Selbstverwaltung dokumentiert. Sie arbeiteten für kurdische Medien.
Vor diesem Hintergrund hatten sich die Linke-Bundestagsabgeordneten Bodo Ramelow und Cansu Özdemir an Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) gewandt. In einem Schreiben fordern sie – auch mit Blick auf die Pressefreiheit – eine umfassende Aufklärung über den Verbleib der Journalistin.
Die Antwort fiel jedoch ausweichend aus. Wie bereits auf Anfrage von »nd« erklärte das Auswärtige Amt auch, über das Verschwinden Michelmanns informiert zu sein und mit syrischen Stellen in Kontakt zu stehen. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes würden jedoch keine weiteren Auskünfte erteilt.Antonius Michelmann, Bruder der Vermissten, zeigt sich enttäuscht: »Wir fragen uns, welche Ergebnisse die Bemühungen des Auswärtigen Amts in den mehr als 60 Tagen seit der Verschleppung meiner Schwester erbracht haben.« Er verweist auf die engen Beziehungen der Bundesregierung, der EU-Kommission sowie von UN-Stellen zur syrischen Übergangsregierung. »Es kann nicht sein, dass wir weiterhin keine einzige neue Information über das Schicksal meiner Schwester haben.«
Zugleich betont er, dass Hinweise auf die Festnahme vorliegen: »Wir verfügen über Videomaterial, das Verhaftungen durch HTS-Milizen mit Fahrzeugen des syrischen Innenministeriums zeigt – genau vom Ort und Zeitpunkt, an dem auch die Festnahme meiner Schwester bezeugt wurde.«
Diese Kritik teilt auch der Rechtsanwalt Roland Meister, der die Familie vertritt. »Das Auswärtige Amt versichert uns, mit ›Hochdruck‹ an einer Klärung zu arbeiten. Doch mehr als zwei Monate nach dem Verschwinden und rund 20 Tage nach Einschaltung des Amts liegt den Angehörigen weiterhin kein konkretes Ergebnis vor«. Peter Nowak
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198523.syrien-eva-maria-michelmann-journalistin-weiter-vermisst.html