Alternativer Bebauungsplan

Bebauungsplan ohne Padovicz und Coral World

Die Initiative »Rettet die Rum­mels­burger Bucht« geht in ihren Alter­na­tivplan auf die Kritik großer Teile der Anwonhner*innen ein

Seit Monaten wehren sich Mieter/​innen und Gewer­be­trei­bende in Lich­tenberg gegen den Bebau­ungsplan Ost­kreuz, der das Areal zwi­schen den S‑Bahnhof Ost­kreuz und der Rum­mels­burger Bucht grund­legend umge­stalten soll. Besonders in der Kritik steht dabei…

…das Projekt Coral World (siehe ME online – Artikel), eine Art Rie­sen­aquarium, das als Tou­ris­mus­magnet bis­herige Mieter/​innen ver­drängen würde. Dass auch der ber­linweit berüch­tigte Investor Padovicz auf dem Areal Grund­stücke gekauft hat, sorgte eben­falls für Protest. In den letzten Monaten gab es mehrere Demons­tra­tionen gegen den bereits 16 Jahre alten Bebau­ungsplan, der an den Bedürf­nissen vieler Men­schen in Lich­tenberg vor­beigeht. Über 42.000 Men­schen unter­stützten auf einer Online­plattform eine Petition, auf der die Kritik an den Bezirks­plänen zusam­men­fasst ist. Kürzlich hat die Initiative „Rum­mels­burger Bucht retten“ einen alter­na­tiven Bebau­ungsplan ohne Padovicz und Coral World vor­gelegt. „Wir wollen Wohnraum für alle, statt teure Woh­nungen für wenige. Natur- und Frei­räume sollen erhalten und aus­gebaut werden“, erklärt Florian Hacken­berger von der Initiative bei der Vor­stellung der Alter­native, der in mehr­facher Hin­sicht ein Gegen­entwurf zum offi­zi­ellen Bebau­ungsplan Ost­kreuz dar­stellt. Die Initiative plant mit weniger Bau­vo­lumen als ursprünglich vor­ge­sehen. Zudem soll mehr als die Hälfte der geplanten Gewer­be­fläche weg­fallen und Raum für Klein­ge­werbe geschaffen werden. Dafür soll auf dem Gelände zwi­schen Rum­mels­burger See und Ost­kreuz rund ein Viertel mehr Wohn- sowie wesentlich mehr Kul­tur­fläche ent­stehen. Das neue Quartier soll kom­plett autofrei werden und Platz für alter­native Wohn­formen wie einen Wagen­platz beinhalten​.In dem Alter­na­tivplan ist ein Bil­dungs­campus vor­ge­sehen, auf dem auch eine neue Schule und eine Kita-Erwei­terung mit 88 zusätz­lichen Plätzen vor­ge­sehen. An den Pro­testen gegen den Bebau­ungsplan hatten sich auch der Bezirks­el­ternrat sowie zahl­reiche Schüler/​innen beteiligt, weil sie die Errichtung von Schulen und Kitas in den Pla­nungen ver­missten. Schließlich wären solche Ein­rich­tungen ent­behrlich, wenn das Areal ein Hotspot für Tourist/​innen würde. Auch aus öko­lo­gi­schen Gesichts­punkten wäre die Alter­na­tiv­planung ein Gewinn. Während nach den offi­zi­ellen Pla­nungen 110 Bäume gefällt werden sollen, wären es bei der Alter­native nur 33, dafür sollen 11 neue Bäume gepflanzt werden. Die Initiative „Rum­melsburg retten“ betonte bei der Vor­stellung, dass auch ein Camp von Obdach­losen, dass sich auf dem Areal befindet, erhalten werden soll. Als Zeichen gegen die Ver­treibung von Obdach­losen ist das sinnvoll. Doch grund­sätzlich sollten Ver­hält­nisse geschaffen werden, damit niemand mehr gezwungen ist, obdachlos zu sein. 

Bewegung in der BVV
Die Initiative fordert nun als ersten Schritt, die Grund­stücke auf dem Areal wieder in Lan­des­ei­gentum zu über­führen. Der Lich­ten­berger Bür­ger­meister Michael Grunst hat die dafür not­wendige Rück­ab­wicklung von Kauf­ver­trägen bisher mit dem Hinweis auf hohe Ent­schä­di­gungs­zah­lungen abge­lehnt. Doch die Kritiker/​innen ver­weisen auf ein Gut­achten der Senats­ver­waltung für Stadt­ent­wicklung, nach dem sich die Ent­schä­di­gungen in Grenzen halten würden. Mitt­ler­weile haben nicht nur die Grünen in der BVV-Lich­tenberg, sondern auch Teile der Fraktion der Links­partei ihre Sym­pathie mit den Alter­na­tiv­plänen bekundet. Es dürfte also spannend werden auf der Infor­ma­ti­ons­ver­an­staltung des Bezirks zu den Bebau­ungs­plänen, die am 20. März um 19 Uhr in einem Saal des Groß­kinos Cinestar in der Elsen­straße 115 – 116 in Treptow statt­finden wird. Am 21. März will die BVV Lich­tenberg über den Bebau­ungsplan ent­scheiden. Dann wird sich zeigen, ob es der Initiative gelungen ist, die Mehrheit der BVV für ihre Pläne zu gewinnen. Wenn nicht, dürften die Pro­teste wei­ter­gehen. 

Peter Nowak