Naziterror gegen Kinder

Aus­stellung von Frei­burger und Ber­liner Schülern über Schicksale von Min­der­jäh­rigen im NS-Staat
Der Ver­folgung von Kindern und Jugend­lichen im Natio­nal­so­zia­lismus widmet sich eine von Schülern erstellte Aus­stellung im »Ber­liner Haus der Demo­kratie«

„Joseph, du bist ein Mulatte. Für solche Kinder habe ich nichts“. Mit diesen harten Worten wies der Weih­nachtsmann den Wunsch des 12jährigen nach Geschenken 1934 zurück. Im Natio­nal­so­zia­lismus blieb die Ras­sei­deo­logie auch am Hei­ligen Abend gültig.
Eine Aus­stellung im Haus der Demo­kratie doku­men­tiert auf 50 Tafeln die Schicksale von Kindern und Jugend­lichen, die aus unter­schied­lichen Gründen im NS ver­folgt waren. Eli­sabeth Müller war 17 Jahre, als sie gemeinsam mit ihren Eltern wegen kom­mu­nis­ti­scher Akti­vi­täten von der Gestapo ver­haftet wurde. Mehrere Tafeln gehen auf die soge­nannten Eutha­na­sie­opfer ein­ge­gangen. Die Jugend­lichen und Kinder wurden wegen angeb­licher erb­licher Krank­heiten oder kri­mi­neller Vor­fahren in Anstalten gequält und häufig ste­ri­li­siert.
Ein großer Teil der Aus­stel­lungs­tafeln wurde unter Feder­führung einer christ­lichen Initiative von Schülern aus 8 Schulen aus Freiburg und Umgebung erstellt und wird erstmals in Berlin gezeigt. Sie trägt den Titel »Nazi­terror gegen Jugend­liche“.
10 Tafeln wurden von einer 26köpfigen Schü­ler­gruppe der Ber­liner Felix-Men­delssohn-Bar­tholdy Gym­na­siums erstellt. Auf der Suche nach in Berlin ver­folgten Kindern und Jugend­lichen haben die Zeit­zeugen inter­viewt und über Ver­folgte in ihrer Nach­bar­schaft recher­chiert“, berichtet die Kura­torin der Aus­stellung Anne Allex vom Arbeits­kreis Mar­gi­na­li­sierte gestern und heute. Im Gespräch mit nd erinnert sie daran, dass das Schicksal der im NS ver­folgten Kinder und Jugend­lichen bisher wenig bekannt ist“. Die Frei­burger Aus­stellung leistete auf diesem Gebiet Pio­nier­arbeit. Viele von den Betrof­fenen, die heute noch leben, leiden jetzt im hohen Alter an den Folgen der Ver­folgung in ihrer Jugend. In der Regel haben sie dafür keine Ent­schä­digung bekommen“, so Allex. Sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass mit durch die Aus­stellung eine Debatte für unbü­ro­kra­tische Unter­stützung für die für die wenigen noch Über­le­benden angeregt wird.
Ein geplanter Aus­stel­lungs­ka­talog, der eine Lücke in der Geschichte der NS-Ver­folgung schließen würde, konnte bisher nicht erstellt werden, weil die Aus­stellung bisher noch immer För­der­mittel fehlen. Die Orga­ni­sa­toren haben Interesse, dass die Aus­stellung auch in anderen Ein­rich­tungen gezeigt wird. Inter­es­senten können sich unter info(at)anne-allex.de na die Kura­torin wenden.

Peter Nowak

Die Aus­stellung „Unrecht an Kindern und Jugend­lichen im deut­schen Faschismus ist im Foyer und dem Robert Havemann-Saal des Hauses der Demo­kratie in der Greifs­walder Straße 4 zu sehen. Weitere Infos http://​www​.anne​-allex​.de/​i​n​d​e​x​.​p​h​p​?​i​d=105

https://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​2​9​0​1​8​.​n​a​z​i​t​e​r​r​o​r​-​g​e​g​e​n​-​k​i​n​d​e​r​.html

Peter Nowak