Der Plattformbetreiber ImmoScout24 ist einer der mächtigsten Akteure auf dem Wohnungsmarkt.

Wohnungsnot als Geldmaschine

Seit Jahren kritisieren Verbraucherorganisationen irreführende Werbung und mangelnden Datenschutz bei ImmoScout. Mit erfolgreichen Klagen haben sie dafür gesorgt, dass ImmoScout seine Werbung anpassen und einige Formulierungen im Fragebogen modifizieren musste. Ein zentraler Kritikpunkt ist ferner, dass auf ImmoScout die Mietpreisbremse systematisch ignoriert wird. Da vor allem hochpreisige Wohnungen angeboten werden, wird der Wohnungsmarkt im Sinne der Immobilienkonzerne verzerrt. Da ImmoScout-Daten in den Mietspiegel einfließen, trägt die Plattform dazu bei, das allgemeine Mietniveau weiter anzuheben.

Seit 1998 gibt es das Unternehmen Immobilien-Scout24 (ImmoScout), das als erster, bundesweit agierender Immobilienmarktplatz etabliert wurde. Das Gründertrio hat sich längst aus dem Geschäft zurückgezogen. 2015 erfolgte der Börsengang, 2025 die Aufnahme in den Leitindex DAX. Dafür musste der kriselnde Autokonzern Porsche die Spitzenetage des deutschen Aktienhandels verlassen. „Die Plattform ist zum mächtigsten Player des Immobiliengeschäfts aufgestiegen – und der von Ralf Weitz geführte Mutterkonzern Scout24 zur wertvollsten deutschen Internetfirma“, schreibt das …

… Manager Magazin. Das Unternehmen sei eine „Fucking-Geldmaschine“. 

Tatsächlich verzeichnet ImmoScout seit Jahren eine rasante Wachstumsdynamik. Im vergangenen Jahr konnten – nicht zum ersten Mal – ein zweistelliges Umsatzwachstum, eine erneute Margensteigerung, und ein deutlich verbessertes Ergebnis pro Aktie erzielt werden. 80% der Kund/innen sind Makler, die bis zu 50% ihres Gewinns an ImmoScout abführen müssen. 

2018 hat ImmoScout auch Konten für Wohnungssuchende eingeführt, die das Angebot zuvor kostenfrei nutzen konnten. An den Mieter/innen verdient ImmoScout mit Abomodellen wie „MieterPlus“. Angeboten werden Abonnements in unterschiedlichen Preislagen. Je teurer diese sind, desto höher soll die Sichtbarkeit der Anzeigen auf ImmoScout theoretisch sein. Die Kund/innen erhoffen sich, dadurch schneller an die begehrten Wohnungen zu kommen. In der Praxis ist deren Nutzen allerdings umstritten, denn viele Makler verwenden externe Tools, in denen die angebliche Priorisierung gar nicht sichtbar wird.

Lukrativer Datenhandel

Wie bei vielen anderen Digitalkonzernen sind auch bei ImmoScout die Daten eine zentrale Profitquelle. Wer eine Bewertung anfragt oder eine Finanzierung sucht, dessen Daten werden weiterverkauft – teilweise mehrfach. So erzielt die Plattform bis zu 1.500 Euro pro qualifiziertem Kontakt – ohne dass Betroffene immer wissen, was im Hintergrund passiert. Dabei geben die Wohnungssuchenden viel über sich preis, in der Hoffnung, die passende Wohnung zu finden. Basis dafür ist ein umfangreicher Fragebogen: Wo soll die Wohnung liegen? Brauchen Sie einen Balkon oder barrierefreien Zugang? Haben Sie einen Wohnberechtigungsschein? Doch auch über ihre finanziellen Möglichkeiten werden die Mieter/innen ausgefragt: Wieviel können Sie zahlen? Wie sieht es mit dem Schufa-Eintrag aus? 

Seit Jahren kritisieren Verbraucherorganisationen irreführende Werbung und mangelnden Datenschutz bei ImmoScout. Mit erfolgreichen Klagen haben sie dafür gesorgt, dass ImmoScout seine Werbung anpassen und einige Formulierungen im Fragebogen modifizieren musste. 

Ein zentraler Kritikpunkt ist ferner, dass auf ImmoScout die Mietpreisbremse systematisch ignoriert wird. Da vor allem hochpreisige Wohnungen angeboten werden, wird der Wohnungsmarkt im Sinne der Immobilienkonzerne verzerrt. Da ImmoScout-Daten in den Mietspiegel einfließen, trägt die Plattform dazu bei, das allgemeine Mietniveau weiter anzuheben.

Natürlich gibt es da auch innerkapitalistische Konkurrenz, die mit Neid auf die hohen Gewinnmargen des Branchenführers blickt. So will das Startup-Unternehmen „Kleinanzeigen“ den Platzhirsch auf dem Anzeigenmarkt herausfordern. Dabei geht es allerdings lediglich darum, welcher der zwei kapitalkräftigen Player mehr von dem Wohnungsmangel und der Not der Mieter/innen profitieren kann. 

Ganz andere Überlegungen gibt es im Umfeld der Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“. Dort überlegt eine Arbeitsgruppe, wie eine digitale Wohnungssuche aussehen könnte, wenn sie auf Basis einer professionellen, gemeinwohlorientierten Suchmaschine im Interesse der Mieter/innen organisiert wird. Das wäre für Wohnungssuchende sicherlich eine konkrete Hilfe. Doch wenn man Profiteuren der Wohnungsnot wie ImmoScout tatsächlich den Stecker ziehen will, muss vor allem der Kampf gegen die profitgetriebene Immobilienwirtschaft und für ein Recht auf angemessenen, bezahlbaren Wohnraum für alle konsequent fortgesetzt werden. Peter Nowak