Netzwerke und Proteste bewähren sich im Notstand

Solidarität statt Bevormundung

In der Corona-Krise domi­niert noch die volks­ge­mein­schaft­liche Diktion, dass wir alle in einem Boot sitzen und allen poli­ti­schen Streit jetzt hinter uns lassen sollen. Dazu wird von Politiker*innen aller Par­teien plötzlich ver­dächtig oft das Wörtchen Soli­da­rität im Mund geführt. Doch es hat eine ganz andere Bedeutung als in linken Zusam­men­hängen. Von Politik und Wirt­schaft wird der nationale Zusam­menhalt beschworen und vor der Spaltung der Gesell­schaft gewarnt.

#STAY AT HOME heißt die weit sichtbare Lauf­schrift auf dem Dach des Living Levels, eine der teu­ersten Immo­bilien am Ber­liner Spree-Ufer. Gut sehen können die Auf­for­derung auch die vielen Men­schen, die in den Ber­liner Stadt­teilen Kreuzberg und Fried­richshain in beengten Wohn­ver­hält­nissen oder sogar ohne Obdach auf der Straße über­leben müssen. Nicht wenige sind durch Luxus­bau­pro­jekte wie Living Levels ver­drängt worden und haben durch das Streben nach Gewinn­ma­xi­mierung in der Immo­bi­li­en­wirt­schaft ihre Woh­nungen ver­loren. Daher ist es schon besonders zynisch, wenn aus­ge­rechnet vom Dach dieses Gebäudes aus auf­ge­fordert wird, zu Hause zu bleiben. Wenn schon alle auf­ge­fordert werden, zu Hause zu bleiben, dann müssen auch alle ein Zuhause haben, in dem sie leben können und wollen. Ein Bei­spiel mehr, das zeigt, wie .…

„Soli­da­rität statt Bevor­mundung“ wei­ter­lesen
Neues Berliner Bündnis #jetzterstrecht

Links ist noch Perspektive

#jetz­ter­st­recht ver­sammelt 25 linke Initia­tiven. Am Vor­abend des 1. Mai demons­trierten Akti­vis­tInnen der Stadt­teil­in­itiative Hände weg vom. Wedding, die Teil des Bünd­nisses für Soli­da­rität mit Benach­tei­ligten in der Coro­na­krise. Sie haben auch einen For­de­rungs­ka­talog für die soziale Lösung und demo­kra­tische Lösung der Krise ver­teilt

Tatort – nicht betreten“ stand auf den Flat­ter­bändern, mit denen die Polizei ein kleines Areal am Wed­dinger Leo­pold­platz abge­sperrt hatte. Dort hatte die Stadtteil­initiative „Hände weg vom Wedding“ (HwvW) .…

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Solidarität in Wedding

Kieze trotzen Krise

Soli­da­rische Stadt­teil­arbeit bietet ange­sichts der Corona-Epi­demie Platt­formen für Soli­da­rität und gegen­seitige Unter­stützung. Aktuell zählt die Tele­gramm-Gruppe 1.750, die Facebook-Gruppe 820 Mit­glieder

„Die vielen prekär Selbst­stän­digen und Schein­selbst­stän­digen im Taxi­ge­werbe bekommen noch nicht einmal Kurz­ar­bei­tergeld. Bislang stehen wir unsinnig herum, sind irgendwo zwi­schen denen, die zuhause bleiben sollen, und denen, die unbe­dingt arbeiten sollen, ver­gessen.“ Diese Zeilen eines 57-jäh­rigen Ber­liner Taxi­fahrers sind unter der Rubrik „Repor­tagen der Soli­da­rität“ auf der Homepage www​.unver​wertbar​.org ver­öf­fent­licht. Ein­ge­richtet wurde die Web­seite von der Stadt­teil­in­itiative „Hände weg vom Wedding“ (HwvW), die schon in den .…

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Seine drohende Räumung wurde nur deshalb bekannt, weil er nicht still und heimlich die Wohnung verließ, sondern solidarische Nachbar/innen und das Bündnis "Zwangsräumung verhindern" um Unterstützung gebeten hat.

Mieter im Wedding soll nach 35 Jahren zwangsgeräumt werden

Im Wedding ist in den Jahren ein soli­da­ri­sches Netzwerk ent­standen, das unter anderem aus dem Stadt­teil­laden Agnes Reinhold in der Afri­ka­ni­schen Straße 73, der Erwerbs­lo­sen­in­itiative Basta und dem Bündnis „Hände weg vom Wedding“ besteht. Ihnen ist es auch zu ver­danken, dass Zwangs­räu­mungen im Wedding jetzt manchmal nicht mehr geräuschlos über die Bühne gehen und viel­leicht nicht nur ver­schoben, sondern ganz ver­hindert werden können.

Seit über 35 Jahren wohnt Daniel, der seinen Nach­namen nicht in der Zeitung lesen will, in der Trans­vaal­straße 20 im Wedding. Am 16. Oktober sollte er zwangs­ge­räumt werden. Für sieben Uhr hatte sich der Gerichts­voll­zieher ange­kündigt und wollte das Schloss seiner Wohnung aus­tau­schen. Einen Tag vor dem Termin wurde ihm mit­ge­teilt, dass die .…

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Gabriel Kuhn (Hg.): Wobblies, Politik und Geschichte der IWW. Unrast-Verlag, Münster 2019, 152 Seiten, 13 EUR.

Organisierung der Prekären

Gabriel Kuhns Buch »Wob­blies« liefert einen his­to­ri­schen Abriss der Gewerk­schaft Indus­trial Workers of the World und stellt ihre Aktua­lität heraus

Eine Gewerk­schaft, die ihren Fokus auf die Orga­ni­sierung der schwer zu orga­ni­sie­renden Beschäf­tigten, auf Erwerbslose, Teilzeit- und Wanderarbeiter*innen, richtet – das klingt sehr modern. Und doch widmete sich bereits vor mehr als 100 Jahren eine heute weit­gehend unbe­kannte Gewerk­schaft der Orga­ni­sierung der Pre­kären. Der Publizist und ak-Autor.…

„Orga­ni­sierung der Pre­kären“ wei­ter­lesen
Zwei Bücher zur Geschichte und Aktualität der »Wobblies« – einer Gewerkschaft für Beschäftigte, die auf der Suche nach Arbeit umherzogen.

Die Hobos von heute

Gabriel Kuhn: Wob­blies. Politik und Geschichte der IWW, Unrast-Verlag, 152 S., 13 €. Torsten Bewernitz: Syn­di­ka­lismus und neue Klas­sen­po­litik. Eine Streit­schrift. Die Buch­ma­cherei, 70 Seiten, 7 €.

Vor allem die Hippie-Bardin Joan Baez hat mit ihrem vor 50 Jahren auf dem Wood­stock-Fes­tival vor­ge­tra­genen Song »Joe Hill« dazu bei­getragen, dass der Name des 1915 hin­ge­rich­teten Sängers noch heute bekannt ist. Hill war für den Mord an einem Laden­be­sitzer hin­ge­richtet worden, den er wohl nicht begangen hatte. Doch Polizei und Justiz war er als Künstler, der der Gewerk­schaft »Indus­trial Workers of the World« (IWW) nahe stand, ein Dorn im Auge. Schließlich unter­stützte er…

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Protest gegen Uber und Co.

»Wildwest-Zustände in der Taxibranche«

Ver­kehrs­mi­nister Scheuer will den Taxi­markt libe­ra­li­sieren. Dabei arbeiten Fahrer schon heute unter pre­kärsten Bedin­gungen, berichten die Gewerk­schafter Klaus Meier und Andreas Kom­rowski.

Seit Monaten pro­tes­tieren Taxi­fahrer gegen den Fahr­dienst Uber. Worum geht es?
Andreas Kom­rowski: Die Pro­test­ak­tionen von Taxi­fahrern ent­zün­deten sich am Vor­haben des Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­te­riums unter Andreas Scheuer, das Per­so­nen­be­för­de­rungs­gesetz zu libe­ra­li­sieren. Dabei geht es vor allem um.…

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Arbeitskampf im Berliner Hostel »Wombat’s«

Ein Fall von Hostel Busting

Eine Hostel-Kette will sich einer kämp­fe­ri­schen Beleg­schaft in Berlin durch die Schließung der Filiale ent­le­digen. Die Unter­stützung für die Beschäf­tigten ist groß.

Für aus­tra­lische Beu­tel­säuger bestand zu keiner Zeit eine Gefahr. Zwar stand der Slogan »Wombats ent­eignen« auf Schildern bei einer Pro­test­kund­gebung am Freitag ver­gan­gener Woche in Berlin. Gemeint waren aber nicht die Tiere, sondern ein Unter­nehmen. Die For­derung zeigt, dass die Ent­eig­nungs­de­batte weitere Kreise zieht. Denn Wombat’s ist kein Immo­bi­li­en­konzern, sondern eine Hostel-Kette mit Filialen in München, London, Budapest, Wien und ab Anfang August vor­aus­sichtlich auch in Venedig. Die Ber­liner Filiale im ehe­ma­ligen Scheu­nen­viertel in Berlin-Mitte soll zum 31. August geschlossen werden. Des­wegen hatten die Beschäf­tigten zu einer Pro­test­kund­gebung vor dem Hostel auf­ge­rufen. Der Grund für die dro­hende Schließung ist nicht etwa.…

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