Gerhard Hanloser: Die andere Querfront. Skizzen des antideutschen Betrugs Münster: Unrast, 2019. 343 S., 18 Euro

Kritik der antideutschen Strömung

Es handelt sich nicht um Betrug, sondern um eine Anpassung ehe­ma­liger Linker an die Zumutung von Staat, Nation und Kapital, die bekanntlich in der Ver­gan­genheit nicht nur Anti­deutsche prak­ti­ziert haben. Doch Han­loser zeigt auf 340 Seiten, dass diese Strömung die Inte­gration in das herr­schende System oft besonders perfekt voll­zogen hat

Über die anti­deutsche Strömung ist schon viel geschrieben worden. Bereits 2004 hat der Publizist Gerhard Han­loser mit dem von ihm her­aus­ge­ge­benen Sam­melband Wir war’n die Anti­deut­schesten der deut­schen Linken eine in großen Teilen fun­dierte Kritik an der Ent­wicklung der anti­deut­schen Strömung ver­öf­fent­licht. In dem Band schrieben ver­schiedene AutorInnen, die nach 1989 .…

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Spontis, Maoisten, Feministen


Gerhard Han­loser und Ulrike Heider erinnern an den 68er-Auf­bruch

»Alle diese Texte wirken völlig tot und unin­ter­essant. Da finden sie nicht einen ein­zigen Artikel, den sie heute noch mit Gewinn lesen können.« So urteilte vor zehn Jahren der weit nach rechts gerückte ehe­malige Aktivist der Außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­sition (Apo) Götz Aly im »Bör­sen­blatt« über die theo­re­ti­schen Texte der Neuen Linken. Der Publizist Gerhard Han­loser nahm dieses Statement zum Anlass, um an die linke Fun­da­men­tal­op­po­sition in der Bun­des­re­publik vor 50 Jahren und deren kei­nes­falls belanglos gewordene Texte und Ideen zu erinnern

In 25 Kapiteln stellt Han­loser vor, was und wer damals dis­ku­tiert wurde, dar­unter Mao, Marx, Lenin, Che Guevara. Die linke Lite­ra­tur­liste war damals jeden­falls viel umfang­reicher als sie heute ist. Ernst Bloch stand ebenso darauf wie der linke Psy­cho­ana­ly­tiker Wilhelm Reich und der Kolo­nia­lis­mus­kri­tiker Franz Fanon. Einen wich­tigen Stel­lenwert nahmen natürlich die Theo­re­tiker der Frank­furter Schule ein, durch deren Brille junge Linke Mitte der 1960er-Jahre Marx ent­deckten und stu­dierten. Han­loser lässt nicht uner­wähnt, wie ent­täuscht viele waren, als sich Theodor W. Adorno und Max Hork­heimer gegen die Revolte wandten. Herbert Marcuse hin­gegen, der innerhalb der Frank­furter Schule eine Son­der­stellung einnahm, unter­stützte die Neue Linke vor­be­haltslos. Erfreulich ist, dass Han­loser auch auf heute weniger bekannte Theo­re­tiker wie Karl Korsch und Johannes Agnoli eingeht, die zeit­weise eben­falls viel gelesen wurden.

Der Femi­nismus wurde damals geboren, Simone de Beauvoir und Alex­andra Kol­lontai standen hoch im Kurs, aller­dings auch die poli­tisch frag­würdige Valerie Solanas, die in einem Manifest zur Ver­nichtung aller Männer aufrief und diesen Vorsatz mit einem Attentat auf Andy Warhol gar in die Tat umsetzen wollte. Die spätere Wende des Femi­nismus zur Gen­der­kritik bewertet Han­loser kri­tisch: »Dieser Femi­nismus scheint trieb­bio­logie- und natur­ver­gessen zu sein und trachtet, alles in Dis­kurse auf­zu­lösen.«

Ein Kapitel widmet sich der Rezeption des Mao­ismus in der Neuen Linken. Heute werden zumeist die damals ent­stan­denen kom­mu­nis­ti­schen Klein­gruppen als abschre­ckende Bei­spiele ange­führt. Der von Han­loser beleuchtete Anar­cho­mao­ismus ist hin­gegen kaum mehr bekannt. Er bezog sich auf das herr­schafts­kri­tische Potenzial, das in den kul­tur­re­vo­lu­tio­nären Ele­menten des Mao­ismus und der Parole »Bom­bar­diert das Haupt­quartier« ent­halten war. Der Autor ist ein scharfer Kri­tiker der auto­ri­tären Linken, zu der sich einige der 68er-Akti­visten ent­wi­ckelt haben. Genau so scharf kri­ti­siert er die Spon­ti­be­wegung mit ihrem Unmit­tel­bar­keitskult und ihrem Anti­in­tel­lek­tua­lismus. Viele von ihnen gehörten später zu den füh­renden Realos bei den Grünen.

In ihrer Kritik an Sta­li­nisten und Spontis sind sich Han­loser und Ulrike Heider einig. Letztere war Haus­be­set­zerin in Frankfurt am Main, wo sie 1968 ihr Ger­ma­nis­tik­studium begonnen hat. In einem kurzen Interview mit Han­loser betont sie die wichtige Rolle, die Lesen und die Beschäf­tigung mit Theorie in ihrem Freundes- und Bekann­ten­kreis spielte. Raub­drucke waren damals eine beliebte Mög­lichkeit, kos­ten­günstig an gefragte Autoren zu gelangen. Erst viel später wurden linke Autoren auch in großen Ver­lagen auf­gelegt.

Ulrike Heider hat selbst einen Erleb­nis­be­richt vor­gelegt, in dem sie ihre Poli­ti­sierung in der APO beschreibt, die für sie Auf­bruch und Befreiung bedeutete. Sie lehnt es vehement ab, die dama­ligen Kämpfe als eine Kette von Fehlern, Irr­tümern, Illu­sionen zu cha­rak­te­ri­sieren. Dabei ver­klärt die Autorin jene Zeit kei­neswegs. Sie selbst saß oft zwi­schen allen Stühlen, kri­ti­sierte den Kon­for­mismus der einen und den Grup­pen­zwang der anderen. Auch die Gurus der selbst ernannten Anti­au­to­ri­tären, deren Toleranz auf Grenzen stieß, wenn es um die Ver­tei­digung der eigenen Macht­po­si­tionen ging, werden von Ulrike Heider witzig und treffend demas­kiert. Einer von ihnen wurde später Außen­mi­nister und war für den NATO-Krieg gegen Jugo­slawien mit­ver­ant­wortlich: Joseph »Joschka« Fischer.

Ulrike Heider erlaubte sich, auch mal Urlaub vom linken Frank­furter Milieu zu machen und unternahm längere Reisen in die USA. Auch die dortige anar­chis­tische Linke wird von ihr der Kritik unter­zogen. Der Schluss ist mär­chenhaft. Ulrike Heider ver­steckt einen Laptop in ihrer Wohnung vor mög­lichen Ein­bre­chern, als es diese Geräte noch nicht gegeben hat. Egal, die Bücher von Han­loser und Heider ergänzen sich famos.

• Gerhard Han­loser: Lektüre und Revolte. Eine Text­sammlung der 68er Fun­da­men­tal­op­po­sition.
Unrast, 165 S., br., 9,80 €
• Ulrike Heider: Keine Ruhe nach dem Sturm.
Bertz + Fischer, 305 S., geb., 18 €

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Peter Nowak

40 Jahre nach Entebbe

Eine Flug­zeug­ent­führung unter deut­scher Betei­ligung und die Frage nach dem Ver­halten deut­scher Linker

In Israel hat der 27.Juni 1976 eine große Beachtung gefunden. Die Ent­führung eines Flug­zeugs, das auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris war, durch ein mul­ti­na­tio­nales Gue­ril­la­kom­mando ist auch nach 40 Jahren nicht vergessen[1].

Über­le­bende und ihre Ange­hö­rigen kommen ebenso zu Wort wie…
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