Mietenproteste gegen Verdrängung in ganz Berlin

Gegen die Stadt der Reichen

Am 6. April werden in vielen Städten Deutsch­lands Mieter/​innen gegen Ver­drängung und hohe Mieten auf die Straße zu gehen. Doch in Berlin gibt es bereits seit dem 27. März täglich in den unter­schied­lichen Stadt­teilen Pro­teste gegen die Akteure der Ver­drängung. Der Auftakt dieser Mie­ten­ak­ti­onstage war…

…ein künst­le­ri­scher Protest der „Hai-Society“ mit den ent­spre­chenden Masken am 27. März vor dem dbb-Forum in der Fried­rich­straße, als sich dort zeit­gleich die Spitzen der Ber­liner Immo­bi­li­en­wirt­schaft getroffen haben. Die Aktion stand in der Tra­dition der Polit­sa­ti­re­gruppe „Büro für Unge­wöhn­liche Maß­nahmen“ im West­berlin der 1980er Jahre. Einer der dama­ligen Prot­ago­nisten Kurt Jotter war auch an dem Mas­ken­protest am 27. März beteiligt. In den fol­genden Tagen fanden weitere Pro­teste gegen hohe Mieten. Manche Mieter/​innen ver­ab­re­deten sich zum gemein­samen Malen von Pro­test­schildern oder –trans­pa­renten. 

Pears Global – unbe­kannter Akteur der Ver­drängung
Aber auch Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tungen werden ange­boten. So infor­miert eine Recher­che­gruppe am 4.April in der Neu­köllner Kiez­kneipe »Syn­dikat« in der Wei­se­straße 56 über die Pears-Global, einen noch unbe­kannten Akteur im Ber­liner Immo­bi­li­en­ge­schäft. Das von 3 Brüdern, die zu den reichsten Männern in Groß­bri­tannien gehören, geführte Fami­li­en­geflecht hat unter anderem das Haus gekauft, in dem das »Syn­dikat« sein Domizil hat und der Kneipe gekündigt. Auch in der Sama­ri­ter­straße im Fried­richs­hainer Nordkiez besitzt die Pears Global Häuser. In einem befindet sich der Blu­men­laden »Pus­te­blume«. Die Besit­zerin hat noch immer keinen neuen Vertrag und muss um den Ver­bleib bangen. Das wird eines der Themen des Kiez­spa­zier­ganges zu Orten der Ver­drängung und Ver­treibung, der am 5. April um 18 Uhr an der Samaritastraße/​Ecke Rigaer Straße beginnt. Dort ist die Ver­drängung gleich an zwei Zahlen ablesbar. Mieter/​innen des Eck­hauses Sama­ri­ter­straße 8 haben Trans­pa­rente aus den Fenstern ihrer Woh­nungen gehängt, auf denen zu lesen ist: „Miete alt 707 Euro, Miete Neu: 1700 Euro.“ Dort ist die Fortis Group für die dro­hende Ver­drei­fa­chung der Miete ver­ant­wortlich. Ein wich­tiger Akteur der Ver­drängung in Nordkiez ist die CG-Gruppe, die in der Rigaer Straße 71–73 Nobel­woh­nungen bauen will. Seit meh­reren Jahren pro­tes­tieren Bewohner/​innen dagegen, unter anderem wegen der vom Besitzer der CG-Gruppe Christoph Gröner offen pro­pa­gierten Umwandlung ganzer Stadt­teile. 

 
Aufruf gegen die Stadt der Reichen
„Dies ist ein Aufruf sich zu orga­ni­sieren, rebel­lische Nach­bar­schaften und soli­da­rische Struk­turen zu bilden“, heißt es im Aufruf des Inter­kiezio­nalen Blocks, in dem sich bedrohte Pro­jekte an der Mie­tendemo am 6.April betei­ligen. Im Fried­richs­hainer Nordkiez orga­ni­sieren von Ver­drängung bedrohte Haus­pro­jekte und Mieter/​innen am Samstag um 13 Uhr ein Vor­treffen am soge­nannten Dorf­platz, an dem sich die Rigaer Straße und die Lie­big­straße kreuzen. In Absprache mit der Demons­tra­ti­ons­leitung wollen sie sich an der Kreuzung War­schauer Straße/​Ecke Frank­furter Allee der Mie­tendemo anschließen, die um 12 Uhr am Alex­an­der­platz beginnt. Sie endet vor der Arena in Treptow, wo zeit­gleich die Messe der Ber­liner Immo­bi­li­en­wirt­schaft statt­findet. „Auch in Treptow hat die Ver­drängung von Men­schen mit geringen Ein­kommen schon lange statt­ge­funden. Nachdem in »Bau­grup­pen­messen« orga­ni­sierte Architekt*innen ihr Kli­entel zusam­men­sam­melten, haben sie den eher kleinen Stadtteil mit mehr als 10 Bau­gruppen zuge­ballert. In Folge dessen wurde der Prozess der Ver­drängung durch Auf­wertung, stei­gende Grund­stücks­preise und stei­gende Mieten seit 2009 ange­heizt“, heißt es in einem Text von Bewohner/​innen. Sie ver­weisen auf den Doku­men­tarfilm „Ver­drängung hat viele Gesichter“, der die Opfer und Nutz­nie­ße­rinnen von Gen­tri­fi­zierung am Bei­spiel Treptows zeigt. Er kann kos­tenlos unter (https://​archive​.org/​d​e​t​a​i​l​s​/​v​e​r​d​r​a​e​n​g​u​n​g​-​h​a​t​-​v​i​e​l​e​-​g​e​s​i​c​h​t​e​r​-film) ange­sehen werden. 

Peter Nowak