Sturm der Entrüstung

Die US-ame­ri­ka­nische Über­setzung des Buches »Kom­mu­nismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird« von Bini Adamczak hat einen Shit­storm aus­gelöst.

Eigentlich ist eine große Medi­en­re­sonanz der Wunsch jedes Autors, der ein Buch schreibt. Doch die Ber­liner Autorin Bini Adamczak hätte auf den Shit­storm gerne ver­zichtet, den die US-ame­ri­ka­nische Ausgabe ihres bereits 2004 im liber­tären ­Unrast-Verlag erschienen Buches »Kom­mu­nismus – Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird« in den USA aus­gelöst hat. Nachdem MIT-Press, der Verlag der US-ame­ri­ka­ni­schen Uni­ver­sität Mas­sa­chu­setts Institute of Tech­nology, das Buch unter dem Titel »Com­munism for Kids« ver­öf­fent­licht hatte, begann die rechte Kam­pagne. Kon­ser­vative und rechte Medien wie Breitbart, The National Review und The Ame­rican Con­ser­vative echauf­fierten sich über ein Buch, das angeblich Kinder indok­tri­nieren will. Die meisten Kri­tiker hatten wohl nicht mehr als den Titel und den Klap­pentext gelesen. Denn es handelt sich nicht um ein Kin­derbuch. Außerdem wird in dem Buch wie in allen Texten von Bini Adamczak allen auto­ri­tären Vari­anten des Sozia­lismus eine klare Absage erteilt. Die Wis­sen­schaft­lerin setzt sich mit den Opfern des Sta­li­nismus aus­ein­ander und stellt sich die Frage, wie im Wissen um diese Ver­brechen ein anti­au­to­ri­tärer Kom­mu­nismus möglich ist.

»Hey Kids, How Cool Is Com­munism« lautet die Über­schrift auf der Website The Daily Beast über einem het­ze­ri­schen Artikel, in dem Adamczak mit Hitler ver­glichen wird. »Etwas muss ­geschehen; andern­falls könnten Eltern ent­decken, dass Ideo­logen vom Schlage Adamzcaks, wie Hitler, die Kinder bereits auf ihre Seite gezogen haben« (im Ori­ginal: already have the children), heißt es in dem Text. In einigen rechten Pos­tillen will man das Buch sogar ver­brennen. Neben Adamczak erhielt auch der Verlag MIT-Press Hass­mails und Dro­hungen. Doch der Verlag steht zu seiner Autorin und ver­teidigt die Publi­kation als Bei­trag zur Dis­kussion. Der Lite­ra­tur­pro­fessor Fredric R. Jameson betont, dass Adamczaks Buch hilf­reich sei in einer Zeit, in der viele Men­schen nach neuen Formen von Leben und Zusam­men­leben suchten.

Adamczak äußerte sich im Gespräch mit der Jungle World über­rascht über das Ausmaß des Anti­kom­mu­nismus in den USA, der durchaus Züge des McCar­thy­ismus trage. Sie sieht einen deut­lichen Zusam­menhang mit dem Rechts­po­pu­lismus Donald Trumps. Jetzt könne die Linke wieder stärker ins Visier geraten, ver­mutet Adamczak. Ob sie in den USA Gele­genheit hat, über ihr Buch zu dis­ku­tieren, ist noch ungewiss. Nach dem Shit­storm könnte ihr ein Ein­rei­se­verbot in die USA drohen. Bereits 2010 wurde Gabriel Kuhn, der seit langem in der anar­chis­ti­schen Bewegung aktiv ist und dazu publi­ziert hat, ohne Begründung die Ein­reise in die USA ver­weigert.
USA

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Peter Nowak


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