Ulrike Heider: Der Schwule und der Spießer. Provokation, Sex und Poesie in der Schwulenbewegung. Männerschwarm-Verlag, Berlin 2019. 256 Seiten, 18 EUR.

Schwulenbewegung

Ulrike Heider schreibt über das kurze Leben des Albert Lörken. Es ist gleich­zeitig eine Geschichte der Schwu­len­be­wegung der BRD der 1970er Jahre.

»Bau­ernsohn und einer der Mit­be­gründer der neuen Schwu­len­be­wegung, Dichter und Rezi­tator. Stirbt in seinem Hei­matdorf an AIDS, behandelt mit fal­schen Medi­ka­menten, weil dort keiner wissen soll, dass er schwul ist.« Diese wenigen Zeilen findet man in einem Online­le­xikon über Albert Lörken. Jetzt erzählt die Schrift­stel­lerin Ulrike Heider das kurze Leben des .…

.…. Albert Lörken im Kontext der Geschichte der west­deut­schen Schwu­len­be­wegung der 1970er Jahre. Es ist ein sehr sub­jek­tives Buch. Das wird gleich auf den ersten Seiten deutlich, wo Heider die erste Begegnung mit Lörken an einem Badesee in Frankfurt am Main beschreibt. »Als Ein­ziger, so schien es mir, genoss der Sze­nen­euling das Nacktsein. Ob das an seinem per­fekten Äußeren lag, über­legte ich, einem Körper, der dem klas­si­schen wie dem barocken Schön­heits­ideal ent­sprach, der Kna­ben­haftes mit Ath­le­ti­schem verband und der Traum eines Tänzers wie eines Sportlers gewesen wäre.« Der schwär­me­rische Ton deutet die lange Freund­schaft zwi­schen Heider und Lörken an, die 20 Jahre hält. Das Buch endet mit dem 5. Juni 1992, an dem Lörken auf dem Friedhof seiner Hei­mat­ge­meinde Maria­weiler bei Düren beerdigt wird. Dazwi­schen gelingt es Heider auf 250 Seiten, eine kurze Geschichte der Schwu­len­be­wegung nach­zu­zeichnen. In einem Kapitel beschreibt sie, welche Angst die ersten Nach­richten über AIDS in der schwulen Szene aus­lösten, und erinnert an die Ver­suche kon­ser­va­tiver Politiker*innen, die Schwu­len­be­wegung zu kri­mi­na­li­sieren.

Peter Nowak

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort:
https://www.akweb.de/ak_s/ak657/09.htm