Einladung zur Diskussion

Subjektive Geschichte der griechischen Stadtguerilla

Dimitris Kou­fon­tinas: Geboren am 17. November. Eine Geschichte der grie­chi­schen Stadt­gue­rilla. Bahoe Books, Wien 2018. 281 Seiten, 15 EUR

Dimitris Kou­fon­tinas war der Gründer der Bewegung 17. November, einer kom­mu­nis­ti­schen Gue­rilla in Grie­chenland. Über Jahre übernahm sie für viele Anschläge die Ver­ant­wortung, ohne dass die Ermitt­lungs­be­hörden ihr auf die Spur kamen. Bis zum 29. Juni 2002. An diesem Tag wurde Savvas Xiros lebens­ge­fährlich ver­letzt, als er.…

.… aus Soli­da­rität mit strei­kenden Hafenarbeiter*innen im Hafen­ge­lände von Athen eine Bombe plat­zieren wollte. Er wurde unter schwere Medi­ka­mente gesetzt und verhört, so dass die Ermitt­lungs­be­hörden an Namen und Struk­turen der Orga­ni­sation kamen. Kou­fon­tinas konnte dann unter­tauchen und beob­achtete, wie immer mehr Grup­pen­mit­glieder ver­haftet wurden, Aus­sagen machten und sich von der Gruppe distan­zierten. Das war der Grund für ihn, sich der Justiz zu stellen und die poli­tische Ver­ant­wortung zu über­nehmen. Mit dem Buch legt er einen poli­ti­schen Rechen­schafts­be­richt ab, der auch Leser*innen beein­druckt, die mit den poli­ti­schen Prä­missen des Schreibers nicht über­ein­stimmen. Kou­fon­tinas gibt einen sub­jek­tiven Rück­blick auf seine poli­tische Sozia­li­sation. Der 1968er Auf­bruch kul­mi­niert in Grie­chenland in dem blutig nie­der­ge­schla­genen Auf­stand an der Athener Uni­ver­sität am 17. November 1973. Das Datum gab der Gue­ril­la­gruppe ihren Namen. Das Buch sollte als Ein­ladung zur kri­ti­schen Debatte ver­standen werden in einer Zeit, in der selbst in sich links ver­ste­henden Medien der Ter­ro­ris­mus­be­griff gegenüber mili­tanten Linken oft kri­tiklos ver­wendet wird.

Peter Nowak

Dimitris Kou­fon­tinas: Geboren am 17. November. Eine Geschichte der grie­chi­schen Stadt­gue­rilla. Bahoe Books, Wien 2018. 281 Seiten, 15 EUR.

Erst­ver­öf­fent­li­chungsort:
https://www.akweb.de/ak_s/ak650/04.htm