Zurück in die Gegenwart

Von 1984 bis 1987 kämpften Rainer Knirsch, Hans Köbrich und Peter Vollmer gegen ihre Ent­lassung. Das Management des BMW-Motor­rad­werks in Berlin Spandau wollte die drei kämp­fe­ri­schen Betriebsräte los­werden, weil sie sich dem Kuschelkurs mit dem Unter­nehmen ver­wei­gerten. Zuvor hatte BMW die Betriebs­ratswahl in dem Werk massiv mani­pu­liert und eine von ihnen gespon­serte »Liste der Ver­nunft« instal­liert. Weil die drei abge­wählten Betriebsräte dagegen klagten, wurden sie gekündigt. Wenn sie in einer Instanz gewannen, schoben die Manager gleich die nächste Kün­digung nach. Gleich­zeitig insze­nierte die unter­neh­mer­freund­liche Betriebs­rats­gruppe Mit­ar­bei­ter­ver­samm­lungen, bei denen die Ent­las­senen als rote Ideo­logen dif­fa­miert wurden, die die Arbeits­plätze der Kol­legen gefährden würden.

Drei Jahre konnten Knirsch, Köbrich und Vollmer das Werk nicht betreten, dann geschah das Uner­wartete: Sie siegten vor Gericht und mussten wieder ein­ge­stellt werden. Andern­falls hätte dem BMW-Vor­stands­vor­sit­zenden ein Zwangsgeld von 100 000 DM gedroht. Auch die mani­pu­lierte Betriebs­ratswahl musste wie­derholt werden und die kämp­fe­ri­schen Betriebsräte gewannen mit großem Vor­sprung. Ent­scheidend für den Erfolg war ein Soli­da­ri­täts­ko­mitee, das von dem Ber­liner Poli­to­logen Bodo Zeuner geleitet wurde. Es machte den Fall »BMW-Berlin« zu einem Thema, das die Öffent­lichkeit inter­es­sierte. Spä­testens nach ihrem Sieg gegen den Welt­konzern waren die drei Betriebsräte über West­berlin hinaus bekannt. Im Gegensatz zur IG Metall im Bund hielt sich die Ber­liner Gewerk­schafts­glie­derung damals mit der Unter­stützung zurück. So schloss sie bei­spiels­weise die unter­neh­mer­freund­lichen Betriebsräte nicht aus, die Unter­schriften gegen die Wie­der­ein­stellung der drei Kol­legen sam­melten und sogar mit Streiks drohten.

Jetzt hat der Verlag »Die Buch­ma­cherei« diese außer­ge­wöhn­liche Geschichte noch einmal doku­men­tiert. Die zwei von den Unter­stützern einst erstellten Bro­schüren lesen sich dabei noch heute erstaunlich aktuell. Das Vorwort des Buches bringt auf den Punkt, warum: Die Geschichte mar­kiere die Anfänge des »Union Busting« in Berlin, heißt es da, und sie zeige, dass und wie es möglich ist, sich dem mit Erfolg zu wider­setzen.Peter Nowak

Frank Steger (Hg.): Macht und Recht im Betrieb. Der Fall BMW-Berlin, Die Buch­ma­cherei 2014, 352 S., 14,95 Euro. Am 16.3. stellt einer der betrof­fenen Betriebsräte das Buch in Berlin-Kreuzberg vor

http://​www​.neues​-deutschland​.de/​a​r​t​i​k​e​l​/​9​6​4​6​5​3​.​m​o​b​b​i​n​g​-​v​o​n​-​g​a​n​z​-​o​b​e​n​.html

Peter Nowak