Alles immer selber machen


Bro­schüre zu Geschichte und Prin­zipien der Wob­blies

Immer häu­figer mischen neben dem DGB auch Basis­ge­werk­schaften bei Arbeits­kon­flikten mit. Die aus der Tra­dition des Anar­cho­syn­di­ka­lismus kom­mende Freie Arbeiter Union (FAU) hat in den letzten Jahren mehrere Arbeits­kämpfe geführt. In einigen deut­schen Städten haben sich mitt­ler­weile Orts­gruppen der Indus­trial Workers oft the World (IWW) gegründet. In einem Call­center in Rostock ist die IWW-Gruppe mitt­ler­weile genauso stark wie die ver.di-Gruppe und beteiligt sich an der Gründung eines Betriebs­rates. Damit wird auch in Deutschland  an eine sehr tra­di­ti­ons­reiche Gewerk­schaft ange­knüpft. Die IWW war unter den Namen Wob­blies vor knapp 100 Jahren eine kämp­fe­rische Gewerk­schafts­be­wegung in den USA, die mit einer mas­siven Repres­si­ons­welle in die Defensive gedrängt, aber nie ganz zer­schlagen werden konnte. In den letzten Jahren haben sich in den USA, Groß­bri­tannien und Spanien wieder Gewerk­schaft­le­rInnen auf die Orga­ni­sa­ti­ons­grund­sätze der IWW berufen.

Jetzt hat die IWW unter dem Titel „Direct Unionism“ die deutsche Über­setzung einer 58-sei­tigen Bro­schüre vor­gelegt, in der sie einige Grund­sätze ihrer Gewerk­schafts­arbeit zur Dis­kussion stellt: „Kurz zusam­men­ge­fasst schlagen wir vor, dass Mit­glieder der IWW daran arbeiten sollen, Netz­werke von Akti­visten in den Indus­trien [gemeint: Branchen; d. Red.] auf­zu­bauen, in denen sie arbeiten, statt auf Tarif­ver­träge, Gewerk­schafts­wahlen und recht­liche Aus­ein­an­der­set­zungen zu zielen“ (S. 6).So wird das Konzept des Direct Uniosm zusam­men­ge­fasst. Gewerk­schafts­bü­ro­kratien werden ebenso abge­lehnt wie eine Ver­recht­li­chung von Arbeits­kon­flikten kri­tisch gesehen wird. Doch wenn es in der Bro­schüre auf Seite 13 apo­dik­tisch über den Direct Unionism heißt: „Es werden keine Büro­kra­tInnen, keine Offi­zi­ellen und keine Anwäl­tInnen gebraucht“ (S. 13), bleiben viele Fragen offen, ein­schließlich der Frage des Kräf­te­ver­hält­nisses . In den Text fließen die Erfah­rungen aus den Orga­ni­sie­rungs­pro­zessen der letzten Jahre ein. So gibt es immer wieder Bezüge zu den Arbeits­kämpfen bei Star­bucks in den USA, bei McDo­nalds in Schottland und den Puerto Real Werften in Spanien. Dabei wird deutlich, dass die IWW durchaus prag­ma­tisch an die Gewerk­schafts­arbeit her­angeht. So widmet sich ein Kapitel der Bro­schüre der Frage, wie eine der Basis­de­mo­kratie ver­pflichtete Gewerk­schaft reagieren soll, wenn die Mehrheit der strei­kenden Kol­le­gInnen einen Tarif­vertrag ein­fordert. „Wenn sie einen Lohn zum Über­leben, anständige Vor­teile und tole­rable Arbeits­be­din­gungen erreicht haben, sind ver­ständ­li­cher­weise viele Arbei­te­rInnen darum besorgt, dass diese Erfolge auch sicher geschützt sind. Ver­träge bieten eine Mög­lichkeit“ (S. 30).

Auch Nie­der­lagen werden dabei benannt und mit Selbst­kritik wird nicht gespart. Das ist ein großer Plus­punkt der Bro­schüre. Sie ist ein Angebot, über ein in Deutschland noch wenig bekanntes Gewerk­schafts­konzept zu dis­ku­tieren. Es sollte ange­nommen werden.

Der kom­plette Text kann online gelesen und her­un­ter­ge­laden werden:

http://​tinyurl​.com/​d​i​r​e​c​t​-​u​n​i​onism

Bestell­mög­lich­keiten der Print­ausgabe gibt es über: versand@​wobblies.​de

aus:

express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Peter Nowak