Ein Gespräch mit Susanne W., einer Mitgründerin der Watchgroup »Coview19«

»Protest muss möglich sein«

Die Watch­group »Coview19« (coview​.info) hat das Ziel, einen soli­da­ri­schen Umgang mit der Coro­na­krise zu finden und wendet sich gegen die Ein­schränkung der Grund­rechte und gegen den auto­ri­tären Staat.

Was ist das Ziel von Coview19?.…

.…. Anfang März gab es ein erstes Treffen. Damals wurde gerade das Ver­an­stal­tungs­verbot in Öster­reich bekannt­ge­geben und den ersten däm­merte, welche harten Maß­nahmen wohl in den fol­genden Wochen ver­kündet würden. Daraus ist die Idee einer Watch­group ent­standen, da solche starken Ein­griffe der Regierung leider auch meist mit starker Repression und Macht­miss­brauch ein­her­gehen. Innerhalb kür­zester Zeit ist genau das ein­ge­treten. Immer mehr Men­schen wollten nicht tatenlos in der Aus­gangs­sperre ver­harren, sondern aktiv Grund­rechte und Gerech­tigkeit ein­fordern und auf die gesell­schaft­lichen Aus­wir­kungen der Krise reagieren.

Wie war die Resonanz auf Ihren Aufruf?

Erstaunlich groß. Es melden sich täglich Men­schen, die uns von Repression, Miss­ständen oder besorg­nis­er­re­genden Ent­wick­lungen schreiben oder sich direkt in die Arbeit von Coview19 ein­bringen möchten. Es sind vor allem Leute aus Öster­reich, Deutschland und der Schweiz, aber, und das ist uns ein Anliegen: Was hier gerade poli­tisch pas­siert, betrifft alle. Wir ver­stehen uns daher als trans­na­tionale Initiative, wir beob­achten die aktu­ellen Ent­wick­lungen.

Haben Sie Kon­takte in andere Länder?

Derzeit gibt es einige Kon­takte zu Initia­tiven und Per­sonen, die ähn­liche Ziele ver­folgen oder sich direkt bei Coview19 enga­gieren. Wir arbeiten daran, unsere Texte in mög­lichst viele andere Sprachen zu über­setzen – gerade bei den Pla­katen mit den zen­tralen For­de­rungen ist das sehr schnell gelungen.

Sie haben geschrieben, dass Sie für die Gesundheit nötige Ein­schrän­kungen im öffent­lichen Leben begrüßen. Sie wenden sich aber auch gegen die Ein­schränkung des Demons­tra­ti­ons­rechts in Zeiten der Coro­na­krise. Ist das nicht ein Wider­spruch?

Poli­ti­scher Protest muss trotz not­wen­diger Ein­schrän­kungen möglich sein, das ist unsere Über­zeugung. Um zu erkennen, wie relevant das Virus ist und wie viele Men­schen es betrifft, braucht es keinen auto­ri­tären Staat und keine Polizei zur Umsetzung und Bestrafung. Es braucht Eigen­ver­ant­wortung und gute Infor­ma­tionen. Es darf nie pas­sieren, dass Kund­ge­bungen und Demons­tra­tionen grund­sätzlich ver­boten werden – derzeit sogar solche, bei denen Teil­neh­me­rinnen und Teil­nehmer Sicher­heits­ab­stand ein­halten und Mund­schutz tragen. Sogar das Mit­tragen poli­ti­scher Bot­schaften während Spa­zier­gängen ist untersagt.

Welche Rolle spielen gewerk­schaft­liche und soziale Fragen in der Coro­na­krise?

Eine sehr große Rolle. In den ver­gan­genen Wochen haben Mil­lionen von Men­schen ihre Arbeit ver­loren, überall auf der Welt. Prekär Beschäf­tigte hat es sofort und am här­testen getroffen. Ohne gewerk­schaft­liche Unter­stützung oder Orga­ni­sation wurde ihnen der Boden unter den Füßen weg­ge­rissen. Die Absur­dität der ungleichen Ver­teilung wird in der jet­zigen Zuspitzung der Krise noch offen­sicht­licher. Beschäf­tigte in Branchen ohne ein­fluss­reiche Lobby werden rei­hen­weise fal­len­ge­lassen. Wir hören immer wieder von Arbeit­gebern, die ihre Beschäf­tigten zur Kün­digung drängen, bei­spiels­weise in der Gas­tro­nomie. Pfle­gende in der 24-Stunden-Betreuung werden hoher Gefährdung aus­ge­setzt, bei ihrer Anreise aus ost­eu­ro­päi­schen Ländern teil­weise kri­mi­na­li­siert und haben keine wohl­fahrts­staat­liche Absi­cherung. Interview:Peter Nowak

Homepage: https://​coview​.info