Flashmob gegen Verdrängung

RIGAER STRASSE CG-Gruppe plant Luxusbau. Anwohner fordern Bau­stopp

30 Uhr lief am ver­gan­genem Mitt­woch­abend nichts mehr auf der Frank­furter Allee. Circa 50 Per­sonen besetzten die Fahrbahn an der Kreuzung zur Vogtstraße. Viele Pas­san­tInnen zückten ihr Handy. Die Auto fah­re­rInnen war­teten geduldig, nur wenige hupten. Als die Polizei anrückte, beenden die Ak- tivis­tInnen die Aktion und ver- schwanden in alle Rich­tungen.
Auf großen Trans­pa­renten hatten sie Auto­fah­re­rInnen und Pas­san­tInnen über ihre Anliegen infor­miert. „Bau­stopp Lu- xusbau CG Gruppe, „Men­schen vor Profite“, „Ver­drängung ver­hindern“ und „Wer hier kauft, kauft Ärger“ lau­teten die Paro- len. Die Aktion richtete sich gegen die Pläne der CG-Gruppe, auf dem Grund­stück der Rigaer Straße 71–73 einen Nobelbau zu errichten. Dagegen wehren sich seit mehr als einem Jahr An-
woh­ne­rInnen im Fried­richs­hainer Nordkiez, weil sie eine Ver­drängung befürchten. „Dass ein mil­lio­nen­schwerer Investor unbe­ein­druckt von den Pro­testen sein Projekt durch­ziehen will, hat die Wut erhöht“, erklärt eine Nach­barin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.
“ Gegen die Sperrung der Straße wollen mehrere Gewer­be­trei­bende und Anwoh­ne­rInnen im Same­ri­terkiez auch juris­tisch vor­gehen. Sie sehen darin eine unzu­mutbare Beein­träch­tigung.
Der Unmut im Kiez ist gewachsen, nachdem am 1. August an der Bau­stelle die gesamte Rigaer Straße für 18 Monate gesperrt wurde (taz berichtete). „Die Men­schen sind wütend und wollen sich wehren“, sagt Gudrun Gut von der Akti­ons­gruppe Rigaer Straße 71– 73, die seit dem 19. Januar täglich um ein 19 Uhr vor der Bau­stelle auf Pfannen und Töpfen schlägt. „Manchmal waren wir zu zweit oder zu dritt. Doch seit der Stra­ßen­sperrung
kommen bis zu 30 Men­schen zum Scheppern gegen die CG-Gruppe.
Die Stra­ßen­sperrung sorgt auch für Streit unter den Par­teien im Ber­liner Senat. Canan Bayram von den Grünen kri­ti­siert den Fried­richs­hainer Bezirks­stadtrat für Wirt­schaft, Schule und Sport Andy Hemke. Es habe einen Beschluss der BVV-Fried­richshain-Kreuzberg gegeben, das Gelände der Rigaer Straße 71–73 als Schul­standort aus­zu­weisen. Statt­dessen lässt er für die CG-Gruppe die Straße sperren, kri­ti­siert Bayram. Die Akti­ons­gruppe will auch in der nächsten Zeit unab­hängig von allen Par­teien ihren Unmut ar- tiku­lieren. Weitere Flashmobs sind nicht aus­ge­schlossen.

aus: taz
PETER NOWAK