Trend-Gründer Karl-Heinz Schubert blickt zurück

Berlin: Vor 30 Jahren erschien erstmals die »Trend«-Onlinezeitung

Die Onlinezeitung half bei der Organisation von zahlreichen Veranstaltungen und Kongressen, auch mit bundesweiter Beteiligung. Rund 120 Termine hat Schubert in den letzten 25 Jahren zusammengezählt. Doch es gab wie bei fast allen linken Projekten auch Brüche. Gerade die Kombination von linker Medienarbeit im Internet und der Organisation von linken Debatten im realen Leben war ein Markenkern von »Trend«, den Schubert auch weiterhin für unverzichtbar hält.

In einer Zeit, in der Printmedien ums Überleben kämpfen, ist es kaum vorstellbar, dass man vor gerade mal 30 Jahren mitleidig belächelt wurde, wenn man ankündigte, dass eine Zeitung künftig nur noch im Internet zu lesen sein wird. Darüber berichtete Karl-Heinz Schubert kürzlich im Stadtteilladen Lunte in Neukölln. Er hat in dem Buch »Bündnisse und Wendepunkte« die 25-jährige Geschichte  …

der linken Onlinezeitung »Trend« aufgeschrieben, die der mittlerweile pensionierte Berufsschullehrer vor 30 Jahren mitgegründet hatte. Doch 1996 hielt es kaum jemand für möglich, dass die Zeitung im Internet überhaupt Beachtung finden würde. Schließlich war der Weg ins Digitale auch keine freiwillige Entscheidung, berichtete Schubert. Gegründet wurde sie von Kreuzberger Mitgliedern der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie gaben zunächst unter dem Namen »Trend« ein gedrucktes Heft heraus, das im Stil vieler linker Publikationen jener Jahre gehalten war. Weil sich die »Trend«-Macher*innen ihre politische Linie nicht vom Gewerkschaftsvorstand vorschreiben lassen wollten, ließ der Kreuzberger GEW-Vorstand eine »Trend«-Ausgabe einstampfen und strich der Redaktion die finanziellen Mittel.Doch die Autor*innen erkannten die Zeichen der Zeit. »Sie wollten weiter ein linkes Magazin machen und schloßen sich dem großen Treck in den Cyberspace an«, wie der Medientheoretiker Tilman Baumgärtel die Entscheidung im Online-Magazin »Telepolis« beschreibt. Dass sie damit bald tatsächlich im Trend lagen, merkten sie schnell. »Die ›Trend‹-Homepage sollte sich bald zur Veröffentlichungsplattform für linke und radikale Projekte und Einzelpersonen entwickeln«, sagte Mitgründer Schubert. Er betonte, dass es dabei nicht nur um die Verbreitung von Nachrichten ging. »Mit unseren Aktivitäten wollten wir eine Vernetzung der fragmentierten linken Milieus anbahnen, um zu zeigen, wie bestehende Zusammenhänge trotz vorhandener ideologischer Differenzen aufeinander zugehen«, beschreibt er das ambitionierte Projekt.

Die Onlinezeitung half bei der Organisation von zahlreichen Veranstaltungen und Kongressen, auch mit bundesweiter Beteiligung. Rund 120 Termine hat Schubert in den letzten 25 Jahren zusammengezählt. Doch es gab wie bei fast allen linken Projekten auch Brüche. Einige aus der Gründungsgeneration hatten sich im Laufe der Jahre von dem Projekt verabschiedet. Dafür beteiligten sich auch immer wieder junge Linke an den verschiedenen von »Trend« angestoßenen Projekten oder arbeiteten im Beirat mit, der die Veranstaltungen vorbereitete.

  • Seit 2008 arbeiteten die Macher*innen von »Trend« im Neuköllner Stadtteilladen Lunte mit. Dabei ging es nicht nur um einen Postkasten, betonte Schubert. »Die Lunte sollte der Ausgangspunkt für die antikapitalistische Stadtteilarbeit der Onlinezeitung sein.« Die sorgte mit Texten zur Stadtteilarbeit für Debatten. Doch ein Generationswechsel gelang nicht. Im Januar 2021 wurde daher die Online-Zeitung eingestellt. Für alle, die sich für linke Geschichte interessieren, ist ihr Archiv eine wahre Fundgrube. Schubert glaubt daher auch nicht, dass sich durch die digitale Revolution der letzten Jahre Formate wie »Trend-Online« überlebt haben. Gerade die Kombination von linker Medienarbeit im Internet und der Organisation von linken Debatten im realen Leben war ein Markenkern von »Trend«, den Schubert auch weiterhin für unverzichtbar hält. Peter Nowak
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