Tod einer Rentnerin

Im April 2013 starb die Ber­liner Rent­nerin Rose­marie Fließ, nachdem sie aus ihrer Wohnung zwangs­ge­räumt worden war. Zum zweiten Jah­restag ihres Todes hat Margit Englert unter dem Titel »Rose­marie F. Kein Skandal« im Müns­te­raner Verlag Edition Assem­blage ein Buch her­aus­ge­bracht, das sein im Unter­titel gege­benes Ver­sprechen, »Ein­blicke in den sozi­al­staatlich-immo­bi­li­en­wirt­schaft­lichen Komplex« zu liefern, voll­ständig einlöst. Die Autorin lernte Rose­marie Fließ im Ber­liner Bündnis Zwangs­räumung ver­hindern! kennen, wo die Rent­nerin Unter­stützung bei ihrem Kampf gegen die Räumung suchte. Zu den Treffen brachte sie auch die Unter­lagen und amt­lichen Doku­mente mit, die Grundlage des Buches geworden sind. Dabei ist Englert sehr sen­sibel mit den per­sön­lichen Daten der Rent­nerin umge­gangen. Schon im Vorwort macht sie deutlich, dass es in dem Buch nicht um das Leben der Rent­nerin geht, sondern um die Ver­hält­nisse, die zu ihrem Tod führten: »Denn es ist klar, was Rose­marie wider­fahren ist, ist kein Ein­zel­schicksal. Es geht in diesem Text also nicht darum, Rose­marie als einen beson­deren oder außer­ge­wöhn­lichen Men­schen her­aus­zu­stellen«. Anders als ein Großteil der Medien, die nach dem Tod der Rent­nerin die Ursachen im Ver­halten der Frau suchten, richtet Margit Englert den Fokus auf die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­wer­tungs­be­din­gungen, die Wohnraum zu einer Ware machen, und benennt die Profiteur_​innen und Verlierer_​innen.

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​0​6​/​1​5.htm

Peter Nowak

Rose­marie F. Kein Skandal. Ein­blicke in den sozi­al­staatlich-immo­bi­li­en­wirt­schaft­lichen Komplex. Edition Assem­blage, Münster 2015. 134 Seiten, 7,80 EUR.