Berliner Geschichte

»Keine Hun­de­steuer, keine Miets­ab­gaben, keine neuen Maschinen und im Tier­garten rauchen« – das waren die For­de­rungen einer Demons­tration im Juli 1830, die als Ber­liner Schnei­der­auf­stand in die Geschichte einging. Mit dieser sozialen Bewegung beginnt der His­to­riker Axel Weipert seine »Geschichte des Roten Berlin«. Es folgen der Kar­tof­fel­auf­stand am Mehring­platz 1847 und die Blu­men­stra­ßen­kra­walle gegen Zwangs­räu­mungen in Kreuzberg 1872, die vom Militär blutig unter­drückt wurden. Auch in der Wei­marer Zeit legt Weipert das Augenmerk auf die Geschichte sozialer Bewe­gungen. Die beginnt mit den Revo­lu­tio­nären Obleuten, den eigent­lichen Trägern der Novem­ber­re­vo­lution. Der Autor zeigt, wie die Räte­be­wegung von den Frei­korps blutig unter­drückt wurde, die im Auftrag der SPD die Revo­lution abwürgten. Wenig bekannt sind die starke Erwerbs­lo­sen­be­wegung in der Frühzeit der Wei­marer Republik und eine Schö­ne­berger Siedlung, die noch in der Früh­phase des Nazi­re­gimes als Rote Insel bekannt war. Weipert kon­zen­triert sich auf den Stadtteil und selbst­or­gan­sierte Kämpfe. Diese wurden in der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Presse oft mit Krawall in Ver­bindung gebracht, etwa die Demons­tra­tionen junger Erwerbs­loser 1892 oder die Pro­teste von Obdach­losen einige Jahre später. Es ist ver­dienstvoll, dass Weipert diese von den Par­teien und Gewerk­schaften oft igno­rierten oder gar dif­fa­mierten Kämpfe in seinem gut les­baren Buch einer grö­ßeren Öffent­lichkeit bekannt macht.

http://www.akweb.de//ak_s/ak590/03.htm

Peter Nowak

Axel Weipert: Das Rote Berlin. Eine Geschichte der Ber­liner Arbei­ter­be­wegung 1830 – 1934. Ber­liner Wis­sen­schafts­verlag, Berlin 2013. 251 Seiten, 29 EUR.


Kommentare sind geschlossen.