Arbeiter in Russland

»Dadurch, dass sich die Arbeiter an der Selbst­ver­waltung in den ein­zelnen Unter­nehmen betei­ligen, bereiten sie sich auf jene Zeit vor, wenn das Pri­vat­ei­gentum an Fabriken und Werken abge­schafft sein wird und die Pro­duk­ti­ons­mittel zusammen mit den Gebäuden, die auch von Arbei­terhand geschaffen wurden, in die Hände der Arbei­ter­klasse über­gehen.« So steht es in einem Pro­tokoll der Fabrik­ko­mitees der Putilow-Werke in Petersburg, dem spä­teren Leningrad. Die Beschäf­tigten des Maschi­nen­bau­kon­zerns spielten 1917 eine wichtige Rolle beim Sturz des Zaren und in der Zeit der Dop­pel­herr­schaft. Dass ein Teil dieser wich­tigen Zeug­nisse der Selbst­or­ga­ni­sation der Arbeiter_​innen jetzt erstmals auf Deutsch vor­liegt, ist der Ham­burger Rus­sisch­leh­rerin und Publi­zistin Anita Frie­detzky zu ver­danken. Ihre Über­setzung gibt Ein­blicke in eine Zeit, als die Arbeiter_​innen Geschichte schrieben. Der Ber­liner Verlag Die Buch­ma­cherei, der sich mit der Ver­öf­fent­li­chung von ver­ges­senen Doku­menten der Arbei­ter­be­wegung Ver­dienste erworben hat, hat die Pro­to­kolle her­aus­ge­geben und mit einen aus­führ­lichen Glossar ver­sehen. Der Schweizer Räte­kom­munist Rainer Thomann liefert einen aus­führ­lichen Ein­stieg in die Geschichte der Indus­tria­li­sierung und der Arbei­ter­be­wegung in Russland. So kommen zum 100. Revo­lu­ti­ons­ju­biläum auch die rus­si­schen Lohn­ab­hän­gigen zu Wort, die die Revo­lution gemacht haben und dann, wie so oft in der Geschichte, wieder in Ver­ges­senheit geraten sind.

Peter Nowak

Anita Frie­detzky und Rainer Thomann: Auf­stieg und Fall der Arbei­ter­macht in Russland. Die Buch­ma­cherei, Berlin 2018. 682 Seiten, 24 EUR.

aus: analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 640 / 21.8.2018

https://​www​.akweb​.de/​a​k​_​s​/​a​k​6​4​0​/​1​9.htm