Kollektiv Handel(n)

Union Coop: ein neuer Ver­trieb für Betriebe in Arbei­te­rInnen-Hand

Union Coop, 2017 offi­ziell gegründet, ist ein Versuch zur Orga­ni­sierung von Kol­lek­tiv­be­trieben, die einen basis­ge­werk­schaft­lichen Ansatz ver­folgen. Neben den Pro­dukten aus den betei­ligten Betrieben sollen in Zukunft auch ver­mehrt Gewerk­schafts­ma­te­rialien und Waren aus zurück­er­oberten Fabriken wie etwa Vio​.Me oder der Tee­beutel-Fabrik von Scop Ti (ehemals Lipton) ver­trieben werden.

Seit Kurzem können über die Union Coop Pro­dukte aus gewerk­schaftlich ori­en­tier­ten­Kol­lek­tiv­be­trieben gekauft werden. Peter Nowak sprach mit Hansi Oos­tinga von der Union Coop über das Konzept

Was ist die Union Coop?
Es ist ein Zusam­men­schluss von gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­trieben, die sich auf Grundlage einiger Prin­zipien zusam­men­ge­schlossen haben. So hat z.B. jedes Beleg­schafts­mit­glied in einem Union-Coop-Betrieb die gleichen Rechte bei Ent­schei­dungen.

Sind das nicht alte Ziele von Kol­lek­tiv­be­trieben?
Neu daran ist ver­mutlich, dass wir diese auf Grundlage ver­bind­licher Struk­turen und in Anbindung an eine breitere Gewerk­schafts­be­wegung umsetzen wollen Nicht in der Nische, sondern im Verbund mit anderen Kol­lek­tiv­be­trieben und der Basis-Gewerk­schaft FAU suchen wir soli­da­risch mit unseren Kol­le­ginnen und Kol­legen in Chef-Betrieben Ant­worten auf die viel­fäl­tigen Zumu­tungen der heu­tigen Wirt­schaftsform.


Nach welchen Kri­terien werden die Pro­dukte aus­ge­wählt, die dort ver­kauft werden?

Die Ver­mark­tungs­plattform „union coop // shop“ ist selbst ein Kol­lek­tiv­be­trieb, der als Projekt aus dem Zusam­men­schluss der gewerk­schaft­lichen Kol­lek­tiv­be­triebe ent­standen ist. Darüber sollen die Pro­dukte aus den Mit­glieds­be­trieben der Union Coop und ver­gleich­barer Pro­jekte aus dem Ausland sowie Gewerk­schafts­ma­te­rialien ver­trieben werden.

Welche Rolle spielen öko­lo­gische Kri­terien bei der Auswahl der Pro­dukte?
Dass wir relativ viele Bio-Pro­dukte im Sor­timent haben, ist eher ein Kol­la­te­ral­effekt der selbst­ver­wal­teten Pro­duk­ti­ons­weise. Dort, wo Beschäf­tigte über die Pro­duktion ent­scheiden, wollen sie in der Regel qua­li­tativ hoch­wertig und nach­haltig pro­du­zieren. Dies ist wahr­scheinlich effi­zi­enter als jedes Bio-Siegel.

Warum ver­kauft Ihr nun den Tee aus Mar­seille?
Es war unserer Meinung nach längst über­fällig, den Ver­trieb von Scop Ti auch in Deutschland zu starten. Das ist nicht nur eine Form kon­kreter Soli­da­rität mit diesem beein­dru­ckenden Expe­riment eines selbst­ver­wal­teten Betriebs, sondern auch mit einem prak­ti­schen Ansatz­punkt für wirt­schaft­liche Gegen­macht. Zumal die Beleg­schaft von Scop Ti einen ähn­lichen Ansatz ver­tritt und sich nicht nur während des lang­jäh­rigen Kampfes, sondern auch heute noch als Teil einer brei­teren Bewegung posi­tio­niert. Ihr Kampf war auch immer ein gewerk­schaft­licher Kampf mit der CGT. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn sie, wie ein Kollege es aus­drückte, den Kapi­ta­lismus nicht über­wunden haben durch ihren Kampf und heute mit seinen Vasallen spielen müssen.

Wie kam der Kontakt zustande?
Die Idee ent­stand auf dem zweiten Euro­me­di­ter­ranen Workers-Economy-Treffen, das im Herbst 2016 auf dem besetzten Betriebs­ge­lände von Vio​.Me stattfand. Das Treffen in der auch in Deutschland bekannten Fabrik am Stadtrand von Thes­sa­loniki reihte sich in die Tra­dition meh­rerer glo­baler und regio­naler Treffen von besetzten bzw. durch die Beleg­schaften über­nom­menen Betrieben ein. Ein Ergebnis dieser Kon­ferenz, an der auch andere selbst­ver­waltete Betriebe, poli­tische und gewerk­schaft­liche Gruppen teil­nahmen, war die Erkenntnis, dass ein Schwach­punkt aller Fabriken im Ver­trieb liegt. Wir als Bewegung haben gerade im Zusam­men­spiel mit dem kämp­fe­ri­schen Teil der Gewerk­schaften wesentlich mehr Mög­lich­keiten, hier eigene Struk­turen auf­zu­bauen.

Welche Pro­dukte wollt Ihr noch anbieten?
Dem­nächst wird es neben den eher bekannten Pro­dukten von Vio​.Me, also den Seifen und Rei­ni­gungs­mitteln, auch Liköre aus der besetzten Fabrik Rimaflow in Mailand und Öl aus einer von der Land­ar­beiter-Gewerk­schaft SAT besetzten Finca in Anda­lusien geben.

aus: express – Zeitung für sozia­lis­tische Betriebs- und Gewerk­schafts­arbeit
Ausgabe: Heft 5/2018

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Interview: Peter Nowak

Mehr über die Pro­dukte der Union-Coop und der Bestell­mög­lich­keiten gibt es hier:
https://​www​.union​-coop​.org/