»Solidarisches Handeln überhaupt ermöglichen«

In Berlin trafen sich rund 300 GewerkschafterInnen aus aller Welt zur Konferenz des Onlineportals LabourStart

Nach dem DGB-Bun­des­kon­gress und dem Kon­gress des Inter­na­tio­nalen Gewerk­schafts­bundes IGB endete mit der Labour­Start-Kon­ferenz ein Gewerk­schafts­ma­rathon in Berlin.
Gisela Neun­höffer Gisela Neun­höffer hat die dies­jährige Labour­Start-Kon­ferenz maß­geblich mit orga­ni­siert. Unter dem Motto »Globale Krise – globale Soli­da­rität« trafen sich bereits am letzten Mai­wo­chenende Gewerk­schaf­te­rInnen aus aller Welt, um über neue Stra­tegien zu dis­ku­tieren und ver­gangene Kam­pagnen aus­zu­werten. Mit der Gewerk­schaf­terin sprach für »neues deutschland« Peter Nowak.

nd: Ist Labour­Start der Neu­start einer Arbei­ter­be­wegung?
Wir werden mit der kleinen Initiative natürlich nicht die neue inter­na­tionale Arbei­ter­be­wegung erfinden. Doch Labour­Start kann wichtige Bau­steine liefern, die Men­schen soli­da­ri­sches Handeln über­haupt wieder ermög­lichen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Labour­Start ist eine 1998 gegründete Nach­richten- und Kam­pa­gnen­web­seite für die inter­na­tionale Gewerk­schafts­be­wegung. Nach Kon­fe­renzen zur glo­balen Soli­da­rität in London, Washington, Hamilton, Ontario , Istanbul und Sydney trafen sich Ende Mai über 300 Dele­gierte aus rund 75 Ländern erstmals in Berlin.

Warum gerade dort?
Kurz nach dem Kon­gress des Inter­na­tio­nalen Gewerk­schafts­bundes, der eben­falls in Berlin stattfand, bot die Labour­Start-Kon­ferenz eine Mög­lichkeit für Gewerk­schafter von Basis­ak­tiven bis zum Vor­sit­zenden und Ver­treter der inter­na­tio­nalen Gewerk­schafts­or­ga­ni­sa­tionen, aktuelle Fragen der Gewerk­schafts­be­wegung in einem infor­mellen Rahmen zu dis­ku­tieren.

Können Sie einige Bei­spiele für die Arbeit von Labour­Start nennen?
Sehr bekannt ist der inter­na­tionale Kampf um Ent­schä­digung für die Opfer des Ein­sturzes der Tex­til­fabrik Rana Plaza in Ban­gla­desch. Labour­Start hat mit dazu bei­getragen, dass der Druck auf die ver­ant­wort­lichen Tex­til­kon­zerne erhöht wurde, endlich das not­wendige Geld in den ver­ein­barten Fonds ein­zahlen. Auch die ver­bind­liche Umsetzung der Gebäu­de­si­cher­heits- und Feu­er­schutz­be­stim­mungen spielt in der Kam­pagne eine wichtige Rolle.

Die Unter­stützung des Kampfes der Tex­til­ar­beiter in Kam­bo­dscha ist eben­falls ein wich­tiges Anliegen von Labour­Start. Der Arbeits­kampf dort dauert bereits mehrere Monate. Die Beschäf­tigten sind einer mas­siven Repression von Seiten des Staats aus­ge­setzt. Zahl­reiche Gewerk­schafter wurden ver­haftet oder mussten unter­tauchen.

Unter­stützt Labour­Start auch Streiks in Deutschland?
Ja. Ich will nur an die inter­na­tionale Soli­da­ri­täts­aktion für die Strei­kenden des Rast­stät­ten­kon­zerns Auto­grill erinnern, die gemeinsam mit der Gewerk­schaft Nahrung-Genus-Gast­stätten (NGG) für den Abschluss eines Tarif­ver­trages kämpfen. Anfang April sind Beschäf­tigte in Thü­ringen und Bayern in einen unbe­fris­teten Streik getreten. Labour­Start hat eine erfolg­reiche inter­na­tionale Soli­da­ri­täts­kam­pagne gestartet Innerhalb weniger Tage haben Tau­sende Men­schen aus aller Welt den Auto­grill auf­ge­fordert, die For­de­rungen der Beschäf­tigten nach einen Tarif­vertrag und fairen Löhnen nach­zu­geben.

Kann ein Maus­klick Grundlage für eine welt­weite Soli­da­ri­täts­be­wegung sein?
Labour­Start ermög­licht den Men­schen die Mög­lichkeit des Enga­ge­ments auf unter­schied­lichen Level. Wer wenig Zeit hat, kann einen Soli­da­ri­täts­aufruf unter­zeichnen. Andere können Texte in die ver­schie­denen Sprachen über­setzen. Zudem wird nach der Kon­ferenz überlegt, ob in ver­schie­denen Ländern Labour­Start-Unter­stüt­zer­gruppen gegründet werden.

Fragen: Peter Nowak

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