Bis zur völligen Erschöpfung

Gemütlich durch die Stadt fahren, nette Gespräche mit den Fahr­gästen führen und dabei auch noch aus­rei­chend Geld ver­dienen – so verhält es sich längst nicht mehr im Taxi­ge­schäft. Die Taxi-AG in der Dienstleistungsge­werkschaft Verdi will die Arbeits­be­din­gungen ver­bessern. In dieser Woche hat sie in Berlin eine Kund­gebung gegen Hun­ger­löhne im Taxi­ge­werbe abge­halten. Andreas Kom­rowski ist Mit­glied der AG.

Früher war Taxi­fahren ein beliebter Job für Stu­die­rende, die Arbeit war nicht zu hart, die Bezahlung gut. Ist das immer noch so?

Ein Studium durch Taxi­fahren zu finan­zieren, lohnt sich nicht mehr, da sich viel weniger Leute eine Taxi­fahrt leisten können als vor 15 Jahren. Im Gegensatz zu früher muss heut­zutage für Stu­die­rende die Sozi­al­ver­si­cherung bezahlt werden, wenn es mehr als ein Minijob ist. Zudem hat der Taxi­schein 1994 noch 300 Mark gekostet, mitt­ler­weile ver­langen die Taxi­schulen eine vier­stellige Summe.

Können Sie Bei­spiele für die von Verdi beklagten Hun­ger­löhne nennen?

Die AG Taxi bei Verdi hat 2012 eine Umfrage bei ange­stellten Taxi­fahrern in Berlin gemacht. Dabei kam heraus, dass viele für Löhne von 4,50 bis 6,50 Euro die Stunde hinter dem Lenkrad sitzen. Ver­glichen mit Fahrern im Trans­port­ge­werbe und dem pri­vaten Omni­bus­ge­werbe sind das sit­ten­widrige Löhne.

Wie ist das Ver­hältnis von Selb­stän­digen und Lohn­ab­hän­gigen im Taxi­ge­werbe?

Der Taxi­alltag ist durch die Kon­kurrenz um die weniger wer­denden Fahr­gäste geprägt. Da die Löhne Anteile des eigenen Umsatzes sind, ist die Denk­weise auch bei Ange­stellten oft unter­neh­me­risch geprägt. Während auf der Straße egal ist, wer seine eigene Taxe fährt und wer nicht, geben bei Dis­kus­sionen im Gewerbe meist die Unter­nehmer den Ton an.

Wie stark ist die gewerk­schaft­liche Orga­ni­sation der Taxi­fahrer?

Die AG ist weit­gehend selbst­or­ga­ni­siert, die für uns zuständige haupt­amt­liche Gewerk­schafts­se­kre­tärin greift selten ein. Wir fordern einen Min­destlohn für das Taxi­ge­werbe nicht unter 8,50 Euro und über­legen, wie das möglich wäre. So sollen zusätz­liche Taxi­kon­zes­sionen nicht mehr frei­giebig ver­teilt werden. Die Arbeits­ver­mittlung durch Maß­nahmen und Gut­scheine in ein Gewerbe, in dem die Beschäf­tigten von ihrer Arbeit nicht leben können, mit Hartz IV auf­stocken oder bis zur völ­ligen Erschöpfung malochen müssen, soll unter­bleiben.

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Interview: Peter Nowak


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