Kampfzone Taxi-Gewerbe

Die Ber­liner Taxi-AG ant­wortet mit einer Online-Kam­pagne auf Werbung des Kon­kur­renten Uber

„Wei­ter­ziehn oder nach Hause?“ Große weiße Plakate mit dieser Frage finden sich seit einigen Tagen an Haus­wänden in der Nähe des Neu­köllner Her­mann­platzes oder der War­schauer Brücke in Fried­richshain. An Orten also, an denen sich viele Men­schen nach dem Club­besuch nach Trans­port­mög­lich­keiten umsehen. Auch an grö­ßeren S- und U‑Bahnhöfen… „Kampfzone Taxi-Gewerbe“ wei­ter­lesen

Taxameter automatisch auf Pause

Mahn­wache von Taxi­fah­re­rInnen gegen prekäre Arbeits­be­din­gungen und Lohn­dumping

„Kein Lohn­dumping im Taxi­ge­werbe“ stand auf dem Banner, dass Mit­glieder der Taxi-AG der Gewerk­schaft Verdi am Mittwoch vor der Senats­ver­waltung für Verkehr, Umwelt- und Kli­ma­schutz auf­ge­spannt hatten. Die gewerk­schaftlich orga­ni­sierten Taxi­fah­re­rInnen hatten sich…

„Taxa­meter auto­ma­tisch auf Pause“ wei­ter­lesen

Bis zur völligen Erschöpfung

Gemütlich durch die Stadt fahren, nette Gespräche mit den Fahr­gästen führen und dabei auch noch aus­rei­chend Geld ver­dienen – so verhält es sich längst nicht mehr im Taxi­ge­schäft. Die Taxi-AG in der Dienstleistungsge­werkschaft Verdi will die Arbeits­be­din­gungen ver­bessern. In dieser Woche hat sie in Berlin eine Kund­gebung gegen Hun­ger­löhne im Taxi­ge­werbe abge­halten. Andreas Kom­rowski ist Mit­glied der AG.

Früher war Taxi­fahren ein beliebter Job für Stu­die­rende, die Arbeit war nicht zu hart, die Bezahlung gut. Ist das immer noch so?

Ein Studium durch Taxi­fahren zu finan­zieren, lohnt sich nicht mehr, da sich viel weniger Leute eine Taxi­fahrt leisten können als vor 15 Jahren. Im Gegensatz zu früher muss heut­zutage für Stu­die­rende die Sozi­al­ver­si­cherung bezahlt werden, wenn es mehr als ein Minijob ist. Zudem hat der Taxi­schein 1994 noch 300 Mark gekostet, mitt­ler­weile ver­langen die Taxi­schulen eine vier­stellige Summe.

Können Sie Bei­spiele für die von Verdi beklagten Hun­ger­löhne nennen?

Die AG Taxi bei Verdi hat 2012 eine Umfrage bei ange­stellten Taxi­fahrern in Berlin gemacht. Dabei kam heraus, dass viele für Löhne von 4,50 bis 6,50 Euro die Stunde hinter dem Lenkrad sitzen. Ver­glichen mit Fahrern im Trans­port­ge­werbe und dem pri­vaten Omni­bus­ge­werbe sind das sit­ten­widrige Löhne.

Wie ist das Ver­hältnis von Selb­stän­digen und Lohn­ab­hän­gigen im Taxi­ge­werbe?

Der Taxi­alltag ist durch die Kon­kurrenz um die weniger wer­denden Fahr­gäste geprägt. Da die Löhne Anteile des eigenen Umsatzes sind, ist die Denk­weise auch bei Ange­stellten oft unter­neh­me­risch geprägt. Während auf der Straße egal ist, wer seine eigene Taxe fährt und wer nicht, geben bei Dis­kus­sionen im Gewerbe meist die Unter­nehmer den Ton an.

Wie stark ist die gewerk­schaft­liche Orga­ni­sation der Taxi­fahrer?

Die AG ist weit­gehend selbst­or­ga­ni­siert, die für uns zuständige haupt­amt­liche Gewerk­schafts­se­kre­tärin greift selten ein. Wir fordern einen Min­destlohn für das Taxi­ge­werbe nicht unter 8,50 Euro und über­legen, wie das möglich wäre. So sollen zusätz­liche Taxi­kon­zes­sionen nicht mehr frei­giebig ver­teilt werden. Die Arbeits­ver­mittlung durch Maß­nahmen und Gut­scheine in ein Gewerbe, in dem die Beschäf­tigten von ihrer Arbeit nicht leben können, mit Hartz IV auf­stocken oder bis zur völ­ligen Erschöpfung malochen müssen, soll unter­bleiben.

http://​jungle​-world​.com/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​3​/​3​5​/​4​8​3​6​7​.html

Interview: Peter Nowak

Taxifahrer wollen weniger Konkurrenz

ARBEIT Minigewerkschaft protestiert gegen Hungerlöhne und Vermittlungsgutscheine für Arbeitslose

Gewerk­schaftlich orga­ni­sierte Taxi­fah­re­rInnen wenden sich gegen die massive Ver­mittlung von Arbeits­losen in ihrer Branche. Am Dienstag wollen sie vor der Kreuz­berger Filiale der Bun­des­agentur für Arbeit demons­trieren. »Wir sind dagegen, dass die Arbeits­agentur über Ver­mitt­lungs­gut­scheine immer mehr Leute in das Taxi­ge­werbe ver­mittelt, ohne zu berück­sich­tigen, dass wir Fah­re­rInnen jetzt schon kaum noch von dem Ver­dienst leben können«, erklärte Andreas Kom­rowski der taz. Der Taxi­fahrer gehört zu dem rund einen Dutzend Ber­liner Fah­re­rInnen, die sich gewerk­schaftlich orga­ni­siert haben.

Seit drei Jahren exis­tiert die Ber­liner Taxi-AG bei der Dienst­lei­tungs­ge­werk­schaft Ver.di, die auch zu den Orga­ni­sa­to­rInnen der Pro­test­kund­gebung gehört. Die startete 2012 unter Ber­liner Taxi­fah­re­rInnen eine Umfrage über deren Ein­kom­mens­ver­hält­nisse. Dabei kam heraus, dass viele für Stun­den­löhne zwi­schen 4,50 bis 6,50 Euro hinter dem Lenkrad sitzen. Min­destens ein Viertel müssen als Auf­sto­cke­rInnen zusätz­liche Leis­tungen von der Bun­des­agentur für Arbeit bean­tragen, weil sie von ihrer Arbeit nicht leben können.

Ein Grund ist die sin­kende Zahl von Men­schen, die sich ein Taxi leisten können. »Unser Alltag ist durch Kon­kurrenz um die weniger wer­denden Fahr­gäste geprägt. Da die Höhe des Lohns vom Umsatz abhängig ist, ist die Denk­weise auch bei Ange­stellten oft unter­neh­me­risch geprägt«, so Kom­rowski. Die Zeiten, als das Taxi­fahren ein beliebter Job für Stu­die­rende in West­berlin war, kennt er nur vom Hören­sagen. So muss heute, anders als früher, bei Stu­die­renden die Sozi­al­ver­si­cherung bezahlt werden, wenn es mehr als ein Minijob ist. Zudem ver­langen die Taxi­schulen für einen Schein, der 1994 noch 300 DM kostete, inzwi­schen vier­stellige Euro­be­träge.

Die AG Taxi fordert die Ein­führung eines gesetz­lichen Min­dest­lohns von min­destens 8,50 Euro brutto. Für die Gewerk­schaf­te­rInnen gehört die Redu­zierung der Taxi- Kon­zes­sionen zu den dafür not­wen­digen Struk­tur­maß­nahmen. Eine Fahr­preis­er­höhung würde noch keine aus­kömm­lichen Löhne schaffen, solange die Kon­zes­si­ons­vergabe in Berlin unbe­grenzt ist, argu­men­tiert die Gewerk­schaft. Durch Neu­kon­zes­sio­nie­rungen würden die Umsätze pro Fahrzeug und damit auch die Löhne nach kurzem Auf­schwung wieder sinken, so die Analyse der Taxi-AG.
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2013%2F08%2F26%2Fa0094&cHash=db0791930da794eb5ee0778fe992e53f

Peter Nowak

Kund­gebung am 27. August von 10 bis 13 Uhr vor der Bun­des­agentur für Arbeit, Char­lot­tenstr. 87–90