Der Antifaschismus war Strecker noch im hohen Alter ein wichtiges Anliegen. So war er persönlich in Slonsk anwesend, als 2015 in der westpolnischen Kleinstadt ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet wurde. Weil es vom nahen Bahnhof aus Transportschwierigkeiten gab, trampte Strecker nach Slonsk und war so als Erster vor Ort.
»Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die FU in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung »Ungesühnte Nazijustiz« auf Druck des Berliner Senats nicht …
Max Lucks wurde 1977 in Gelsenkirchen geboren. Von 2017 bis 2019 war er Sprecher der Grünen Jugend. Seit September 2021 ist er für die Grünen Abgeordneter im Deutschen Bundestag. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Er wird dem linken Flügel der Partei zugerechnet.
Nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner CSD ist eine hitzige Debatte über den Umgang der Linken mit dem Islamismus entbrannt. Kabarettist Florian Schroeder warf der deutschen Linken im Freitag vor, den Islamismus zu verharmlosen und zu schnell auf die Rechten zu zeigen. Der Grünen-Politiker Max Lucks, menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion, widerspricht dieser Kritik nicht. Doch zählt er auch seine eigene Partei zu den Verharmlosern? Ein Gespräch.
der Freitag: Herr Lucks, der Kabarettist Florian Schroeder warf der Linken nach dem Anschlag auf den CSD vor, den Islamismus zu verharmlosen. Fühlen Sie sich angesprochen? …
»In Anlehnung an das in Deutschland gültige – und nach meiner Wahrnehmung weitreichende – Tabakwerbeverbot sollte auch ein Militärwerbeverbot ausgestaltet und mit gleicher Konsequenz durchgesetzt werden", so die Forderung des Kulturwissenschaftlers Daniel Hornuff.
Die neue Werbevideo-Serie Generation Wehrdienst sorgt aktuell für viel Aufsehen. Bundeswehr-Reklame ist in Zeiten, in denen der deutsche Staat alles dafür tut, dass das Land »kriegsfähig« wird, im Stadtbild allgegenwärtig. Große, teils riesige Banner preisen an zentralen Stellen die Vorzüge der Truppe. Auch an Bussen und Bahnen entkommt man der Reklame fürs Militär nicht. Doch zunehmend trifft die PR-Offensive in Flecktarn auch auf Widerstand. So weigerten sich …
Im Interview: Eva Maria Michelmann (geb. 1989) lebte seit 2022 in Rojava, wo sie für kurdische Medien arbeitet. Am 19. Januar 2026 wurde sie mit ihrem Kollegen Ahmet Polat in Rakka verhaftet, als Truppen der islamischen Übergangsregierung die Gebiete der kurdischen Selbstverwaltung eroberten. Im Juni kam sie frei.
Monatelang war die Journalistin Eva Maria Michelmann inhaftiert. Jetzt spricht sie erstmals in einem deutschen Medium davon und fordert die Freilassung ihres Kollegen.
taz: Frau Michelmann, wie spielte sich Ihre Gefangenennahme ab? …
Die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft drückt sich nicht nur in immer höheren Rüstungsausgaben aus, sondern auch durch die allgegenwärtige Bundeswehrwerbung. Darauf weist der Kasseler Kunstprofessor Daniel Hornuff mit einer Streitschrift hin.
Wie drückt sich die so viel beschworene neue deutsche Kriegsfähigkeit aus? Sofort fallen einem die …
Zivilgesellschaftliche Gruppen rufen dazu auf, sich weiter für die Freilassung des kurdischen Journalisten Ahmet Polad einzusetzen. Er war im Januar gemeinsam mit seiner deutschen Kollegin Eva Maria Michelmann in der nordsyrischen Stadt Raqqa verschwunden. Seit dem 19. Juni 2026 ist Michelmann wieder in Köln. Polad ist weiter in Haft.
Die Forderungen von Peoples Bridge ist hingegen sehr konkret: „Ahmet Polad muss angesichts der Kriminalisierung seines Arbeitgebers in der Türkei das Recht eingeräumt werden, sich in ein Drittland begeben zu dürfen, um weiterhin seiner Tätigkeit als Journalist nachgehen zu können.“
Am 18. Januar hatten regierungsnahe islamistische Milizen und Einheiten der syrischen Übergangsregierung die Stadt Raqqa und andere vorwiegend arabische Gebiete übernommen. Darüber hatte Michelmann mit ihrem Kollegen Ahmet Polad für kurdische Medien berichtet, als beide verschleppt wurden. Ahmet Polad arbeitete als …
Nach der Attacke auf den CSD wirft Kabarettist Florian Schroeder in einem TikTok-Video Teilen der Linken vor, den politischen Islam über Jahre romantisiert zu haben. Was hat er gesehen, was andere angeblich nicht sehen wollten? Ein Gespräch
Florian Schroeder (geboren am 12. September 1979 in Lörrach) ist Kabarettist, Autor und Moderator. Bekannt wurde er mit Prominenten-Parodien und politischer Satire, unter anderem in eigenen TV- und Radioformaten sowie beim „Politischen Aschermittwoch der Kabarettisten“. 2021 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis, 2024 den Bayerischen Kabarettpreis.
Florian Schroeder gilt als einer der besten politischen Kabarettisten des Landes – klar links verortet und stets angriffslustig gegen rechts. Nach dem Anschlag beim CSD hat er nun ausgerechnet die eigene Szene ins Visier genommen: In einem TikTok-Video wirft er Teilen der Linken vor, auf dem islamistischen Auge blind zu sein und den politischen Islam über Jahre hinweg romantisiert zu haben.
Der Vorwurf löste heftige Gegenreaktionen aus – Zustimmung und Empörung hielten sich die Waage. Was hat den Kabarettisten dazu gebracht, mit den eigenen Leuten so hart ins Gericht zu gehen? Der Freitag hat bei Schroeder nachgefragt. …
. Das Teepeeland dürfte in Zukunft bekannter werden, weil seit Ende Juni ein Uferweg den Freiraum erschließt. Die Zahl der Besucher*innen, darunter viele Tourist*innen, hat sich erhöht. Wie sich das auf die etwa zehn Bewohner*innen des Teepeelands auswirkt, ist noch offen. Wenn man davorsteht, macht es den Eindruck eines kleinen gallischen Dorfes, das dem Gentrifizierungsdruck trotzt
Man geht das Spreeufer nahe der Köpenicker Straße entlang – und steht plötzlich in einem kleinen Dorf, bestehend aus etwa 15 Tipis und Hütten, inklusive einer Küche, einer Bar und einer Bühne«, so beschreibt der Historiker Niko Rollmann einen ungewöhnlichen Freiraum mitten im Berliner Zentrum, das …
Der auf Initiative des MDR verfasste Leipziger Appell bekommt immer mehr Unterstützung. Die Unterzeichnenden erkennen die Einschränkung der Medien- und Pressefreiheit. An entscheidenden Stellen bleibt der Appell jedoch vage.
Auch der Bundesverband Freier Radios (BFR) hat den Appell jüngst unterzeichnet. „Der Leipziger Appell kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn so gefährdet wie heute war die öffentliche Debatte lange nicht. Er bestätigt die Kritik, die Freie Radios vor 30 bis 40 Jahren zu ihrer Gründung veranlasste und die Richtigkeit, der in unseren Strukturen abgebildeten Konsequenzen“, heißt es in der Erklärung des BFR.
Gleich im ersten Absatz erinnert der Appell an die Zerschlagung unabhängiger Medien in der NS-Zeit. Daraus leitet er die Verpflichtung ab, heute für die Presse-Rundfunk- und Informationszeit einzutreten. „Dieses Fundament unserer Verfassung entstand aus den Lehren der …
Verschiedene Gruppen protestieren gegen den Umbau einer Autofabrik in einen Rheinmetall-Standort in Berlin. Nur: Bisher arbeiten sie nicht so recht zusammen.
Schließlich hatten sich auch bei den Aktionstagen gegen Rheinmetall im Wedding Mitglieder der IG Metall beteiligt. Und: Auf der Delegiertenkonferenz der Berliner IG Metall im September 2025 wurde mit nur einer Gegenstimme eine Erklärung verabschiedet. Darin wird die Gewerkschaft zum Widerstand gegen Militarisierung und Sozialabbau aufgefordert.
Die Umwandlung einer Autofabrik in eine Waffenschmiede im Berliner Stadtteil Wedding sorgt weiter für Kritik – allerdings tun sich die Akteur*innen bisher schwer mit einer gemeinsamen Position. Das ehemalige Pierburg-Werk war jahrzehntelang Teil der Automobilzulieferindustrie, es wurden Autokomponenten, zum Beispiel Katalysatorenklappen produziert. In Zukunft will der Rüstungsriese Rheinmetall dort Munitionskomponenten herstellen. Erst Mitte Juli beteiligten sich rund 4.000 Menschen an …
Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion, das die Proteste gegen den Rüstungskonzert organisierte, hat sich in einem differenzierten Statement mit der IG-Metall-Erklärung befasst. »Die Sicherung der Existenz und Rechte aller Beschäftigten ist uns wichtig. Aber es kann uns politisch nicht egal sein, ob die Produkte, die wir herstellen, gesellschaftlichen Nutzen bringen oder Tod und Zerstörung«, betonen die Antimilitarist*innen. Durch Aufrüstung werde weder die Wirtschaft angekurbelt noch bringe sie in der Summe ein Mehr an Arbeitsplätzen. Stattdessen müsse die Produktion von zivilen Produkten gefördert werden.
Seit über einem Jahr sorgt die Umwandlung einer Autofabrik in eine Waffenschmiede im Berliner Stadtteil Wedding für Proteste. Höhepunkt waren Aktionstage vom 10. bis zum 12. Juli. Zum Abschluss demonstrierten über 4000 Menschen gegen Rheinmetall im Wedding. Kurz danach hat sich die IG-Metall mit …
Während die Mietergremien an der kurzen Leine der LWU geführt werden und als „nicht rechtsfähige sonstige Organe“ dieser LWUs gelten, handelt es sich bei den Mieterinitiativen gewissermaßen um den außerparlamentarischen Arm der Mieterbewegung – und bekanntlich sind im Freien auch die Freiheiten größer“, bringt Kohlstruck die unterschiedlichen Vorstellungen auf den Punkt, wie man MBR als Gegenmacht gegen Unternehmensentscheidungen positionieren kann.
Warum sollten Mieter/innen Zeit und Energie aufbringen, um sich bei den Landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU) in Mieterbeiräten (MBR) zu engagieren? Ist das nicht eher eine Art der simulierten Mitbestimmung? So heißt es in einer Stellungnahme des Staatssekretärs für Wohnen und Mieterschutz, …
Der Streit um den Umgang mit AfD und Co. geht nicht nur in Deutschland weiter, sondern auch im Europäischen Parlament, wo ein Prüfverfahren für die ESN zu möglichen Verstößen gegen die europäischen Werte gefordert wird.
Eine linke Bewegung müsste im Sinne des linken BRD-Soziologen Reinhard Opitz deutlich machen, dass es sowohl bei der Union wie der AfD um Formen kapitalistischer Politik und Machtsicherung handelt, die immer mit den Zumutungen für große Teile der Bevölkerung verbunden ist. Eine linke Bewegung müsste sich daran beteiligen, diese Zumutungen zurückzuweisen. Das sind die Proteste gegen Sozialkürzungen, während die Militärkosten steigen, das sind die Jugendlichen, die den Wehrdienst verweigern, das sind die Geflüchteten, die sich gegen ihre Entrechtung wehren.
Die Entrechtung wird noch immer von SPD und Union federführend vorangetrieben, die AfD hatte dazu noch keine Gelegenheit. Wenn sie sie hätte, würde sie an die Geschichte der Unionsparteien anknüpfen, die 1999 unter Roland Koch in Hessen eine Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft lancierte und damit auch Landtagswahlen gewann. So hat Luigi Pantisano völlig Recht, dass hier Union und AfD eine rechte Politik betreiben, nur auf das Adjektiv faschistisch hätte er verzichten können.
Das Parteienbündnis „Europa der souveränen Nationen“ (ESN) ist ein Sammelbecken der Ultrarechten im EU-Parlament. Wenn man anklickt, für welche Werte sie stehen, wird man allerdings auch die Achtung der Menschenwürde und der Rechte sexueller Minderheiten sowie die Ablehnung von Diskriminierung lesen. Wie ernst das gemeint sein mag, ist natürlich offen, wie immer, wenn es um die europäischen Werte geht. Sie werden viel zitiert, oft als Textbausteine verwendet, aber in der Praxis selten angewendet. Vielleicht können sich die Angehörigen der vielen Menschen, die im Massengrab Mittelmeer oder an anderen EU-Außengrenzen gestorben sich, wenigstens darauf berufen, wenn sie auf Entschädigung klagen. Häufig kommt es nicht vor. Die europäischen Werte führen auch die Fraktionen an, die in der letzten Woche ein Prüfverfahren gegen die ESN im Europaparlament in die Wege geleitet haben. Es soll eine Aufsichtsbehörde gebildet werden, die mögliche Verstöße gegen EU-Grundwerte bei der ESN prüfen soll. Eine Mehrheit von 414 Abgeordneten sprach sich dafür aus, 224 dagegen, 18 enthielten sich. Federführend bei der Initiative war der EU-Abgeordnete …
In Berlin-Wedding soll eine ehemalige Autoteile-Fabrik zur Munitionsschmiede werden. Antimilitaristen verteilten wochenlang Flugblätter am Werkstor – ohne Erfolg. Könnten bald Lkw-Blockaden der nächste Schritt im Protest sein?
Während es den Antimilitaristen nicht gelungen war, Kontakte zu den Rheinmetall-Beschäftigten zu knüpfen, so zeigte sich doch ihr Rückhalt im Viertel. Dort sind schon seit vielen Jahren mit „Hände weg vom Wedding“ und dem „Stadtteilkomitee Wedding“ zwei linke Gruppen aktiv, die die Bewohner bei ihrem Kampf gegen hohe Mieten und Verdrängung unterstützen. Seit einem Jahr hat auch bei ihnen der Kampf gegen Rheinmetall einen großen Stellenwert bekommen. „Bei Haustürgesprächen hörten wir allgemein Erschrecken und Ablehnung, dass mitten im Wohngebiet eine Rüstungsschmiede entstehen soll“, sagte ein Aktivist von „Hände weg vom Wedding“, der seinen Namen nicht nennen möchte.
Das Erste, was ins Auge fällt, sind die mit dickem Draht umwickelten Zäune rund um das Rheinmetall-Werk in Berlin-Wedding. Hinter dem Zaun: eine leere Fabrik. Davor: mehr als 3000 Menschen, die an diesem Samstag Mitte Juli gegen den …
Das Verhältnis zwischen DWE und der von der BMG getragenen Initiative INKW war nicht immer spannungsfrei. Doch jetzt geht der Blick nach vorne. „Die Diskussion war eine gute
Grundlage für eine Kooperation zwischen DWE und INKW“, betonte Nico Hertz-Eichenrode im Gespräch mit dem MieterEcho. Diese Zusammenarbeit könnte sich in gemeinsamen Veranstaltungen ausdrücken, aber auch durch gemeinsames Agieren auf Kundgebungen und Demonstrationen.
Auf der Stadtpolitischen Konferenz der BMG diskutierten Vertreter der Initiative Neuer Kommunaler Wohnungsbau (INKW) und der Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen (DWE) erstmals zusammen. Dabei wurde schnell deutlich, dass es ein gemeinsames Ziel gibt: dem renditegetriebenen Markt möglichst viele Wohnungen zu entziehen. Der Stadtsoziologe Andrej Holm, der auf der Konferenz die INKW vertrat, verwies auf deren Grundsatzerklärung, in der es heißt: …