Widerstand gegen das Modell Amazon

Der Protest gegen die Preis­ver­leihung an Amazon-Boss Bezos zeigt, wie außer­be­trieb­liche Linke, Beschäf­tigte und Gewerk­schaften zusam­men­ar­beiten können

Es gab und gibt zahl­reiche Demons­tra­tionen, die am Ora­ni­en­platz in Berlin-Kreuzberg beginnen. Doch der Demons­tra­ti­onszug, der am Nach­mittag des 24. April vom Ora­ni­en­platz zum Sprin­ger­hochhaus zog, passte nicht in die übliche Pro­test­routine. Das lag nicht an der Teil­neh­merzahl von knapp 400 Men­schen, sondern an ihrer Zusam­men­setzung.

Außer­par­la­men­ta­rische Linke des Bünd­nisse Make Amazon Pay und Beschäf­tigte aus ver­schie­denen Amazon-Stand­orten in Deutschland und Polen hatten sich dort ver­sammelt. Sie alle sind vor das Sprin­gerhaus gezogen, um gegen die Ver­leihung des Springer Awards an Amazon-Gründer Jeff Bezos zu pro­tes­tieren.

Viele der Beschäf­tigten trugen Fahnen oder Westen, auf denen die Logos ihrer Gewerk­schaften zu lesen waren. Viele der Kol­legen aus den Amazon-Stand­orten Bad Hersfeld, Leipzig und anderen Orten sind in der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft verdi orga­ni­siert. Die Kol­legen vom pol­ni­schen Amazon-Standort Poznań sind Mit­glieder der anar­cho­syn­di­ka­lis­tische Basis­ge­werk­schaft Workers Initiative (IP) die nicht zu den Bünd­nis­partnern von verdi gehört.

Es war schon eine Pre­mière, dass die Kol­legen der unter­schied­lichen Gewerk­schaften nicht nur gemeinsam demons­trierten, ein IP-Kollege hielt auch einen kurzen Rede­beitrag auf der Bühne vor dem Sprin­gerhaus.

Die Rolle der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität

Es ist ein Erfolg der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität, dass der Kontakt zwi­schen der IP und den Beschäf­tigten in meh­reren Amazon-Stand­orten in Deutschland zustande gekommen ist. In Leipzig unter­stützen linke Gruppen bereits seit fünf Jahren die Beschäf­tigten des dor­tigen Amazon-Stand­ortes bei ihrem Kampf um einen Tarif­vertrag und bessere Arbeits­be­din­gungen. Auch das Leip­ziger Streik­so­li­da­ri­täts­bündnis ist Teil von Make Amazon Pay.

Es war ver­gan­genes Jahr erstmals an die Öffent­lichkeit getreten, um den Kampf der Amazon-Beschäf­tigten für einen Tarif­vertrag zu unter­stützen. Mit einer Akti­ons­woche rund um den »Black Friday« im November, der von Amazon als Schnäpp­chentag beworben wurde, blo­ckierten einige Hundert Akti­visten eine Ver­sand­halle im Westen Berlins.

Auch an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten gab es Pro­teste. Damals war die Teil­nahme von Amazon-Beschäf­tigten noch recht bescheiden. Das hatte sich am 24. April ver­ändert. Das Bündnis Make Amazon Pay hatte bereits mit der Pro­test­o­r­ga­ni­sation begonnen, als noch nicht klar war, wie sich Verdi und die Beschäf­tigten daran betei­ligen werden.

Unter­schied­liche Logiken von Verdi und außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken

Die gemeinsame Aktion war ein großer Erfolg und ging natürlich nicht ohne Span­nungen ab. Der Grund liegt in den unter­schied­lichen poli­ti­schen Logiken einer Groß­ge­werk­schaft wie Verdi und der außer­be­trieb­lichen Linken. Das zeigte sich, nachdem erst kurz­fristig bekannt geworden war, dass die Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft die frisch­ge­kürte SPD-Vor­sit­zende Nahles als Red­nerin enga­gierte.

Die aber war kaum zu ver­stehen und musste nach 2 Minuten abtreten, weil ihr die Parole »Hartz IV – das wart ihr« ent­ge­gen­schlug. Natürlich waren die Verdi-Funk­tionäre davon nicht begeistert. Doch ein Großteil der Beschäf­tigten mochte nicht für Nahles Partei ergreifen. So hatte das Bündnis die Grat­wan­derung bestanden, sich nicht einfach der Verdi-Agenda unter­zu­ordnen, die eine Red­nerin aus dem Hut zau­berte, von der klar war, dass sie für die außer­par­la­men­ta­rische Linke eine Pro­vo­kation ist.

Der aber gelang es, den Protest gegen den Nahles-Auf­tritt so zu dosieren, dass dadurch keine Spaltung unter den Demo-Teil­nehmern ent­stand. So ging die Rede des verdi-Vor­sit­zenden Bsirske ohne Zwi­schenrufe über die Bühne. Die Pro­teste machten damit auch gut deutlich, dass eine Koope­ration zwi­schen so unter­schied­lichen Gruppen möglich ist, wenn die Grenzen beider Seiten berück­sichtigt werden.

Das ist ein Lern­prozess für beide Seiten. So hatten sich noch vor einigen Jahren einige Akti­visten des Umganze-Bündnis, das die Ber­liner Pro­teste mit vor­be­reitet hatte, wohl nicht vor­stellen können, eine Koope­ration mit verdi ein­zu­gehen. Damals betonte man noch, dass man nur mit sys­temant­ago­nis­ti­schen Gewerk­schaften zusam­men­ar­beite.

Da wäre die Auswahl in Deutschland eher klein. Für die Beschäf­tigten aus den unter­schied­lichen Amazon-Stand­orten hat die Koope­ration mit der außer­be­trieb­lichen Linken den poli­ti­schen Horizont erweitert. Sie haben dadurch nicht nur den Kontakt zu den pol­ni­schen Kol­legen bekommen, sondern sich auch an poli­ti­schen Akti­vi­täten der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken wie den Blockupy-Pro­testen als Amazon-Beschäf­tigte beteiligt.

Die Bun­des­tags­ab­ge­ordnete der Linken, Sabine Leidig berichtete auf einem Vor­be­rei­tungs­treffen, wie außer­be­trieb­liche Linke und aktive Amazon-Beschäftige von der Koope­ration pro­fi­tieren.

Auf einem Treffen in Bad Hersfeld sei von den Kol­legen ein Referat der tech­no­lo­gie­kri­ti­schen Gruppe Capulcu mit Auf­merk­samkeit ver­folgt und im Anschluss auch eifrig dis­ku­tiert werden. Ihnen war diese tech­no­lo­gie­kri­tische Sicht­weise fremd, aber sie hatten daran großes Interesse, weil sie sich damit auch Methoden der Über­wa­chung erklären können, die sie in ihren Arbeits­alltag erleben.

Peter Nowak

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[1] https://​make​am​a​zonpay​.org
[2] https://makeamazonpay.org/2018/04/25/4‑pm-make-amazon-pay-aktionstag-zieht-hunderte-menschen-in-die-innenstadt/
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[5] https://​www​.amazon​-verdi​.de/5177
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[9] https://​ums​ganze​.org/
[10] http://www.sabine-leidig.de/index.php/7‑beitrag/aktuelle-erklaerungen/82-amazon-ist-uberall-leiharbeit-dumpingloehne-und-prekaere-jobs-was-tun
[11] https://​capulcu​.black​blogs​.org/

Der Preis ist heiß

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos erhält den »Axel-Springer-Award«

»An Evening for Jeff Bezos« heißt die Ver­an­staltung, die der Springer-Konzern am 24. April in Berlin aus­richten will. An diesem Tag soll der Gründer des Amazon-Kon­zerns und Eigen­tümer der Washington Post den »Axel-Springer-Award« 2018 erhalten. »Mit der Aus­zeichnung würdigt Axel Springer sein visio­näres Unter­neh­mertum in der Inter­net­wirt­schaft sowie die kon­se­quente Digi­ta­li­sie­rungs­stra­tegie der 140jährigen US-Tra­di­ti­ons­zeitung«, heißt es in der Pres­se­mit­teilung des Verlags. Die Lau­datio auf den Preis­träger soll John Elkann, der Ver­wal­tungs­rats­prä­sident des Fiat-Kon­zerns, halten.

Doch auch die zahl­reichen Kri­tiker des Geschäfts­mo­dells von Amazon werden sich am 24. April zu Wort melden. Das Bündnis »Make Amazon Pay« (MAP) will den Abend nutzen, um die schlechten Arbeits­be­din­gungen, Tarif­flucht und Gewerk­schafts­feind­lichkeit bei dem Unter­nehmen anzu­prangern. »Das Zukunfts­modell von Amazon heißt: keine Tarif­ver­träge, Lohn­druck und prekäre Jobs, Arbeits­hetze und per­ma­nente Über­wa­chung. Das ist nicht unsere Zukunft!« sagte die MAP-Spre­cherin Maria Reschka der Jungle World. Der Inter­na­tionale Gewerk­schaftsbund (IGB) hat Bezos bereits 2014 einen Nega­tiv­preis für Aus­beutung der Mit­ar­beiter ver­liehen. Der 54jährige ist dem Magazin Forbes zufolge mit einem geschätzten Ver­mögen von etwa 130 Mil­li­arden US-Dollar der reichste Mensch der Welt. Das Bündnis »Make Amazon Pay« war ver­gan­genes Jahr erstmals an die Öffent­lichkeit getreten, um den Kampf der Amazon-Beschäf­tigten für einen Tarif­vertrag zu unter­stützen. Mit einer Akti­ons­woche rund um den »Black Friday« im November, der von Amazon als Schnäpp­chentag beworben wurde, blo­ckierten einige Hundert Akti­visten eine Ver­sand­halle im Westen Berlins. Auch an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten gab es Pro­teste. In dem Bündnis haben sich Beschäf­tigte des Unter­nehmens gemeinsam mit Gruppen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken wie dem »Ums Ganze«-Bündnis orga­ni­siert. In Leipzig unter­stützen linke Gruppen bereits seit fünf Jahren die Beschäf­tigten des dor­tigen Amazon-Stand­ortes bei ihrem Kampf um einen Tarif­vertrag und bessere Arbeits­be­din­gungen. Auch das Leip­ziger Streik­so­li­da­ri­täts­bündnis ist Teil von MAP.

Beim ersten Vor­be­rei­tungs­treffen für die Pro­teste am 24. April waren zudem Gewerk­schaftler aus Deutschland und Polen anwesend. Diese trans­na­tionale Koope­ration, die bei einem global agie­renden Konzern wie Amazon not­wendig ist, um einen Arbeits­kampf zu gewinnen, ist auch ein Ver­dienst der außer­be­trieb­lichen Amazon-Soli­da­rität. Ein Großteil der enga­gierten Beschäf­tigten im Amazon-Werk Poznań ist bei der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen »Workers Initiative« (Inicjatywa Pra­cow­nicza, IP), orga­ni­siert, die bereits mehrere Soli­da­ri­täts­ak­tionen mit den Beschäf­tigten in Deutschland initi­ierte. Auch die Soli­da­ri­täts­in­itia­tiven haben dafür gesorgt, dass der Kontakt zwi­schen der IP und den Beschäf­tigten in meh­reren Amazon-Stand­orten in Deutschland zustande gekommen ist.

In Polen ist die Kampf­be­reit­schaft eben­falls gewachsen. Neben der IP will sich auch die Gewerk­schaft Soli­darność an den Pro­testen am 24. April in Berlin betei­ligen und hat die Ent­sendung eines Busses mit Beschäf­tigten ange­kündigt. Soli­darność ist der pol­nische Partner der DGB-Gewerk­schaft Verdi und hat im zweiten pol­ni­schen Amazon-Werk in Wrocław Ein­fluss bei den Beschäf­tigten. Lena Widmann, die bei Verdi für Amazon zuständig ist, konnte der Jungle World noch keine kon­kreten Pla­nungen ihrer Gewerk­schaft für den 24. April nennen. »Wir besprechen das mit den Amazon-Beschäf­tigten und gehen dann an die Öffent­lichkeit«, sagte sie. Wichtig sei ihrer Gewerk­schaft, dass »der Kampf um einen Tarif­vertrag und der Kampf um bessere Arbeits­be­din­gungen im Mit­tel­punkt stehen«, so Widmann. »Auf dem Vor­be­rei­tungs­treffen war Konsens, dass es darum am 24. April gehen soll«, sagte ein Mit­glied des MAP-Bünd­nisses der Jungle World.

https://​jungle​.world/​a​r​t​i​k​e​l​/​2​0​1​8​/​1​4​/​d​e​r​-​p​r​e​i​s​-​i​s​t​-​heiss

Peter Nowak

Versand im Getriebe

Beschäf­tigte von Amazon kämpfen für höhere Löhne und bessere Arbeits­be­din­gungen

Der Welt­konzern Amazon weigert sich, seine Ange­stellten dem Tarif für den Einzel- und Ver­sand­handel ent­spre­chend zu ent­lohnen. Dagegen regt sich Wider­stand.

Ende Sep­tember sollte das neue Com­pu­ter­spiel »Fifa 18« erscheinen und viele Gamer sorgten sich, ob Amazon es ihnen pünktlich liefern werde. »So wie viele Spie­le­rinnen und Spieler auf die Aus­lie­ferung des neuen Fifa-Spiels warten, warten die Beschäf­tigten auf faire Löhne und gute Arbeits­be­din­gungen«, sagte Silke Zimmer von der Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft Verdi aus diesem Anlass. Pünktlich zum Erscheinen des Spiels waren Beschäf­tigte bei dem Ver­sand­händler in Streik getreten. Sie for­derten die Anwendung des Tarif­ver­trags des Einzel- und Ver­sand­handels. Nach Angaben von Verdi kam es in den Ver­sand­zentren Graben, Leipzig, Bad Hersfeld, Werne und Koblenz zu Arbeits­nie­der­le­gungen. In dem Tarif­kon­flikt ist es bereits seit dem Frühjahr 2013 immer wieder zu Streiks gekommen, doch der Konzern weigert sich wei­terhin, über die Gewerk­schafts­for­de­rungen zu ver­handeln.

Der Arbeits­kampf bei Amazon hat eine besondere Bedeutung über die unmit­telbar Betei­ligten hinaus. Zumindest in Ansätzen ist eine trans­na­tionale Orga­ni­sierung ent­standen. So gab es mehrere Treffen von Amazon-Beschäf­tigten aus Polen und Deutschland. Besonders die in der anarcho-syn­di­ka­lis­ti­schen Basis­ge­werk­schaft »Arbei­ter­initiative« (IP) orga­ni­sierten Kol­legen in Poznań soli­da­ri­sierten sich mit dem Arbeits­kampf in Deutschland. Solche län­der­über­grei­fenden Soli­da­ri­sie­rungen sind eher selten. Verdi koope­riert zudem in Polen mit der eher kon­ser­va­tiven Gewerk­schaft Soli­darność, nicht aber mit der kämp­fe­ri­schen IP. Dass es trotzdem zu einer Koope­ration der Beschäf­tigten kam, ist auch der Arbeit eines außer­ge­werk­schaft­lichen Soli­da­ri­täts­bünd­nisses zu ver­danken. Besonders in Leipzig hat es engen Kontakt mit dem Teil der Beleg­schaft ent­wickelt, der sich regel­mäßig an Streiks beteiligt. Es gab mitt­ler­weile drei bun­des­weite Treffen.

Höhe­punkt der Soli­da­ri­täts­woche soll die Blo­ckade des Amazon-Ver­teil­zen­trums in Berlin werden.

Für Ende November plant ein außer­be­trieb­liches Bündnis eine Soli­da­ri­täts­woche unter dem Motto »Make Amazon Pay«. Höhe­punkt soll die Blo­ckade des Amazon-Ver­teil­zen­trums in Berlin am 24. November werden. Der Termin ist mit Bedacht gewählt. Seit Wochen bewirbt das Ver­sand­un­ter­nehmen den 24. November als »Black ­Friday«. An diesem Tag will Amazon mit besonders güns­tigen Ange­boten ­locken, so dass das Bestel­lauf­kommen ent­spre­chend hoch sein dürfte. Das Bündnis rechnet sich deshalb besonders gute Chancen aus, dem Konzern Ein­nah­me­aus­fälle zu bescheren. Ein solcher Erfolg im Sinne der Initia­toren wird aber nur ein­treten, wenn die Aktion nicht auf einen Standort beschränkt bleibt. Jonathan Schneider vom Vor­be­rei­tungs­kreis äußerte sich im Gespräch mit der Jungle World opti­mis­tisch. Er geht davon aus, dass das Vor­haben in meh­reren euro­päi­schen Ländern unter­stützt wird.


Akti­onstag zum »Black Friday« Ende November

Auf einem bun­des­weiten Vor­be­rei­tungs­treffen Mitte Sep­tember in Berlin waren auch eine Gruppe von Beschäf­tigten aus Poznań und ein Betriebs­rats­mit­glied vom Standort Brie­selang anwesend. Für kri­tische Nach­fragen sorgte aller­dings die Abwe­senheit von Beschäf­tigten aus streik­er­fah­renen Unter­neh­mens­stand­orten wie Bad Hersfeld und Leipzig. Das Bündnis wolle in den kom­menden Wochen diesen Kontakt ver­stärken, sagten die Orga­ni­sa­toren, bei denen das kom­mu­nis­tische Bündnis »Ums Ganze« feder­führend ist. Ver­treten sind auch Mit­glieder des Redak­ti­ons­kol­lektivs Capulcu. Sie ver­stehen sich als »tech­no­lo­gie­kri­tische Akti­visten und Hack­ti­visten« und bringen dieser Tage unter dem Titel »Disrupt! Wider­stand gegen den tech­no­lo­gi­schen Angriff« ein Buch heraus, in dem sie den Angriff »auf die Len­kungs­logik einer Big-Data-ani­mierten Selb­st­op­ti­mierung« pro­pa­gieren.

Der Amazon-Konzern ist für Capulcu die Speer­spitze einer solchen Ent­wicklung. Daher betont der Vor­be­rei­tungs­kreis für den Akti­onstag zum »Black Friday«, dass es ihm nicht nur um die For­de­rungen der Beschäf­tigten nach einem bes­seren Tarif­vertrag und mehr Lohn gehe. »Amazon ist stil­prägend für ein neues Pro­duk­ti­ons­modell, in dem intel­li­gente Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie zur effek­ti­veren Unter­werfung mensch­licher Arbeit genutzt wird«, sagte ein Capulcu-Ver­treter auf dem Ber­liner Treffen. Amazon binde die Nutzer nicht nur beim Online-Shopping in den Prozess per­ma­nenter Bemessung und Bewertung ein. Ein Bei­spiel dafür sei die Aus­wertung sämt­licher ver­füg­barer Nut­zer­daten. Die Amazon-Beschäf­tigten seien bereits vom Einsatz intel­li­genter Infor­ma­ti­ons­tech­no­logie betroffen. So gebe bei dem Konzern eine ler­nende Lager­software das Tempo und die Abfolge der Arbeits­schritte vor.

Ob die jüngsten Streiks tat­sächlich die Aus­lie­ferung von »Fifa 18« ver­zögert ­haben, ist umstritten. »Das Unter­nehmen musste Kunden Briefe schicken, dass das Fifa-Spiel nicht recht­zeitig geliefert werden kann und statt­dessen ein Fünf-Euro-Gut­schein zur Ver­fügung gestellt wird«, sagte Verdi-Spre­cherin Zimmer. Ein Amazon-Sprecher ehauptete hin­gegen, das Lie­fer­ver­sprechen des Unter­nehmens sei ein­ge­halten worden.

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Peter Nowak

Linke wollen Amazon blockieren

Akti­ons­woche rund um die Schnäpp­chentage am Standort Berlin geplant

Der Countdown läuft. Am 24. November 2017 ist Black-Friday beim Online-Riesen Amazon. Auf der Homepage werden schon die Tage, Stunden, Minuten und Sekunden gezählt. Ange­lehnt an das US-Ern­te­dankfest offe­riert Amazon an diesem Tag besonders günstige Pro­dukte. Doch nicht nur Schnäpp­chen­jäger bereiten sich vor. Unter dem Motto »Make Amazon Pay« planen linke Gruppen vom 20. bis 26. November eine Akti­ons­woche, in der der Umgang des Online­kon­zerns mit den Beschäf­tigten the­ma­ti­siert werden soll. Als Höhe­punkt am 24. November kün­digen sie an, das Amazon-Ver­teil­zentrum in Berlin zu blo­ckieren. Damit soll der aus­dau­ernde Kampf von Amazon-Beschäf­tigten ver­schie­dener deut­scher Standorte für einen Tarif­vertrag nach den Bestim­mungen des Ein­zel­handels unter­stützt werden. 

Seit fast vier Jahren legen Beschäf­tigte an ver­schie­denen Amazon-Stand­orten immer wieder die Arbeit nieder – auch in der Adventszeit. Außer­par­la­men­ta­rische linke Gruppen ver­suchen, den Strei­kenden den Rücken zu stärken. Von ihnen stammt auch der Vor­schlag, den Schwarzen Freitag zum Anlass für eine neue Kam­pagne zu nehmen. Der Vor­schlag wurde vom Ums-Ganze-Bündnis in die Dis­kussion gebracht, das Teil der post­au­to­nomen Linken ist. Schon im Rahmen der Pro­teste gegen den G 20-Gipfel in Hamburg war es an der Hafen­blo­ckade beteiligt, mit der die Beschäf­tigten im Logis­tik­sektor unter­stützt werden sollten. »Wir wollen mit der Akti­ons­woche rund um den Schwarzen Freitag die Wirkung der vor­weih­nacht­lichen Streiks ver­stärken«, meinte Jonathan Schneider von der Vor­be­rei­tungs­gruppe. Beteiligt sind auch Gewerk­schafter aus dem pol­ni­schen Amazon-Standort Poznan. Sie sind in der Basis­ge­werk­schaft IP orga­ni­siert und haben sich bereits mehrmals mit dem Kampf der Amazon-Beschäf­tigten in Deutschland soli­da­ri­siert. Bei einem Pla­nungs­treffen in Berlin kri­ti­sierten sie genauso wie Amazon-Beschäf­tigte aus dem Bran­den­burger Brie­selang »die Methode Heuern und Feuern«, die in dem Unter­nehmen üblich sei. Agnieszka Mroz von der IP-Poznan sieht in der Black-Friday-Kam­pagne eine Mög­lichkeit, den Druck auf den Konzern zu erhöhen. Es geht ihnen nicht nur um zu wenig Lohn, auch die ständige Über­wa­chung wird als Problem benannt. Die finde nicht nur vor Ort am Arbeits­platz statt, sondern reiche weit ins Pri­vat­leben hinein. So würden Beschäf­tigte sogar zu Hause von Amazon auf­ge­sucht, wenn sie häu­figer krank sind, wie pol­nische Gewerk­schafter berichten. Bei der Akti­ons­woche soll Amazon deshalb auch als Vor­reiter von Kon­trolle und Über­wa­chung am Arbeits­platz kri­ti­siert werden.

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Peter Nowak


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