Auf dem Weg zum transnationalen sozialen Streik?

Ein Kon­fe­renz­be­richt von Peter Nowak*

Bereits Mitte Sep­tember hatten sich rund 30 Amazon-Beschäf­tigte zu einem grenz­über­schrei­tenden Aus­tausch in Poznan, Sitz eines neu­eröff­neten Amazon-Lagers in Polen getroffen, um über Auswege aus der ver­fah­renen Situation im Kampf um Handels–Tarife für die Beschäf­tigten des Logis­tik­riesen zu beraten. Am ersten Okto­tober-Wochenende fand dort ein wei­teres Treffen statt, das aus dem Blockupy-Arbeits­kreis zum Thema »trans­na­tionale Streiks« heraus ent­standen war. Das sieht nach Akti­vität aus – selbst von Poznan nach Poznan scheint es aller­dings ein weiter Weg, wenn noch nicht einmal vor Ort Begeg­nungen statt­finden und die Ver­netzung schon an Grund­satz­fragen wie »Was ist und wozu dient gewerk­schaft­liche Orga­ni­sierung?« scheitert. Paralell zu den im Fol­genden beschrie­benen Treffen fand eben­falls am 3.4.Oktober auf Initiative von RLS/​Die Linke ein Treffen zum Thema »Soli­da­rität über Grenzen hinweg« in Berlin statt, auf dem Ver­tre­te­rInnen von Amazon-Beleg­schaften aus Spanien, Frank­reich und Polen zusammen mit rund 50 deut­schen Amazon-Kol­le­gInnen über gemeinsame Stra­tegien dis­ku­tierten. Schade eigentlich.…

Die west­pol­nische Stadt Poznan hat sich in der letzten Zeit zu einem Ort des Akti­vismus in Sachen Arbeits­kampf und soziale Bewe­gungen ent­wi­ckelt. . Mitte Sep­tember hatten sich ca. 30 Amazon-Beschäf­tigte vor allem aus Polen und Deutschland in Poznan über die bessere Koor­di­nierung trans­na­tio­naler Arbeits­kampf­stra­tegien aus­ge­tauscht. Ein­ge­laden wurden sie von der anar­cho­syn­di­ka­lis­ti­schen pol­ni­schen Gewerk­schaft Inicjatywa Pra­cow­nicza (IP, Arbei­ter­initiative). Ihr ist es in wenigen Monaten gelungen, Kol­le­gInnen im Amazon-Werk in Poznan zu orga­ni­sieren, das im Winter 2014 von dem Amazon-Management auch mit dem Ziel errichtet wurde, eine Alter­native zu haben, wenn in Deutschland gestreikt wird. Doch die Spal­tungs­ver­suche sind bisher nicht auf­ge­gangen. Im Juni 2015 hatte die IP erstmals eine Soli­da­ri­täts­aktion mit den strei­kenden Amazon-Beschäf­tigten in Deutschland orga­ni­siert. Als das Management durch den ver.di-Streik bedingte Aus­fälle im Werk von Poznan aus­gleichen wollte, traten hun­derte Beschäf­tigte in einen mehr­stün­digen Bum­mel­streik.

Genau diese Amazon-Beschäf­tigen beim trans­na­tio­nalen Strike-Meeting kaum ver­treten, das am ersten Okto­ber­wo­chenende eben­falls in Poznan stattfand. „Block Aus­terity“ stand auf dem Trans­parent im großen Saal des Stadt­teil­zen­trums Amarant, in dem die ca. 150 Teil­neh­me­rInnen aus ganz Europa tagten. Zu den Mit­or­ga­ni­sa­to­rInnen gehörten Initia­tiven wie die Angry Workers aus Groß­bri­tannien sowie Akti­vis­tInnen sozialer Zentren Ita­liens. Aus Deutschland wurde vor allem von der Inter­ven­tio­nis­ti­schen Linken und dem Blockupy-Netzwerk zur Kon­ferenz geworben. Domi­niert wurde das Treffen von Gruppen der außer­par­la­men­ta­ri­schen Linken, die sich positiv auf Arbeits­kämpfe beziehen.

Mit oder ohne Gewerk­schaften?

Bei den Dis­kus­sionen in den Arbeits­gruppen zeigten sich schnell die unter­schied­lichen Bezüge der Kon­fe­renz­be­tei­ligten zu Streiks und Arbeits­kämpfen. So stellten Mit­glieder der ope­rais­tisch ori­en­tierten Angry Workers ihre Arbeit in Waren­häusern im Lon­doner Osten vor. Ein Mit­glied berichtete von seinem Arbeits­alltag im Betrieb. Dabei machte er seine Dif­ferenz zu gewerk­schaft­lichen Ansätzen deutlich. Den Angry Workers geht es darum, die Pro­bleme der Beschäf­tigten und deren Umgang damit kennen zu lernen und Kon­flikte zuzu­spitzen. Sie geben eine Zeitung heraus, in der über die Situation an ver­schie­denen Arbeits­stellen berichtet wird und die für Koope­ration wirbt. Gewerk­schaft­liche Reprä­sen­tation aber lehnen die Angry Workers ab.

Heiner Köhnen vom basis­ge­werk­schaft­lichen TIE-Netzwerk ori­en­tiert sich in der Gewerk­schafts­frage an den Inter­essen und Wün­schen der Kol­le­gInnen. In seinem Input berichtete er über Erfah­rungen, die das TIE-Netzwerk bei der Stärkung basis­ge­werk­schaft­licher Ansätze in mul­ti­na­tio­nalen Kon­zernen gemacht hat. Zu den Grund­sätzen des Netz­werkes gehört die För­derung von Selbst­or­ga­ni­sation auch gegen die Gewerk­schafts­ap­parate. Köhnen benannte aller­dings auch die Pro­bleme bei der Orga­ni­sation, deren Ursachen nicht bei Gewerk­schafts­ap­pa­raten und Par­teien, sondern in der Umstruk­tu­rierung der Arbeits­pro­zesse liegen. Oft seien für die Kon­trollen im Arbeits­prozess nicht mehr die Bosse oder irgend­welche Vor­ar­bei­te­rInnen, sondern scheinbar unab­hängige Markt­me­cha­nismen ver­ant­wortlich. Da fehle dann der Gegner, an dem sich Kon­flikte ent­zünden und radi­ka­li­sieren können. Das habe auch Ein­fluss auf die Haltung linker Gewerk­schafts­ak­ti­visten: „Es scheint heute attraktiv, sich als Teil eines Teams oder einer Betriebs­fa­milie zu ver­stehen. Vor diesem Druck zum Kor­po­ra­tismus können sich auch Kol­legen nicht frei­machen, die als linke Gewerk­schafter genau dagegen ange­treten sind.“ Mit Blick auf Bra­silien berichtet Köhnen, dass aus einem kämp­fe­ri­schen, von mehr als 11000 Beschäf­tigten geführtem Streik eine kor­po­ra­tis­tische Lösung als Ergebnis her­aus­ge­kommen ist. „Es wäre zu einfach, Co-Management nur als Problem der tra­di­tio­na­lis­ti­schen Gewerk­schafts­po­litik zu sehen. Das Problem liegt in der Änderung der Arbeits­or­ga­ni­sation, wo scheinbar nur noch objektive Markt­ge­setze walten“, so Köhnen zu einem zen­tralen Problem linker Gewerk­schafts­po­litik.

Streik als Teil des Kampfes gegen die Aus­teri­täts­po­litik

Zahl­reiche Kon­fe­renz­teil­neh­me­rInnen aus Deutschland sind durch die Block­u­py­pro­teste für die Arbeits­kämpfe sen­si­bi­li­siert worden. „Die wesentlich von Deutschland aus­ge­hende Aus­teri­täts­po­litik kann nicht nur mit Blo­ckaden und Groß­de­mons­tra­tionen bekämpft werden. Kämpfe am Arbeits­platz ebenso wie der Wider­stand gegen Zwangs­räu­mungen und Ver­treibung aus den Stadt­teilen sind die wich­tigen All­tags­kämpfe, die Men­schen poli­ti­sieren und mobi­li­sieren“, erklärte ein Ber­liner Blockupy-Aktivist. Am 31. Mai 2014 wurde im Rahmen der euro­päi­schen Blockupy-Akti­onstage der Geschäfts­be­trieb von Beklei­dungs­läden auf der Frank­furter Zeil für einen Tag lahm­gelegt. Dabei wurden die schlechten Arbeits­be­din­gungen der Beschäf­tigten ebenso the­ma­ti­siert wie die inter­na­tio­nalen Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse der Beklei­dungs­in­dustrie. An diesem Tag koope­rierten die Akti­visten auch mit der Beleg­schaft einer Filiale, die zeit­gleich für höhere Löhne streikte. Doch die Kon­takte mit den Beschäf­tigten waren tem­porär. Ein län­ger­fris­tiger Kontakt ist meistens nicht ent­standen. Ein wei­terer Versuch, Arbeits­kämpfe und radikale Linke zu ver­binden, wurde auf der Kon­ferenz gar nicht mehr ange­sprochen: der Aufruf zur Unter­stützung eines euro­päi­schen Gene­ral­streiks, der im Jahr 2013 aus dem links­ra­di­kalen Mobi­li­sie­rungs­netzwerk M31 zur Dis­kussion gestellt wurde. Die Initiative war unter dem Ein­druck eines großen Streiks in ver­schie­denen süd­eu­ro­päi­schen Ländern im November 2012 ent­standen. Eine kri­tische Reflexion über die Gründe des Schei­terns wäre durchaus auch in Poznan sinnvoll gewesen. Dabei wäre man sicher auf Pro­bleme gestoßen, die auch auf der Kon­ferenz deutlich wurden.

Auf der Suche nach den sozialen Streiks

In den Dis­kus­sionen auf der Kon­ferenz spielt die Defi­nition des sozialen Streiks eine wichtige Rolle: Ein zen­trales Merkmal ist die Selbst­or­ga­ni­sation der Beschäf­tigten, die von Gewerk­schaften unter­stützt, aber nicht ange­leitet werden sollen. Außerdem soll der soziale Streik neben dem Arbeits­kampf im Betrieb auch die Aus­ein­an­der­setzung um die Miete und den Wohnraum umfassen. Ein sozialer Streik ist also ein Arbeits­kampf, der auf die Gesell­schaft aus­strahlt. Ein gutes Bei­spiel gab in einem Workshop in Poznan Paul L., ein vor einigen Wochen gekün­digter Mit­ar­beiter der Lebens­hilfe Frankfurt/​Main. Seit Monaten kämpfen dort Beschäf­tigte für höhere Löhne und bessere Arbeits­be­din­gungen. An einer Pro­test­kund­gebung während eines Gar­ten­fests der Lebens­hilfe waren Symbole der DGB-Gewerk­schaften GEW und ver.di ebenso zu sehen wie die schwarz­roten Fahnen der Freien Arbeiter Union. Im Anschluss an die Pro­test­kund­gebung for­mierte sich eine Demons­tration, die durch den Stadtteil Bornheim zog, wo auf den Zusam­menhang zwi­schen Hartz IV, Nied­riglohn, Miet­schulden und Zwangs­räu­mungen hin­ge­wiesen wurde.

Die Debatte über den trans­na­tio­nalen Streik, wie sie in Poznan ange­schnitten wurde, ist sehr wichtig. Doch wird es eine Fort­setzung geben? Das blieb bisher offen. Dann sollte ein wesent­liches Ver­säumnis aus Poznan nicht wie­derholt werden. Auf der Kon­ferenz wurde nicht ver­sucht, mit Initia­tiven zu koope­rieren, die bereits seit vielen Jahren einen trans­na­tio­nalen Wider­stand gegen prekäre Arbeits- und Lebens­ver­hält­nisse zu orga­ni­sieren ver­suchen. Dazu gehört das euro­päische Eurom­arsch-Netzwerk, das bereits seit fast 20 Jahren euro­paweit gegen Pre­ka­ri­sierung aktiv ist. Es wäre sicher inter­essant gewesen, sich mit Ver­tre­te­rInnen dieses Netz­werks über ihre Erfah­rungen aus­zu­tau­schen.

Viele Fragen wurden in Poznan ange­sprochen und kon­trovers dis­ku­tiert. Dazu gehörte der Vor­schlag einer Plattform mit den vier For­de­rungen nach einem euro­päi­schen Min­destlohn, euro­päi­schem Grund­ein­kommen, euro­päi­schen Sozi­al­leis­tungen und einer Min­dest­auf­ent­halts­er­laubnis für Geflüchtete.

Schluss­endlich bleibt natürlich die Frage: Wird über trans­na­tio­nalen Streik nur debat­tiert oder wird er auch prak­ti­ziert? Einige kon­krete Aktionen für län­der­über­grei­fende Arbeits­kampf­ak­ti­vi­täten wurden in Poznan eben­falls vor­ge­stellt. So wird in meh­reren euro­päi­schen Ländern für einen koor­di­nierten Streik von Migran­tInnen am 1. März 2016 mobi­li­siert. In meh­reren Ländern ist der 1. März bereits seit einigen Jahren ein Akti­onstag für migran­tische Rechte. Öster­rei­chische Initia­tiven haben dazu eine infor­mative Homepage erstellt (http://​www​.1maerz​-streik​.net/​i​n​d​e​x.php). Für die län­der­über­grei­fende Amazon-Karawane steht bisher ebenso wenig ein Termin fest wie für die nächsten euro­pa­weiten Blockupy-Akti­onstage.

express – Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

Ausgabe: Heft 11/2015

http://​www​.labournet​.de/​e​x​p​ress/

Peter Nowak

Verschieden und vereint

Wirt­schaft & Soziales: Im pol­ni­schen Poznan trafen sich Aktivist_​innen zu einer inter­na­tio­nalen Streik­kon­ferenz

Die west­pol­nische Stadt Poznan geriet im Sommer in die Schlag­zeilen, weil dort Beschäf­tigte eines Amazon-Werks für das Angleichen von Löhnen und Arbeits­be­din­gungen an die Ver­träge in anderen euro­päi­schen Ländern pro­tes­tierten und sich zugleich mit den Streiks bei Amazon in Deutschland soli­da­ri­sierten. (ak 607) Am ersten Okto­ber­wo­chenende trafen sich in Poznan etwa 150 Aktivist_​innen aus ganz Europa, um sich über die Mög­lich­keiten eines trans­na­tio­nalen sozialen Streiks aus­zu­tau­schen. Hin­ter­grund des Treffens ist die Ein­schätzung, dass der wesentlich von Deutschland aus­ge­henden Aus­teri­täts­po­litik nicht nur mit Blo­ckaden und Groß­de­mons­tra­tionen begegnet werden kann. Kämpfe am Arbeits­platz ebenso wie der Wider­stand gegen Zwangs­räu­mungen und die Ver­treibung aus den Stadt­teilen sind wichtige All­tags­kämpfe, die Men­schen fern von Events poli­ti­sieren und mobi­li­sieren. Ein Ansatz, der bereits Schule gemacht hat. So wurde am 31. Mai 2014 im Rahmen der euro­päi­schen Blockupy-Akti­onstage der Geschäfts­be­trieb von Beklei­dungs­läden auf der Frank­furter Zeil lahm­gelegt. Dabei sollten die schlechten Arbeits­be­din­gungen der Beschäf­tigten ebenso the­ma­ti­siert werden wie die inter­na­tio­nalen Aus­beu­tungs­ver­hält­nisse der Beklei­dungs­in­dustrie. An diesem Tag koope­rierten die Aktivist_​innen auch mit der Beleg­schaft einer Filiale, die für höhere Löhne streikte. Am Rande der Blockupy-Demons­tration in diesem Jahr in Frankfurt am Main und auf einem Nach­be­rei­tungs­treffen in Berlin tagte die AG Arbeits­kämpfe des Blockupy-Bünd­nisses. Mit dem Treffen in Poznan wei­teten die Aktivist_​innen die Dis­kussion über Län­der­grenzen hinaus aus und legten einen Schwer­punkt auf die Ver­hält­nisse ins Ost­europa.
In den Arbeits­gruppen standen die Aspekte des sozialen Streiks im Mit­tel­punkt. Ein wich­tiges Merkmal ist die Selbst­or­ga­ni­sation der Beschäf­tigten, die Gewerk­schaften zwar unter­stützen, aber nicht anleiten sollen. Das Konzept des sozialen Streiks umfasst, dass der Arbeits­kampf nicht auf den Betrieb begrenzt bleibt. Ein Bei­spiel gab ein vor einigen Wochen ent­las­sener Mit­ar­beiter der Lebens­hilfe Frankfurt am Main, wo Beschäf­tigte für höhere Löhne und bessere Arbeits­be­din­gungen kämpften. An einer Pro­test­kund­gebung während eines Gar­ten­fests der Lebens­hilfe betei­ligten sich neben den DGB-Gewerk­schaften GEW und ver.di auch die Freie Arbeiter Union (FAU). Im Anschluss gab es eine Demons­tration durch den Stadtteil Bornheim, wo auch der Zusam­menhang von Hartz IV, Nied­riglohn, Miet­schulden und Zwangs­räu­mungen the­ma­ti­siert wurde. Solche Bei­spiele von sozialen Streiks häufen sich.

Hoffnung auf einen trans­na­tio­nalen Sozi­al­streik
Die Kämpfe von Migrant_​innen prägten die Kon­ferenz. Den Anfang machte ein aktu­eller Bericht von der kroa­tisch-unga­ri­schen Grenze. In einem Akt staatlich orga­ni­sierter Flucht­hilfe öff­neten sich für unzählige Migrant_​innen die Grenze, teil­weise wurden sie bis nach Öster­reich oder Deutschland gefahren. Ange­sichts dieser Erfolge dis­ku­tierten die Teilnehmer_​innen die Frage, ob die Migra­ti­ons­be­we­gungen den Kämpfen gegen Aus­terität neuen Schwung geben können. Doch nicht nur an den ter­ri­to­rialen Grenzen der EU sind migran­tische Kämpfe zentral: Die Streiks in der Logis­tik­branche Nord­ita­liens trugen Migrant_​innen und auch die zu ihrer Unter­stützung besetzten Häuser werden ins­be­sondere von Arbeitsmigrant_​innen und ihren Familien bewohnt. In Frank­reich besetzten Migrant_​innen diesen Sommer Leih­ar­beits­firmen wie Adecco, Randstad und Man­power und die spa­nische 15‑M Bewegung gründete bereits in fünf euro­päi­schen Städten soge­nannte Ofi­cinas Pre­carias. Hier finden pre­ka­ri­sierte Arbeiter_​innen Unter­stützung, um sich gegen Über­aus­beutung und die zuneh­mende Ver­wehrung sozialer Rechte zu wehren. »Wo zuvor die Grund­rechte der Frei­zü­gigkeit bestanden, ist nun die Rede von Pri­vi­legien, von Rechten auf der Basis von Ver­diensten am Arbeits­markt, welche zur Bedingung für den län­ger­fris­tigen Auf­enthalt und den Zugang zu sozialen Leis­tungen gemacht werden«, so Nicola von den Berlin Migrant Strikers.
Am Ende des Treffens stand fest, dass ein trans­na­tio­naler Streik nicht ohne die Kämpfe der Migration denkbar ist, nicht zuletzt weil die der­zei­tigen kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nisse auf die Regu­lation von Mobi­lität ange­wiesen sind.
Der Ver­such­eines trans­na­tio­nalen Streiks muss sicherlich von dem Paradox aus­gehen, dass wir alle von Pre­ka­ri­sierung und Aus­beutung betroffen sind, dennoch unter­schied­liche Pro­bleme und For­de­rungen haben. »Gerade die Frage der sozialen Leis­tungen wird heute genutzt, um Hier­ar­chien zwi­schen Migranten und Staats­bürgern, zwi­schen neuen und alten Migranten, zwi­schen EU-externen und internen Migranten zu schaffen«, so Paola von der Gruppe Pre­ca­rious (Dis)Connections aus Bologna. Daraus ergeben sich zwei zen­trale Her­aus­for­de­rungen: Es könne nicht nur um die Arbeiter_​innen gehen, die eine Auf­ent­halts­ge­neh­migung in der Tasche haben, betonte Paola. Eine weitere Her­aus­for­derung bestehe darin, nicht nur Arbeits­kämpfe, sondern das Soziale ins­gesamt zu repo­li­ti­sieren, damit Streiks unter den neo­li­be­ralen Ver­hält­nissen wieder eine gesell­schaft­liche Kraft ent­wi­ckeln, wie Tomas von der Inter­ven­tio­nis­ti­schen Linken bemerkte.
Schon im Vorfeld des Treffens stand der Vor­schlag im Raum, den Prozess des trans­na­tio­nalen sozialen Streiks um eine gemeinsame poli­tische Plattform von vier For­de­rungen herum auf­zu­bauen: euro­päi­scher Min­destlohn, euro­päi­sches Grund­ein­kommen, euro­päische Sozi­al­leis­tungen und Min­dest­auf­ent­halts­er­laubnis für Migrant_​innen in der EU. Diese For­de­rungen blieben umstritten: Manchen erschienen sie zu refor­mis­tisch, anderen zu uto­pisch, einigen zu euro­zen­trisch. Dennoch ver­ein­barten die Aktivist_​innen, zum 1. März 2016 mit ver­einten Kräften zu einem euro­pa­weiten Migran­t_innen-Streik zu mobi­li­sieren. Zudem soll die Karawane von Amazon-Arbei­ter_innen zwi­schen Stand­orten in Italien, Frank­reich, Deutschland und Polen unter­stützt werden, falls sich die Arbeiter_​innen im Februar für diese Aktion ent­scheiden. Für nächstes Jahr ist ein wei­teres trans­na­tio­nales Sozi­al­streik­treffen geplant.
Peter Nowak ist freier Journalist und Aktivist aus Berlin.
Lisa Riedner ist Migrationsforscherin und betreibt mit der
Initiative Zivilcourage ein temporäres workers center in München.

ak 609 vom 20.10.2015

https://​www​.akweb​.de/

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Ita­lie­nische Über­setzung des Artikels:

Dif­fe­ren­ziato e con­nesso. Sul meeting trans­na­zionale di Poznan

di PETER NOWAK e LISA RIEDNER

Nowak Rieder PoznanPubbli­chiamo la tra­du­zione ita­liana dell’articolo di Peter Nowakgiorna­lista free­lance e atti­vista di Berlino – e Lisa Riedner – ricer­catrice nel campo delle migra­zioni e atti­vista presso un tem­porary workers center della Initiative Zivil­courage di Monaco. L’articolo è com­parso sul n. 609 della rivista «Analyse & Kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis» il 20 ottobre 2015.

La scorsa estate la città polacca di Poznan è salita alla ribalta per la pro­testa dei lavor­atori di Amazon, che hanno riven­dicato un ade­gu­a­mento dei propri salari e delle proprie con­di­zioni di lavoro ai cont­ratti esis­tenti negli altri paesi europei, espri­mendo soli­da­rietà con gli scioperi dei lavor­atori di Amazon in Ger­mania.

Nel primo week-end di ottobre circa 150 attivisti/​e pro­ve­nienti da tutta l’Europa, si sono incontrati a Poznan per con­fron­tarsi sulle pos­si­bilità di uno sciopero sociale trans­na­zionale. Alla base dell’incontro c’è la con­si­de­ra­zione che non sia pos­sibile front­e­ggiare la politica di aus­terità intra­presa dalla Ger­mania solo attra­verso blocchi e grandi mani­fes­ta­zioni. Lotte importanti sono anche le battaglie che quo­ti­dia­na­mente si svolgono sul posto di lavoro o le resis­tenze contro gli sfratti e le espul­sioni dai quar­tieri. Queste lotte, infatti, riescono a mobi­litare e poli­ti­cizzare le persone che le grandi mani­fes­ta­zioni non riescono ad attrarre. Si tratta di un approccio che ha già fatto scuola. Già il 31 maggio 2014, durante le Blockupy-Akti­onstage, fu bloccata l’attività di tutti i negozi di abbigli­a­mento nella Frank­furter Zeile [la via com­mer­ciale] a Fran­co­forte. Ciò serviva a den­un­ciare le pessime con­di­zioni di lavoro dei dipen­denti e i rap­porti di sfrut­ta­mento nell’industria tessile. Durante questa giornata, atti­visti e atti­viste hanno cooperato con i lavor­atori di un negozio che scioper­avano per l’aumento di salario. Quest’anno, poi, nel corso della tre giorni di Blockupy a Fran­co­forte e durante un incontro di pre­pa­ra­zione a Berlino si è riunito il gruppo di lavoro «Lotte del lavoro» della coali­zione di Blockupy. Durante l’incontro a Poznan, inoltre, atti­visti e atti­viste hanno all­argato la pros­pettiva della dis­cus­sione, andando oltre i confini dei propri Stati e mettendo l’accento sui rap­porti con l’Europa dell’Est.

Tema cen­trale dei gruppi di lavoro sono stati i diversi aspetti dello sciopero sociale. Un aspetto molto importante è quello dell’auto-organizzazione dei lavor­atori, che dov­rebbe essere sos­tenuta, ma non guidata, dai sin­dacati. L’idea dello sciopero sociale è che le lotte del lavoro non devono rimanere con­finate nelle singole aziende. Un esempio è rapp­re­sentato dal licen­zia­mento, qualche set­timana fa, di un dipen­dente della Lebens­hilfe di Fran­co­forte, i cui lavor­atori stavano lottando per un salario più alto e migliori con­di­zioni di lavoro. In una mani­fes­ta­zione di pro­testa, svoltasi durante una festa della Lebens­hilfe, si è vista la par­te­ci­pa­zione della Freie Arbeiter Union (FAU), accanto ai sin­dacati DGB – Gewerschaften dei GEW e Ver.di. Alla fine dell’evento, si è svolta una mani­fes­ta­zione nel quar­tiere di Bornheim, in cui è stata tema­tizzata la rela­zione tra Hartz IV, bassi salari, affitti arretrati e sfratti. Queste forme di sciopero sociale sono in aumento.

La spe­ranza di uno sciopero sociale trans­na­zionale

L’incontro di Poznan è stato carat­te­rizzato dalle lotte dei migranti. Uno degli inter­venti di apertura ha rac­contato quanto avvenuto di recente sul confine croato-ung­herese. Attra­verso un’azione della Flucht­hilfe – orga­nizzata a livello statale – si sono aperte le fron­tiere per molti migranti, che sono in parte riusciti a rag­gi­ungere l’Austria e la Ger­mania. A partire dalla capacità dei migranti di mettere in ques­tione i confini, i par­te­ci­panti al meeting di Poznan si sono chiesti se i movi­menti dei migranti possano dare un nuovo impulso alle lotte contro l’austerità. Le lotte dei migranti, infatti, non sono rile­vanti solo ai confini dell’Europa. Nell’Italia set­ten­trionale sono stati i migranti che hanno portato avanti gli scioperi nel settore della logistica e preso parte insieme alle famiglie all’occupazione delle case in sup­porto agli scioperi. In Francia quest’estate i migranti hanno occupato gli immobili delle società di lavoro inte­rinale come Adecco, Randstad e Man­power e il movi­mento spa­gnolo 15M ha fondato già in 5 città europee le cosid­dette Ofi­cinas Pre­carias. Qui i lavor­atori precari trovano sostegno nella lotta contro l’intensificazione dello sfrut­ta­mento e la cre­scente sot­tra­zione di diritti sociali. «Dove prima c’erano diritti fon­da­mentali di libera cir­co­la­zione, ora si parla di pri­vilegi, di diritti basati sui gua­dagni nel mercato del lavoro, diritti che diventano la con­di­zione per un sog­giorno a lungo termine e per l’entrata nel welfare sociale», come dice Nicola dei Berlin Migrant Strikers.

Al termine dell’incontro è risultato chiaro che uno sciopero trans­na­zionale non è pensabile senza le lotte dei migranti, non da ultimo per il fatto che il capi­ta­lismo con­tem­poraneo dipende dal governo della mobilità. L’esperimento di uno sciopero trans­na­zionale deve sicur­a­mente partire dal para­dosso che tutti siamo colpiti dalla pre­ca­riz­za­zione e dallo sfrut­ta­mento e che, allo stesso tempo, abbiamo pro­blemi e riven­di­ca­zioni diversi. «Le pre­s­ta­zioni sociali sono oggi uti­lizzate per creare gerarchie tra migranti e cittadini, tra nuovi e vecchi migranti, tra migranti esterni e interni all’Europa», dice Paola del gruppo ∫connes­sioni Pre­carie di Bologna. Da ciò derivano due sfide fon­da­mentali: non si tratta solo di far rife­ri­mento ai lavor­atori con un per­messo di sog­giorno in tasca, dice Paola. Un’altra sfida è ripo­li­ti­cizzare, oltre alle lotte del lavoro, anche il sociale nel suo comp­lesso, in modo che gli scioperi svi­luppino nuo­va­mente una forza sociale per con­trastare il neo­li­be­ra­lismo, come nota Thomas di Inter­ven­tio­nis­tische Linke.

Già prima del meeting era stata pre­sentata la pro­posta di cos­truire il pro­cesso dello sciopero sociale trans­na­zionale attorno a una piat­ta­forma politica comune con quattro riven­di­ca­zioni: salario minimo europeo, reddito di base europeo, welfare sociale e per­messo di sog­giorno minimo europei per migranti nella EU. Queste riven­di­ca­zioni restano ancora con­tro­verse: ad alcuni sem­brano ecces­siv­a­mente rifor­miste, ad altri troppo uto­piche, ad altri ancora troppo euro­cent­riche. Cio­no­no­stante gli atti­visti hanno con­cordato una mobi­li­ta­zione che, unendo le forze, possa portare a uno sciopero europeo attorno alla ques­tione del lavoro migrante il primo marzo 2016. Dov­rebbe inoltre essere sos­tenuta la carovana dei lavor­atori e delle lavor­atrici di Amazon nelle diverse sedi in Italia, Francia, Ger­mania e Polonia, se questi deci­dessero una mobi­li­ta­zione per feb­braio. Un altro meeting per lo sciopero sociale trans­na­zionale è stato pia­ni­ficato per il prossimo anno.

Differenziato e connesso. Sul meeting transnazionale di Poznan