„Wir für Deutschland“ im freien Fall

Das rechts­po­pu­lis­tische Bündnis WfD konnte für seine Demons­tration nicht die Straße nutzen, weil die erfor­der­lichen 50 Teilnehmer/​innen nicht zusammen kamen.

Wir sind das Volk“ stand auf dem Leit­trans­parent. Dahinter grup­pierten sich am gest­rigen Montag knapp 40 Per­sonen mit Deutsch­land­fahnen. Einige trugen T-Shirts mit Motiven von in der rechten Szene beliebter Bands. Das Bündnis „Wir für Deutschland“ (WfD) um den ehe­ma­ligen „pro-Deutschland“-Funktionär Enrico Stubbe hatte über Internet zu reger Betei­ligung auf­rufen Schließlich wollte man wieder einmal in den Stadtteil Kreuzberg ziehen und in einer migran­ti­schen Gegend die Abschluss­kund­gebung ver­an­stalten.

Doch so oft der Anmelder und ein Unter­stützer auch die Per­sonen zählt, es wollten einfach nicht die erfor­der­lichen 50 Teilnehmer/​innen werden, die für eine Demons­tration auf der Fahrbahn erfor­derlich sind. Mehr­malige Aufrufe an die Pas­san­tinnen und Pas­santen am Rande, sich doch ein­zu­reihen, um noch auf die nötige Zahl zu kommen, blieben erfolglos. Vom Rande wurde das eher kaba­ret­tis­tische Schau­spiel mit Spott ver­folgt. Kurz­zeitig brandete unter der kleinen Schar der Demons­trie­renden Jubel auf. Man meinte wohl, jetzt doch die nötige Teil­neh­merzahl zusammen bekommen zu haben, nur um dann fest­zu­stellen, dass man sich schlicht ver­zählt hat.

„Festung Europa ver­tei­digen“ inmitten von Tou­risten

Schließlich musste man sich mit dem Fuß­gän­gerweg begnügen. Dort gingen die Teilnehmer/​innen im Tou­ris­ten­strom rund um den S-Bahnhof Fried­rich­straße aller­dings ziemlich unter. Nur gele­gent­liche Parolen wie „Festung Europa ver­tei­digen“ sorgten kurz für Auf­merk­samkeit. Der bla­mable Auftakt schlug auf die Stimmung der Rechten um. Mehrere Redner/​innen übten sich in einer Kritik an einer angeblich ver­gnü­gungs­süch­tigen Masse, die kein Interesse an den deut­schen Inter­essen zeigen würde.

Man ima­gi­nierte sich als kleiner Trupp der Auf­rechten, die sich trotz des Miss­erfolgs bei der Mobi­li­sierung nicht beirren lassen. Doch ein Ende der mon­täg­lichen Demons­tra­tionen des Bünd­nisses „Wir für Deutschland“ dürfte nach den wöchent­lichen Pleiten absehbar sein. Seit März wurde zu den Kund­ge­bungen auf­ge­rufen und die Teil­neh­merzahl blieb immer unter 50.

Mobi­li­sierung für den 3. Oktober

Zeit­gleich traf sich auch eine andere rechte Klein­gruppe nur knapp zwei Kilo­meter ent­fernt am Ber­liner Haupt­bahnhof zur „Bärgida“-Demonstration. Auch dort ist Sta­gnation prägend. Mit dem getrennten „Wir für Deutschland“-Aufmarsch ver­suchte die Gruppe um Stubbe, neue Men­schen für die rechts­po­pu­lis­ti­schen Aufzüge zu inter­es­sieren. Das dürfte erkennbar gescheitert sein. Dafür wird auf der Start­seite von „Wir sind Deutschland“ bereits für eine Demons­tration am „Tag der Nation“, den 3. Oktober 2018, am Haupt­bahnhof mobi­li­siert.

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aus: Blick nach Rechts, 10.4.2018

Peter Nowak

Rechter Schulterschluss gegen Merkel

Akteure aus unter­schied­lichen rechten Spektren nutzen das schreck­liche Attentat vom Montag in Berlin für ihren Protest gegen die Bun­des­re­gierung und gegen Flücht­linge.

Es lebe AfD und Pegida“ und „ Es lebe Ein­Prozent und Festung Europa“, so stand auf den Trans­pa­renten bei einer knapp ein­stün­digen Mahn­wache gegenüber dem Kanz­leramt am Mitt­woch­abend. Damit war auch das poli­tische Spektrum benannt, das dazu auf­ge­rufen hatte. Der neu­rechte Ideologe und Publizist Götz Kubit­schek aus Schnellroda in Sachsen-Anhalt von der „Initiative „Ein­Prozent“ eröffnete die Kund­gebung. Im Anschluss sprach ein Pfarrer im Talar ein kurzes Gebet. Das war der einzige Rede­beitrag. Im Anschluss wurden klas­sische Musik und das Deutsch­landlied gespielt.

Auf den wenigen Schildern, die gezeigt wurden, standen Parolen wie „Berlin ver­tei­digen“, Régime change now!“ / (Regie­rungs­wechel jetzt), „Merkel muss weg“. Aus dem Spektrum der „Reichs­bür­ger­be­wegung“ kam die Parole. „Auto­nomie für Deutsche sofort! – Glo­bal­fa­schismus BRD – Schutz vor Regen­bogen-Faschisten“. Anwesend waren der Thü­ringer AfD-Rechts­außen Björn Höcke und der Bran­den­burger AfD-Chef Alex­ander Gauland, die aber auf Reden ver­zich­teten. Die extrem rechte „Iden­titäre Bewegung“ warb bei ihren Anhängern für die Aktion, an der rund 300 Per­sonen tei­lahmen.

„Identitäre“ besetzen CDU-Zentrale

Junge Männer aus dem Umfeld des Ber­liner Pegida-Ablegers „Bärgida“, die Auf­schriften wie „Dieses Land soll deutsch bleiben“ trugen, hielten am Mittwoch Aus­schau nach mög­lichen Kri­tikern. Als ein Mann laut­stark seinen Unmut über die Instru­men­ta­li­sierung der Opfer des Ber­liner Attentats vom Montag zum Aus­druck brachte, wurde er schnell vom Platz eskor­tiert. Zum Abschluss wurden weitere Anti-Merkel-Aktionen vor dem Kanz­leramt für den 11. Januar ange­kündigt. Bisher betei­ligten sich an solchen Aktionen wie bei den all­wö­chent­lichen „Bärgida“-Demonstrationen nur ein kleiner Teil orga­ni­sierter Rechter. Am diesem Mitt­woch­abend hatte sich das Spektrum erweitert.

Am Ende der Mahn­wache gab es die Durchsage, dass junge Patrioten die Bun­des­zen­trale der CDU besetzt hätten, was mit Applaus auf­ge­nommen wurde. Die Besetzung ent­puppte sich als eine kurze sym­bo­lische Sitz­blo­ckade vor der geschlos­senen CDU-Zen­trale. Auf Trans­pa­renten wurde die Schließung der Grenzen, die Aus­weisung aller illegal ein­ge­wan­derten und straf­fäl­ligen Migranten und den Stopp der Isla­mi­sierung gefordert.

NPD will „Grenzen dichtmachen“

Par­allel zur Mahn­wache hatte die NPD am Har­den­berg­platz in der Nähe des Anschlagsorts eine Demons­tration unter dem Motto „Grenzen dicht­machen – an Merkels Händen klebt Blut“ ange­meldet. Nach Poli­zei­an­gaben haben sich daran knapp 120 Per­sonen beteiligt. Da die NPD in der jüngsten Zeit in Berlin wenige Men­schen mobi­li­sieren konnte, war diese Teil­neh­merzahl doch recht hoch.

Es war am Mitt­woch­abend jeden­falls deutlich erkennbar, dass die unter­schied­lichen rechten Spektren den Anschlag für sich nutzen wollen.

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Peter Nowak

Bärgida“: Der letzte friedliche Protest

Zum 100. Abend­spa­ziergang der Ber­liner Abend­land­retter haben sich trotz groß­spu­riger Ankün­digung nur knapp 80 Teil­nehmer ein­ge­funden.

Deutschland- und Preu­ßen­fahnen und einige Mist­gabeln aus Pappe. Mit diesen Uten­silien prä­sen­tierten sich am Samstag knapp 80 Teil­nehmer zum 100. „Bärgida-Abend­spa­ziergang“. Eine Frau, die als „unsere Elke“ vor­ge­stellt wurde, verlas einen Rede­beitrag mit Beschimp­fungen gegen die „Lügen­presse“, die selbst bei den eigenen Zuhörern mit Schweigen bedacht wurden. Während die Parolen der über 200 Gegen­de­mons­tranten deutlich zu hören waren, blieb der „Bärgida“-Spaziergang zu großen Teilen ein Schwei­ge­marsch.

Dass selbst zum runden Jubiläum keine drei­stellige Teil­neh­merzahl mehr erreicht wurde, macht deutlich, dass „Bärgida“ sich selbst im rechten Lager weit­gehend iso­liert hat. Dies zeigt auch die völlige Rea­li­täts­ver­wei­gerung auf, was deutlich erkennbar ist in den Zahlen und den Texten, die im Vorfeld des 100. Spa­zier­gangs ver­breitet wurden. So wurden zum Jubiläum 2000 Teil­nehmer ange­meldet. Noch groß­spu­riger hieß es in einem Aufruf an „Freunde und Patrioten“, der auf der „Bärgida“-Homepage ver­öf­fent­licht war. „Kommt zu Tau­senden, besser zu Zehn­tau­senden und zeigt friedlich den Protest gegen diese Volks­ver­räter. Gemeinsam mit Patrioten aus Ungarn, Slo­wakei, Tsche­chien, Russland, Polen, Öster­reich, Nie­der­lande, Schweden und Dänemark. Denn in Berlin sitzt die Spinne im Netz. Kippt Merkel, dann kippt die EU.“

„Sofort zum Volksaufstand aufrufen“

Besonders kryp­tisch ist ein Absatz in dem Aufruf, in dem dazu auf­ge­rufen wird, „letzt­malig unseren fried­lichen Protest gegen die ver­bre­che­rische Politik dieser Regierung machtvoll zu arti­ku­lieren“. Weiter geht es in der gleichen mar­tia­li­schen Diktion: „Sollte an diesem Tag kein Dialog der Macht­haber mit dem kri­tisch den­kenden Volk erkennbar sein, werden wir sofort zum Volks­auf­stand auf­rufen.“ Im vorigen Absatz berufen sich die Ver­fasser des Textes auf ein Wider­stands­recht gegen die Regierung, die durch die Auf­nahme von Geflüch­teten die Gesetze gebrochen habe. Der Aufruf zeigt eine Radi­ka­li­sierung im „Bärgida“-Spektrum, wo ange­sichts der eigenen Irrelevanz offen mit nicht­fried­lichen Aktionen gedroht wird.

Ein Schluss­strich unter den „Bärgida“-Aufmärschen scheint jeden­falls nicht gemeint zu sein. Auf der Homepage wird bereits zum 101. Spa­ziergang am heu­tigen Montag auf­ge­rufen. Auch wenn zu einem Resümee noch zu früh ist, kann kon­sta­tiert werden, dass es „Bärgida“ nicht gelungen ist, sich über einen engen Kern hinaus zu ver­breitern. Doch dieser Kern besteht aus Prot­ago­nisten des eigentlich zer­strit­tenen rechten Milieus. Aus Ein­zel­per­sonen aus der Kame­rad­schafts­szene, der „Hoo­ligans gegen Sala­fisten“, der NPD, der „pro Deutschland“-Bewegung, bis hin zu einigen AfDlern ist eine natio­na­lis­tische Front ent­standen sein. Es bleibt abzu­warten, ob die bei anderer Gele­genheit wieder akti­viert wird.

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Peter Nowak

2015 gab es statistisch eine Gewalttat am Tag

NAZIS Ein Schat­ten­be­richt über „Ber­liner Zustände“ geht von einer Ver­dop­pelung rechter Gewalt aus
Das Anti­fa­schis­tische Pres­se­archiv und Bil­dungs­zentrum Berlin und die Mobile Beratung gegen Rechts­ex­tre­mismus Berlin
geben seit zehn Jahren unter dem Titel „Ber­liner Zustände“ jährlich einen Schat­ten­be­richt über Rechts­ex­tre­mismus, Ras­sismus
und Anti­fa­schismus heraus. Dort kommen Ein­zel­per­sonen und Initia­tiven zu Wort, die sich gegen rechte Ten­denzen im
Alltag enga­gieren. Im Vorwort der kürzlich erschie­nenen Jubi­lä­ums­ausgabe macht die Jour­na­listin Heike Kleffner die Dimension der rechten Gewalt in Berlin deutlich: „Sta­tis­tisch gesehen ereignete sich im Jahr 2015 in Berlin quasi täglich eine poli­tisch rechts bezie­hungs­weise gegen Min­der­heiten gerichtete Gewalttat.“ Gestützt auf Daten von Opfer­be­ra­tungs­stellen kommt sie zu dem Schluss, dass in den letzten zehn Jahren mehrere Tausend Men­schen ange­griffen wurden und sich die rechte
Gewalt in Berlin fast ver­doppelt hat. In einen Beitrag geht Sabine Seyb von der Bera­tungs­stelle für Opfer ras­sis­ti­scher, rechter und anti­se­mi­ti­scher Gewalt Reach Out auf das Thema ein. Der Fokus liegt im aktu­ellen Schat­ten­be­richt auf den Kampf
der Geflüch­teten um ihre Rechte und den unter­schied­lichen Unter­stüt­ze­rInnen. Hanna Krü­gener, Susann Thiel und Manuel
Arm­bruster von Bil­dungs­bewegt, einem Kol­lektiv, das Work­shops, Seminare und Pro­jekttage zu den Themen Fluchtund Asyl anbiett, plä­dieren für eine Poli­ti­sierung der Unter­stüt­zungs­arbeit. „Wir helfen nicht, wir lernen von­ein­ander“, beschreibt
das Trio die eigene Arbeit. In einem Interview mit Akti­vis­tInnen von Will­kom­mens­in­itia­tiven aus Kreuzberg, Moabit und Lich­tenberg geht es um die all­täg­lichen Mühen dieser Unter­stüt­zungs­arbeit. In einem wei­teren Interview stellt Katharina Oguntoye das von ihr mit begründete inter­kul­tu­relle Bera­tungs- und Begeg­nungs­zentrum Joliba vor, das seit 20 Jahren
am Gör­litzer Park mit afri­ka­ni­schen Flücht­lingen arbeitet. Über neue Wege zur Erfassung anti­se­mi­ti­scher Vor­fälle berichtet die Recherche- und Infor­ma­ti­ons­stelle Anti­se­mi­tismus Berlin. Vera Henßer und Frank Metzger ana­ly­sieren die Bärgida-Bewegung, die sich jeden Montag am Haupt­bahnhof trifft, als „ver­schworene Gemein­schaft“, in der sich Rechts­po­pu­lis­tInnen und Neo­nazis
ver­ei­nigen. Erfreulich ist, dass auch das Agieren von tür­ki­schen Natio­na­lis­tInnen in Berlin am Bei­spiel der Grauen Wölfe
in einem Artikel the­ma­ti­siert wird.
Peter Nowak
■■Die Bro­schüre „10 Jahre Ber­lin­er­Zu­stände“ hat 152 Seiten und kann beim Anti­fa­schis­ti­schen Pres­se­archiv und Bil­dungs­zentrum Berlin oder bei der Mobilen Beratung gegen Rechts­ex­tre­mismus Berlin bestellt werden.
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aus Taz vom 1.8.2016

Ekelhafte Nazi-Pöbelei

Der aus Thü­ringen stam­mende mehrfach vor­be­strafte Neonazi Christoph S. wurde vom Ber­liner Amts­ge­richt zu einer Frei­heits­strafe von 32 Monaten ver­ur­teilt.

Die Nach­richt schaffte es im August ver­gangen Jahres sogar in die Aus­lands­presse. Zwei betrunkene Neo­nazis belei­digten eine Frau mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund und ihre Kinder in der Ber­liner S-Bahn mit ras­sis­ti­schen Parolen. Dann soll einer der Männer seine Hose geöffnet und auf die Kinder gepinkelt haben, so berich­teten es mehrere scho­ckierte Augen­zeugen. Mehrere Fahr­gäste sagten später aus, dass die beiden Männer unter anderem gerufen hätten „Asy­lan­ten­heime sollen brennen“. Eine Frau, die sich gegen die Hetze wandte, sei als „Juden­schlampe“ beschimpft worden. In Ber­liner Medien machte das Wort vom Ekelnazi die Runde.

Jetzt hat das Ber­liner Amts­ge­richt den vielfach vor­be­straften Christoph S. zu einer Gesamt­frei­heits­strafe von 32 Monaten ver­ur­teilt. Der aus Thü­ringen stam­mende Mann gehört seit über 20 Jahren zur rechten Szene. In dem Ver­fahren wurden unter­schied­liche Straf­taten ver­handelt. So soll S. am 27. März 2015 in der S-Bahn den deut­schen Gruß gezeigt und Heil Hitler gebrüllt haben, einige Stunden später einen Mann, der sich gegen die Nazi-Sprüche ver­wahrte, geschlagen und getreten haben. Ob der Ange­klagte tat­sächlich auf die Kinder uri­nierte, ließ das Gericht offen. Belegt ist, dass er den Kindern sein Gesäß und seine Geni­talien prä­sen­tierte. „Die Mit­rei­senden waren so irri­tiert, dass ihre Auf­nah­me­fä­higkeit ein­ge­schränkt war“, erklärte die Rich­terin.

Teilnehmer bei „Bärgida“-Aktionen

Bereits im Januar 2016 war Christoph S. zu einer Haft­strafe von 9 Monaten ver­ur­teilt worden, die nun zu seiner neuen Ver­ur­teilung zu einer Gesamt­strafe zusam­men­ge­fasst werden. Damals war S. wegen Fahrens ohne Ticket, dem Dieb­stahl von Wodka und dem Zeigen des Hit­ler­grußes auf einer Kund­gebung des Ber­liner Pegida-Ablegers „Bärgida“ ver­ur­teilt werden.

S. war im letzten Jahr mehrmals Teil­nehmer der „Bärgida“-Aktionen. Ein Foto zeigt ihn am 3. August in der Nähe des Leit­trans­parents. Auf einem wei­teren Foto vom 22. August befindet sich S. in einer Gruppe rechter Hoo­ligans, die ein Trans­parent mit der Auf­schrift „Ein Bündnis für Deutschland“ tragen und „Kein Freiraum für linke Gewalt“ fordern.

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Peter Nowak

Mauergedenken auf „Bärgida“-Art

Ber­liner „Abend­land­spa­zierer“ ziehen vor die Gedenk­stätte Mau­er­museum.

Redner auf „Bärgida“-Kundgebung fordert neue Mauern (Screenshot)

„Festung Europa auf­bauen“, skan­dierten die rund 100 Teil­nehmer des „58. Spa­zier­gangs“ von „Bärgida“. Als Ort hatten die Ber­liner Pegi­disten am Mon­tag­abend die Gedenk­stätte Mau­er­museum in der Ber­nauer Straße gewählt. Ein Redner erklärte, man habe bewusst diesen Gedenkort auf­ge­sucht, um neue Mauern zu fordern. Es sei uner­träglich, wenn in der letzten Zeit die Dis­kussion um eine aktuelle Grenz­si­cherung mit der Ber­liner Mauer ver­bunden werde. Die DDR-Grenze habe zur Teilung des deut­schen Volkes gedient, während es bei der „Festung Europa“ um dessen Schutz gehe. Der Applaus der Teil­nehmer war ver­halten. Neben zahl­reichen Deutschland-Fahnen und der bei den „Bärgida“-Aufmärschen obli­ga­to­ri­schen Israel-Fahne waren auch zahl­reiche Banner von Kame­rad­schaften und der „Iden­ti­tären Bewegung“ zu sehen. Die Melodie der Inter­na­tionale wurde mit natio­nalen Text­zeilen ein­ge­spielt.

Der schon bei dem obli­ga­to­ri­schen „Bärgida“-Auftakt am Ber­liner Haupt­bahnhof ange­kün­digte bekannte Haupt­redner sorgte eben­falls für wenig Begeis­terung unter den Teil­nehmern. Der Duis­burger Curd Schu­macher stellte in jüngster Zeit mehrere Videos auf YouTube, in denen er die Thesen der so genannten Reichs­bür­ger­be­wegung ver­tritt. Da es nach dem Zweiten Welt­krieg keinen Frie­dens­vertrag gegeben habe, sei Deutschland weiter ein besetzter Staat mit beschränkter Sou­ve­rä­nität, so Schu­macher. In den ver­gan­genen Monaten sprach er auf zahl­reichen Demons­tra­tionen von Pegida und ihren unter­schied­lichen Ablegern. So bezeichnete er im November 2015 in Rathenow die USA als „Pest der Welt“.

Auch in seiner Rede am Mon­tag­abend in Berlin kom­bi­nierte Schu­macher Thesen aus dem Reichs­bür­ger­spektrum mit Angriffen auf die Par­tei­en­de­mo­kratie und reichen Wirt­schafts­kreisen in den USA, die die Welt beherr­schen würden. Großes Lob spendete er der Ber­liner Polizei für die Durch­su­chung eines linken Haus­pro­jekts in der Rigaer Straße Mitte Januar. Die Polizei hätte mit einem viel grö­ßeren Auf­gebot „das Drecksnest“ aus­misten sollen, wünschte sich Schu­macher. Am Ende seiner Rede äußerte er die Erwartung, dass die Polizei sich gegen die Regierung wenden und auf die „Seite des Volkes“ stellen werde. Auf­ge­weckt wurden durch solche Thesen aller­dings weniger die „Bärgida“-Teilnehmer, als die rund 50 Gegen­de­mons­tranten von No-Bärgida, die sich am Rande der Kund­gebung gesammelt hatten.

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Peter Nowak

„Pogida“ mit Startschwierigkeiten

Am gest­rigen Monat sind Pegida-Anhänger in Berlin und Potsdam – mit wenig Erfolg – auf die Straße gegangen.

Noch bevor der Bärgida-Auf­marsch vor dem Ber­liner Haupt­bahnhof am Montag begonnen hatte, schallten die Parolen der Gegen­de­mons­traten von „NoBärgida über den Platz. Bald stellte sich heraus, dass die Gegner mit über 200 Demons­trie­renden gegenüber den knapp 120 „Bärgida“-Teilnehmern in der Mehrheit waren.

Ein­ziger „Bärgida“-Redner war der „pro Deutschland“-Funktionär Karl Schmitt, der seit Monaten die Auf­märsche anmeldet und eröffnet. Im Mit­tel­punkt seiner Rede standen die Kölner Ereig­nisse in der Sil­ves­ter­nacht. Dabei erging sich Schmitt in ver­schwö­rungs­theo­re­ti­schen Ver­mu­tungen, dass die „Glo­ba­listen“ solche Ereig­nisse gezielt planten, um eine „braune Men­schen­rasse“ zu erzeugen, über die angeblich schon vor Jahr­zehnten in den USA geschrieben worden sei. Zudem würden, so Schmitt, die Glo­ba­listen gezielt die „Abschaffung der Völker“ betreiben, um ihren sozia­lis­ti­schen Zielen näher zu kommen. Das Interesse der Zuhörer hielt sich in bei solchen Aus­füh­rungen aller­dings in Grenzen. Grö­ßeren Applaus erhielt Schmitt nur, als er das Hoch­ziehung der Grenzen und die schnelle Abschiebung von Flücht­lingen for­derte und seine Rede mit dem Bekenntnis beendete, solange wieder auf die Straße zu gehen, bis Deutschland wieder den Deut­schen gehöre.

Nach knapp 30 Minuten war die Kund­gebung beendet und ein Großteil der Teil­nehmer stieg in zwei Busse nach Potsdam. Damit sollte der erste „Spa­ziergang gegen die Isla­mi­sierung des Abend­landes“ von Pogida am 11. Januar in der Bran­den­burger Lan­des­haupt­stadt unter­stützt werden. Doch der erste öffent­liche Auf­tritt des neuen Pegida-Ablegers hatte große Start­schwie­rig­keiten. Zunächst wurden die Busse aus Berlin durch Blo­ckaden eines Gegen­bünd­nisses behindert. Danach wurde auch die geplante Demons­tra­ti­ons­route blo­ckiert. So beschränkte sich die erste Pogida-Aktion auf langes Stehen auf dem Pots­damer Bas­sin­platz. Gegen 22.15 Uhr drängte die Polizei auf die Auf­lösung der Kund­gebung und geleitete die Teil­nehmer zum Haupt­bahnhof. Nach Angaben der „Pots­damer Neu­esten Nach­richten“ (PNN) wurde erstmals bei einem NPD-gesteu­erten Protest gegen eine Flücht­lings­un­ter­kunft in der ver­gan­genen Woche öffentlich zu Pogida auf­ge­rufen. Der Anmelder Christian M. aus Potsdam habe auf seiner Facebook-Seite offen mit der NPD sym­pa­thi­siert.

aus:

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Peter Nowak

Pegida bekämpfen, aber die Kernforderungen übernehmen