Mauergedenken auf „Bärgida“-Art

Ber­liner „Abend­land­spa­zierer“ ziehen vor die Gedenk­stätte Mau­er­museum.

Redner auf „Bärgida“-Kundgebung fordert neue Mauern (Screenshot)

„Festung Europa auf­bauen“, skan­dierten die rund 100 Teil­nehmer des „58. Spa­zier­gangs“ von „Bärgida“. Als Ort hatten die Ber­liner Pegi­disten am Mon­tag­abend die Gedenk­stätte Mau­er­museum in der Ber­nauer Straße gewählt. Ein Redner erklärte, man habe bewusst diesen Gedenkort auf­ge­sucht, um neue Mauern zu fordern. Es sei uner­träglich, wenn in der letzten Zeit die Dis­kussion um eine aktuelle Grenz­si­cherung mit der Ber­liner Mauer ver­bunden werde. Die DDR-Grenze habe zur Teilung des deut­schen Volkes gedient, während es bei der „Festung Europa“ um dessen Schutz gehe. Der Applaus der Teil­nehmer war ver­halten. Neben zahl­reichen Deutschland-Fahnen und der bei den „Bärgida“-Aufmärschen obli­ga­to­ri­schen Israel-Fahne waren auch zahl­reiche Banner von Kame­rad­schaften und der „Iden­ti­tären Bewegung“ zu sehen. Die Melodie der Inter­na­tionale wurde mit natio­nalen Text­zeilen ein­ge­spielt.

Der schon bei dem obli­ga­to­ri­schen „Bärgida“-Auftakt am Ber­liner Haupt­bahnhof ange­kün­digte bekannte Haupt­redner sorgte eben­falls für wenig Begeis­terung unter den Teil­nehmern. Der Duis­burger Curd Schu­macher stellte in jüngster Zeit mehrere Videos auf YouTube, in denen er die Thesen der so genannten Reichs­bür­ger­be­wegung ver­tritt. Da es nach dem Zweiten Welt­krieg keinen Frie­dens­vertrag gegeben habe, sei Deutschland weiter ein besetzter Staat mit beschränkter Sou­ve­rä­nität, so Schu­macher. In den ver­gan­genen Monaten sprach er auf zahl­reichen Demons­tra­tionen von Pegida und ihren unter­schied­lichen Ablegern. So bezeichnete er im November 2015 in Rathenow die USA als „Pest der Welt“.

Auch in seiner Rede am Mon­tag­abend in Berlin kom­bi­nierte Schu­macher Thesen aus dem Reichs­bür­ger­spektrum mit Angriffen auf die Par­tei­en­de­mo­kratie und reichen Wirt­schafts­kreisen in den USA, die die Welt beherr­schen würden. Großes Lob spendete er der Ber­liner Polizei für die Durch­su­chung eines linken Haus­pro­jekts in der Rigaer Straße Mitte Januar. Die Polizei hätte mit einem viel grö­ßeren Auf­gebot „das Drecksnest“ aus­misten sollen, wünschte sich Schu­macher. Am Ende seiner Rede äußerte er die Erwartung, dass die Polizei sich gegen die Regierung wenden und auf die „Seite des Volkes“ stellen werde. Auf­ge­weckt wurden durch solche Thesen aller­dings weniger die „Bärgida“-Teilnehmer, als die rund 50 Gegen­de­mons­tranten von No-Bärgida, die sich am Rande der Kund­gebung gesammelt hatten.

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Peter Nowak