Frederik Fuss (Hg.): Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus. Syndikat A. 196 Seiten. ca. 16,00 SFr. ISBN: 978-3-949036-16-3.

Anarchismus und Antisemitismus

Der Sammelband über das Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus lässt Raum für Fragen und Zweifel und lädt zur Diskussion ein. Der Band könnte er könnte Massstäbe auch für die innerlinke Debattenkultur setzen. Deswegen ist es bedauerlich, dass das Buch nicht stärker zur Kenntnis genommen wird. Bei einer hoffentlich erfolgten Neuauflage sollte allerdings noch ein Autor*innenverzeichnis eingefügt werden.

Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich auch in der gesellschaftlichen Linken die Fronten verhärtet. In grossen Teilen des propalästinensischen Spektrums wird seitdem der Begriff Zions als Schimpfwort gebraucht. Gemeint sind israelsolidarische Menschen, die generell als Zionist*innen gelabelt werden. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen Wirklichkeit der stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie mit Stalin und seinen Epigon*innen haben, bleiben vom Streit um …

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Frederik Fuß (Hg.): Anarchistische Scheidewege. Zum Verhältnis von Anarchismus und Antisemitismus, Syndikat A, 196 S., br., 12,90 €.

Im Zweifel für den Zweifel

Ein aktueller Sammelband betrachtet das Verhältnis der anarchistischen Bewegung zumAntisemitismus. Anstelle einfacher Antworten zeigt sich Diversität: von antisemitischen Tendenzen über staatskritischen Antizionismus bis hin zur Betonung Israels als Schutzraum. Das Buch liefert viele Denkanstöße, gerade weil  die Beiträge nicht auf eine »linke Szene« im engeren Sinne ausgerichtet sind.

Seit dem islamistischen Angriff auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich in der gesellschaftlichen Linken in Deutschland die Fronten verhärtet. In großen Teilen des propalästinesischen Spektrums wird der Begriff Zionist mittlerweile als Schimpfwort verwendet oder mit »Faschist« synonym verwendet. Das erinnert an Rituale in der kommunistischen, in Wirklichkeit stalinistischen Bewegung, wo Ende der 1940er Jahre der Kampf gegen den Zionismus ausgerufen worden war. Aber auch Linke, die sich kritisch zu Staat und Nation positionieren und keinerlei Sympathie gegenüber Stadt lin und seinen Nachfolgern haben, bleiben vom Streit um …

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Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933 – 1945 Helge Döhring, Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933 – 1945, Verlag Edition AV, Bodenburg 2023, 244 Seiten, 18 Euro, ISBN 978-3-86841-296-3

Anarcho-Syndikalismus in Deutschland 1933 – 1945

Emil Hessenthaler blieb in Haft unter unvorstellbaren Bedingungen und wurde, wie viele Nazigegner*innen, kurz vor dem Ende der NS-Diktatur auf einen Todesmarsch quer durch Deutschland geschickt, bevor er von französischen Soldaten befreit wurde.

„Von Schweden nach Spanien“, so der Titel eines im Dezember 2023 in der Graswurzelrevolution Nr. 484 erschienenen Artikels von Jürgen Mümken über Syndikalist*innen aus aller Welt, die gegen den Franco-Faschismus kämpften. Dort wird auch ein Emil Hessenthaler erwähnt, dessen Geburtsjahr mit 1914 angegeben wird. Das Todesjahr war ebenso wenig bekannt wie weitere Details aus dem Leben Hessenthalers. Lediglich eine Anmerkung gab es noch zu ihm. Er sei vorher Kommunist gewesen und erst kurz vor ihrem Einsatz in Spanien der Exilorganisation „Deutsche Anarcharchosyndikalisten“ (DAS) (1) beigetreten. Doch jetzt wissen wir mehr über die „Odyssee des Emil Hessenthaler“. So ist ein zweiseitiger Text in dem Buch …

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